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Prostitution hat viele Gesichter (reloaded)

KettenProstitution ist nicht so eindimensional, wie es den Anschein hat. Das Wort prostituere ist lateinischen Ursprungs und bedeutet so viel wie „nach vorn; zur Schau stellen“ oder auch „preisgeben“.

Ich möchte in diesem Beitrag erneut die drei Gesichter der Prostitution aufgreifen und vertiefen.

Zum einen gibt es die körperliche Prostitution, diese ist wohl auch die am häufigsten im Sprachgebrauch an zu treffende. Jahrtausende alt und genau so polarisierend wie der Streit zwischen Vegetariern und Fleischliebhabern – ist ein Bereich doch gerade die Fleischbeschau. Ich möchte ohne viel Umschweife daher zum zweiten Gesicht überleiten.

Neben dem körperlichen zeichnet sich auch das Geistige aus. Die geistige Prostitution ist ein zunehmender Markt – gerne auch als Wachstumsmarkt bezeichnet. Hier wird gegen Geld sein Know-how dargeboten, was etwas hochtrabend klingt, jedoch ganze Bodenhaftung hat. Um Verwechslungen mit der körperlichen Prostitution aus dem Wege zu gehen, werden diese – meist männlichen Zeitgenossen – als Berater oder Consultants bezeichnet. Für den Tagessatz ist dabei nicht direkt das äußere Erscheinungsbild wichtig, sondern der Titel auf der Visitenkarte. Bei „Senior“ oder „Partner“ sind sie im Premium-Segment angelangt – im Wesentlichen handelt es sich aber auch hier um Äußerlichkeiten.

Die Interessenskonflikte unterscheiden sich nur auf den ersten Blick von dem der körperlichen Prostitution. Meist sind die Berater über längere Zeit fern ab der Heimat in einem Projekt eingebunden und schlafen unter der Woche in fremden Betten. Der Tätigkeitsbereich gibt der Kunde vor, denn dieser bezahlt für die Leistung. So kann es durchaus sein, dass ein Friedensaktivist seine Beratungsleistung just in dem Bereich erbringen muss, gegen den er sich in seinem zivilen Leben stellt. Gerade in der sogenannten Sicherheitsforschung finden sich technikaffine sehr wohl, werden doch gerade dort die aktuellsten „Spielzeuge“ in Form von Drohnen mit hoch auflösenden Kameras ausgestattet um mit der passenden Software die Bilder mit den zusammengetragenen Daten zu fusionieren. Vor lauter Technikbegeisterung verliert der eine oder andere das eigentliche Ziel seines Schaffens völlig aus dem Blick.

Neben diesem Bereich der „Edel-Prostitution“ gibt es auch noch andere Bereiche.

Diese Bereiche zeichnen sich eher durch stupide Arbeiten aus. Werksverträge und Leiharbeitsverträge bilden hier die legitime Grundlage. Viele dieser Tätigkeiten stellen dabei eine Symbiose zwischen Körper und Geist dar. Um diese – recht neue Prostitution von dem der Berater abzugrenzen – spricht man hier auch oft etwas verachtend von Leiharbeitern, Ein-EURO-Jobber etc. Entsprechend auch das soziale Ansehen und die Entlohnung.

Nachdem dieser graue Arbeitsmarkt und die sozialen Zustände in letzter Zeit am Beispiel von Paketdiensten oder in der Automobilindustrie medialer Aufmerksamkeit widerfahren ist, sind viele Kunden sensibilisiert und achten verstärkt auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften. Eine diese Vorschriften geben beispielsweise vor, dass ein Mensch in diesem (externen) Beschäftigungsverhältnis nicht weisungsbefugt sein darf. Konkret heißt das, dass der Kunde (gerne auch als Freier bezeichnet) dem zur Schau gestellten nicht vorgeben darf, was er zu tun hat. Wenn der Kunde also im Detail vor gibt, welche Arbeit wie auszuführen ist, so stellt dies ein festes Beschäftigungsverhältnis dar und muss (laut Gesetz) von der Stammbelegschaft erbracht werden.

Diese Vorgaben sorgen für eine Verschärfung der Situation. Waren zuvor noch die zur Schau gestellten in die Arbeitsabläufe integriert und hatten Kontakt zu den festen Mitarbeitern, so sind diese jetzt weitgehend isoliert. Dies ist übrigens mittlerweile auch in dem Edel-Segment der Berater und Consultants gängige Praxis. Das gemeinsame Arbeiten im Team am gleichen Projekt ist erschwert, wenn nicht gar unmöglich, da nun ja nicht mehr direkt Aufträge an den externen Dienstleister gegeben werden können. Der externe Dienstleister muss quasi von selbst erkennen, welche Tätigkeit er ausfüllen soll oder er übernimmt einen abgeschlossenen und klar definierten Bereich und führt diesen in Eigenregie – als ein sogenanntes Gewerk – zum Abschluss.

Kommen wir nun aber zur Crème de la Crème. Das Model-Gesicht der Prostitution, wenn man so will.

Hier geht es nicht um körperliches oder geistiges, es geht um Moral. Die moralische Prostitution ist grenzenlos, verbindet ganze Völker gleichen Interesses und kann im Gegenzug auch ganze Völker mit Krieg überziehen. Wiederum für weltliche Ziele – sprich Geld und Macht – werden moralische Grundsätze verkauft und damit ganze Völker indirekt zwangsprostituiert, denn ein Völkerrecht gibt es nur auf dem Papier und dieses ist bekanntlich geduldig.
Eine aktuelle Vertreterin dieser Gattung ist unsere Große Koalition – in Persona vertreten durch die Maske von Frau Merkel. In ungeahnter Ignoranz (eine wesentliche Voraussetzung für die moralische Prostitution) schafft sie es, sich für die Ziele der USA zu Instrumentalisieren. Dabei ist dies in der Politik bereits seit längerem gelebte Praxis – die Zuhälter, namentlich als Lobbyisten bezeichnet, wachsen stetig -, jedoch bisher nur selten in dieser Größenordnung!

So gibt es mittlerweile z.B. mehr Lobbyisten als Politiker in der EU. In Brüssel kommen im Schnitt auf einen der 766 Volks-Interessenvertreter ganze 26 Kapital-Interessenvertreter. Man kann sich nur schwer ausmalen, wie umschwänzelt da eine Königin ihrer Zunft wird – gleichwohl dient dieser Schwänzeltanz nicht wie bei den Bienen dem Gemeinwohl, um die ertragreichste Futterquelle zu kommunizieren. Die Auslobung dieser Geldtöpfe, die in einem Eier-Tanz vollzogen werden, dienen nur einer sehr ausgewählten Gemeinschaft, die viele Namen trägt (z.B. Bilderberger, Skull & Bones etc.).

Verglichen mit der körperlichen Prostitution bedeutet dieses Verhältnis zwischen Politiker und Lobbyisten, dass im Rotlichtbereich gleich mehrere Zuhälter an einem Menschen verdienen – ein sog. Sharing (von engl. to share „teilen“, „teilnehmen“, „verteilen“). Man mag sich die Zustände vorstellen, wenn diese Praxis, die bei der moralischen Prostitution an der Tagesordnung ist, auch in die anderen Bereiche überschwappt. Der dann notwendige 20-Stunden-Tag dürfte dabei noch das geringste Problem sein…

In wie weit es diese Form der Prostitution bereits gebracht hat, können wir an aktuellen Ereignissen bereits sehr gut ablesen. Die angedrohten Sanktionen im Ukraine-Konflikt zeigen gut auf, wessen Herrn die moralisch Prostituierten dienen. Dass es in einem solchen lukrativen Umfeld auch Trittbrettfahrer gibt, zeigt momentan die Mainstream-Presse sehr eindrucksvoll. Lediglich die (oftmals nur sehr kurz freigeschaltete) Kommentarfunktion zeigt auf, dass es kritische Stimmen im Lande gibt – und so wendet man sich auch noch von dieser letzten Bastion der Aufklärung ab und schließt kurzerhand diesen Kanal und löscht die Kommentare, die schlecht fürs Geschäft sind. Von einer vierten Gewalt im Staate bleibt dann nur noch die Erinnerungen an journalistischen Glanzstücken längst vergangener Tage.

Ein weiteres Blickes wert erscheint mir in diesem Zusammenhang das aktuell – im geheimen – verhandelte transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP). Wie schon zuvor bei der Genmais-1507-Zulassung kann der Bürger unschwer erkennen, zu welchen langfristigen Auswirkungen die moralische Prostitution im Stande ist.

Das perfide daran ist jedoch, dass bei der moralischen Prostitution wir Bürgerinnen und Bürger indirekt einen Teil der Zuhälter stellen. Wir bezahlen durch unsere Steuern und unser vierjähriges Kreuzchen-machen jene Prostitution, dessen Auswirkungen wir direkt spüren. Wir können hier nicht wie bei der körperlichen Prostitution einfach weg sehen, wenn wir uns schadfrei halten wollen oder einfach die Produkte meiden, um nicht der geistigen Prostitution anheim zu fallen. Die moralische Prostitution kennt diese Fluchtmöglichkeit nicht. Selbst wenn wir keine Steuern zahlen und nicht zur Wahl gehen, tragen wir eine Mitschuld, wenn wir die Zustände kommentarlos guthalten. Wenn wir solange warten, bis sich der Kreislauf schließt und die (politischen) Entscheidungen von heute uns morgen selbst treffen, kann es bereits zu spät sein. Wenn die Panzer vor unserer Tür stehen, der Genmais auf dem Teller und die Kinder zuhause, weil uns das Geld für die Kindergärten fehlt, dann ist es zu spät!
Bewahren wir lieber das, was unsere Kultur heute auszeichnet und zu dem gemacht hat, was wir sind.

Wer tut nun was?

Hat sich die religiöse Instanz doch seit Jahren um die körperliche Prostitution gesorgt und uns klare Regeln auferlegt, was wir tun und lassen sollen, so versagt diese in den beiden anderen Bereichen. Bei der moralischen Prostitution ist es dabei nicht verwunderlich, bekommt sie doch aus diesem Bereich die finanzielle Unterstützung, die zum Überleben der Institution so wichtig ist.
Bei der geistigen Prostitution scheint es so, dass der Staat mit Gesetzen und Verordnungen hier einen Rahmen vorgibt. Das Perfide dabei ist aber, dass er – der Staat – zu Zeiten der Agenda 2010 durch ihren Vertreter Hr. Schröder erst die Zustände geschaffen hat. So werden einmal wieder nicht die Umstände beseitigt, die zu dieser Prostitution führen, sondern lediglich die (Aus-)Wirkung kaschiert.
Bleibt noch die moralische Prostitution. Da hier leider alle bisherigen Organe im Staate versagen und nicht einmal das Verfassungsgericht oder der Bundespräsident dem Treiben Einhalt gebietet, bleibt nur noch der Souverän. Es ist leider eine traurige Wahrheit, dass dieses Schwert längst stumpf geworden ist. So gilt es mehr denn je, seinen Geist zu schärfen um zur rechten Zeit mit einer Stimme dem Einhalt zu gebieten, das unser aller Bürgerpflicht ist: das Recht auf ein ehrenwertes Leben!

Mit der Wahrheit ist das wie mit einer stadtbekannten Hure.
Jeder kennt sie, aber es ist peinlich, wenn man ihr auf der Straße begegnet.
(Wolfgang Borchert)

Ro!and
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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