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Zahlenspiele mit Außenwirkung

Schnappfisch-3701Es ist mehr als kreativ, wie Messzahlen so verändert werden, dass weiterhin Friede, Freude, Eierkuchen im Lande herrscht. Die EU plant ab September 2014 die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) an zu passen.

Der kreative Aspekt betrifft die Schuldenquote der EU-Länder. Steigt nämlich das BIP, so sinkt die Schuldenquote. Auf einem Schlag ist alles wieder gut und wir befinden uns wieder im Aufwind.

Dieses warme Lüftchen ist dabei nicht zu verachten. Werden doch zukünftig dem BIP – also der Summe aller in einem Jahr und Land erwirtschafteten Gütern, Waren und Dienstleistungen – nun auch solche der Schattenwirtschaft hinzu gerechnet. Konkret all jene Einkünfte aus Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Bestechungsgelder, Drogen, Schmuggel etc.

Darüber hinaus gelten jetzt auch Militärgüter – also Panzer, Drohnen, Raketen, Kriegsschiffe usw. – als Investition und werden somit dem BIP zugerechnet. Der schale Beigeschmack dieser neuen Sichtweise ist in der aktuell angespannten Lage nicht übersehbar. Speziell hinsichtlich der Forderung aus den USA, die EU möge ihre Rüstungsetats doch umgehend aufstocken. Es fehlt jetzt nur noch, dass Gewinnerwartungen durch kriegerische Handlungen ebenso dem BIP zugerechnet werden können.

Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung – in der EU ein Milliardenbetrag – werden künftig als Investitionen verbucht (bisher als Vorleistungen) und erhöhen nun das BIP, dass sie zuvor noch verminderten. Damit wirkt sich diese Position gleich doppelt-positiv für das BIP aus. Dieses Glanzstück haben die USA übrigens bereits im Juli 2013 vollzogen und damit ihr US-BIP auf einen Schlag um 3% angehoben. Bei den F&E- und Militärausgaben will die EU bereits im zweiten Quartal 2014 nach ziehen (also bereits morgen!) und freut sich ebenso auf einen BIP-Zuschlag von ca. 3%.

Wo wir es bei den Forschungs- und Militärausgaben noch mit sichtbaren Zahlen zu tun haben, können diese in der Schattenwirtschaft nur geschätzt werden. Hier liegen die Schätzungen der Fachleute dann auch weit auseinander. Es kursieren Zahlen zwischen 150 Milliarden und knapp 500 Milliarden EUR – wobei derzeit von ca. 15% des BIP, also etwa 400 Milliarden EUR, ausgegangen wird. Bei einem derzeitigen BIP von ca. 2.700 Milliarden EUR können wir uns also nächstes Jahr auf den Sprung über die 3 Billionen-EUR-Marke freuen.

Das die im Stabilitäts- und Wachstumspakt der EU vereinbarte Schuldenbremse direkt vom BIP abhängt, und die Verschuldung damit neuen Spielraum erhält, dürfte ein willkommener Nebeneffekt sein, wenn ein EU-Land überhaupt noch was auf die vertraglichen Vereinbarungen gibt.

Wir sollen zukünftig mehr denje sensibel sein, welche Zahlen uns vorgesetzt werden. Einige Kennzahlen, die direkt oder indirekt mit dem BIP zusammenhängen, sollten wir ab September kritisch betrachten. Ein möglicher Wirtschaftsaufschwung hat dann gleichwohl weniger mit einem spürbaren (bürgerlichen) Wohlstand zu tun, auch wenn die Kennzahlen in der Mainstream-Presse diesen Umstand vermutlich hier und da gerne anführen werden.

Es gibt drei Arten von Lügen:
Lügen, verdammte Lügen und Statistiken.
(Mark Twain)

Ro!and
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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