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Geld und Macht

Gegenstaende_bauwerk3Ich habe in meinem ersten Blogeintrag, den ich Geständnis eines Schnappfisches nannte, bereits denn Irrsinn des Geldes aufgegriffen. Ich habe es mir auch nicht nehmen lassen, auf ein gutes Buch hin zu weisen und wie Oeconomicus treffend in seinem Kommentar bemerkt hat, ist das Buch von Stephan Zarlenga sehr Erkenntnisreich. Ich erlaube mir heute, ohne anmaßend zu erscheinen, noch etwas weiter zurück zu gehen, als Stephan.

Es geht um den Ursprung von Geld. Machen wir uns nochmals kurz vertraut, was Geld eigentlich ist – eine bessere Sicht erhalten Sie gewiss, wenn sie alle 552 Seiten von dem erwähnten Buch gelesen haben. Aber das brauchen wir nicht für den Ursprung. Denn aller Ursprung ist einfach und in dieser Einfachheit liegt auch die Schönheit. Mathematiker kennen viele dieser Beispiele, Physiker nehmen gerne Einsteins e=mc², Taoisten gerne Bilder… Sie verstehen sicher was ich meine.

Bevor ich nun eine mögliche Antwort auf den Ursprung gebe, so wie ich es bereits in meinem Buch zur Henne-Ei-Problematik getan habe, nun eine kurze Erklärung was Geld ist oder sein kann:

Geld ist ein Repräsentant aller versammelter Produkte (Waren, Dienstleistungen etc.) auf dieser Welt.

Im Kern genügt das, wir brauchen es nicht zu verwässern, in dem wir immaterielle Güter hinzunehmen oder sogar eine fiktive Idee (der Ursprung jeglicher dot-com-Blase) einen Wert in Form von Geld beimessen.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass sich die Produkte auf der einen Seite und das Geld auf der anderen die Waage halten. Sie können sich her wirklich bildlich eine Waage vorstellen, die im Gleichgewicht ist. Buchhalter können sich auch gerne eine ausgeglichene Bilanz vorstellen.
Das bedeutet: kommt auf einer Seite was hinzu muss es auf der anderen Seite ausgeglichen werden. Wenn das nicht geht, weil wir z.B. einfach nur Geld drucken ohne gleichzeitig die entsprechenden Produkte zu produzieren, müssen wir einfach das Verhältnis ändern. Anders ausgedrückt: auf einer Seite der Waage haben Sie 1 EUR auf der anderen Seite 1 Schnappfisch. Kommt nun ein weiterer Schnappfisch hinzu, dann schnappen beide nach dem einen Euro und teilen diesen in zwei Hälften. Jeder Schnappfisch hat nun einen „Wert“ von 0,50 EUR. Wieder zurück zum Ausgang: kommt statt dem Schnappfisch auf der anderen Seite ein Euro dazu, dann ist dieser Schnappfisch jetzt 2 EUR „Wert“. Damit haben Sie das Wesen der Inflation- und Deflation verstanden. Falls noch nicht dann kann man auch diesen Film dazu ansehen:

So jetzt aber, nachdem wir das verstanden haben können wir direkt zum Kern vordringen. Wie fing alles an? Stellen Sie sich eine Welt vor, ohne Produkte und ohne Geld. Wie können sie nun die Waage befüllen, wenn sie auf einer Seite etwas einfüllen und die andere Seite leer ist, haben sie immer mathematisch eine Division durch null. Das Verhältnis ist dann immer Geld/nicht oder Produkt/nichts. Nur kurz zur Erinnerung an diejenigen, die schlechte Erinnerungen an die Mathematik haben. Bei einer Division durch null ist das Ergebnis nicht null oder „Fehler“ oder „Div./0“, nein hier täuscht der Taschenrechner, das Ergebnis ist unendlich oder kurz: ∞
Sie bekommen dann eine Beziehung zu dem Produkt, dass keine mögliche Entsprechung besitzt. Anders ausgedrückt: der erste Schnappfisch hat einen Geldwert in unermesslicher Höhe – die aktuelle Verschuldung ist hierzu im Verhältnis gerade zu lächerlich. Stellen Sie sich einfach alles Geld, was auf der Welt zirkuliert vor. All dieses Geld zusammen entspricht in etwa einem Millionsten-Milliardstel-Trillionsten Millimeter im Verhältnis zur Entfernung, die uns zur Sonne führt. Dies ist wie gesagt nur eine ganz grobe Annäherung, in Wirklichkeit ist es nicht die Sonne, die wir kennen, sondern eine in einer fernen Galaxie, aber ich möchte Sie an dieser Stelle nicht verwirren.

Kommen wir also wieder zurück zum Problem. Sie müssen also etwas gleichzeitig tun – einerseits Geld und andererseits das Produkt auf die Waagschale werfen. Leider muss ich ihnen an dieser Stelle mitteilen, dass der Gedanke nix taugt, da wir Menschen kognitive Dinge (korrekter: logisches Denken aus dem Neocortex) nicht gleichzeitig tun können – Neudeutsch nicht multitaskingfähig sind. Wenn ihnen das einer Erzählen möchte, dann widersprechen Sie ihm bitte in meinem Namen – vor Titeln brauchen Sie dabei keine Angst zu haben. So viel akademische Titel kann ein Mensch gar nicht haben um so ein Unsinn langfristig aufrecht zu erhalten. Schreibt er das Wort in Anführungszeichen, dann seien sie aber bitte milde, denn dann nutzt er nur eine Analogie zur Informatik, in der tatsächlich in einem Rechner mehr als ein „Gehirn“ sog. CPUs stecken können und die dann parallel, d.h. linear unabhängig, eine Aufgabenstellung lösen können. Also, solang der Mensch nur ein Gehirn hat, dürfen Sie getrost widersprechen, ich stecke dann gerne die „Schläge“ ein, wenn mir das Gegenteil bewiesen wird.

Okay, so geht es also nicht, wie aber dann. Wie bekommen wir einen Anfang. Ganz einfach, wir müssen uns etwas nehmen, das uns nicht gehört und damit haben wir aus dem nichts Geld erschaffen. Ganz brauchbar ist z.B. Land. Gehören tut dies zwar nicht, denn wir teilen es ja mit Pflanzen, Tieren etc. aber wir wollen das jetzt mal nicht aus der ethischen Sicht betrachten und nehmen uns einfach, was uns nicht gehört. So jetzt haben wir etwas, das eigentlich noch gar keinen Wert hat. Wir müssen jetzt nur noch hin bekommen, dass andere Menschen dem einen Wert beimessen und können schon mal Geld drucken – oder Muscheln, oder Honig, was ja auch alles Geld sein kann (okay, das mit dem Honig war jetzt fies, da man den auch noch essen kann – dennoch bleibt er Geld).

q.e.d.

Eine kurze „Geschichte“ muss ich noch los werden. Häuptling Seattle wurde 1855 befragt, was er den neuen Amerikanern für sein Land zahlen wolle (denn Geld gabs zu dem Zeitpunkt ja schon und das Land war entsprechend dem „neuen“ Denken was Wert). Wenn ich mich recht erinnere hatte er sinngemäß folgendes geantwortet:

Wie können wir euch etwas verkaufen,
das wir selbst nur geborgt haben?

Soviel ich weiß, sind wir noch eine Antwort schuldig. Ich kann ihm leider auch nicht sagen, wie dies aus seinem Verständnis heraus geht, ich kann ihm aber eine Antwort geben auf das warum er es verkaufen muss (klar kann er es auch für ein paar Kisten Feuerwasser verschenken):

damit unser Geld- und Machtsystem weiter wachsen kann!

Ruhe in Frieden, ehrenwerter Geist.

Wer aus der Geschichte nicht lernt,
der ist dazu verdammt sie zu wiederholen.
(George Santayana)

Geld und Macht
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Über Ro!and (393 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
Kontakt: Webseite

1 Kommentar zu Geld und Macht

  1. Eine kurze Ergänzung bezgl. Multitasking: http://www.handelsblatt.com/technologie/forschung-medizin/forschung-innovation/hirnforschung-mythos-multitasking/3368308.html

    Ansonsten einfach nach „Mythos Multitasking“ googeln 🙂

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