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Geschichten erzählen

Natur_tiere2Ich habe es bereits angekündigt, dass ich noch etwas über eine alte Tradition schreiben möchte. Über die (vergessene ?) Tradition des Genschichtenerzählens. Es fällt mir immer wieder auf, wenn ich in einer Vortragsreihe als Zuhörer sitze und die Vortragenden unterschiedliche Wissenstransfer-Methoden nutzen. Powerpoint wird hier gerne genommen, aber ab und an auch „nur“ eine verbale Geschichte. Wenn ich dann später schaue, was bei mir hängen geblieben ist, so ist es eher die Geschichte als die animierten Folien – auch wenn ich Bilder sehr mag! Es hängt aber auch etwas von der Übung des Genschichtenerzählers – alt-deutsch: dem Märchenonkel – ab. Aber das ist ja nichts anderes als Übung und Lebenserfahrung, gewürzt mit etwas Einfühlsamkeit und der passenden Rhetorik. Also nichts, was man nicht aus dem Leben lernen könnte!

Warum ist das aber so, dass uns Geschichten berühren und besagte moderne Folienvorträge gar nicht – in dem Film Alphabet übrigens gibt es eine Szene, bei der ein Nachwuchsmanager eine Präsentation mittels 3D-Annimation vollführt – ein guter Zeitpunkt, wenn sie bei dem Film auf die Toilette müssen!

Um das zu verstehen, müssen wir noch etwas weiter zurück, und zwar in eine Zeit, bei der die Schrift noch unterentwickelt war bzw. es sich kaum einer leisten konnte, etwas auf zu schreiben – handgeschöpftes Papier war nicht gerade ein Schnäppchen. In dieser Zeit wurde Wissen zu einem Großteil in Reimen weiter gegeben. Die Reimform war wichtig, da es im Gehirn etwas gibt, dass hier unterstützend greift:

Ich meine,
dass ich reime.

Ist ein kleines, aber feines Beispiel. Sie können es bei Kindern gern ausprobieren. Machen sie einen Satz und dann einen passenden Reim für den zweiten. Aber sprechen Sie nicht das letzte Wort aus: „Ich meine, dass ich ???“. Jetzt brauchen sie nur noch etwas Zeit und wie von selbst kommt das „reime“ oder „schleime“ oder „keime“ oder …

Der Vorteil liegt auf der Hand, man kann sich den Satz besser merken, da die Auswahl an möglichen Wörtern damit begrenzt ist. Wenn der Kontext dazu noch passt, dann ist es ein leichtes im Fluss zu reden – die Geschichte entwickelt sind also wie von selbst.

Die Tradition ist aber fast vergessen – zumindest kenne ich keine neueren Bücher mehr in den Bestsellerlisten, die in Reimen verfasst sind. Das liegt sicher auch daran, dass wir eine „Hemmung“ für Reime haben. Hemmung für Reime? Erlauben Sie mir kurz etwas näher darauf ein zu gehen, falls Sie sich über ihr Gehirn ausreichend Gedanken gemacht haben, dann überspringen Sie ganz einfach den nächsten Absatz. Danke!

In unserem Gehirn laufen viele (sequentielle) Prozesse ab, bis wir zu einer abstrakten Wort-Bedeutung kommen. Wir hören das Wort und die Nervenzellen, in denen die Repräsentation dieses Wortes gespeichert ist, wird aktiviert. Aber nicht nur diese, sondern alle Benachbarten dazu. In den benachbarten Nervenzellen sind nicht wahllos irgendwelche Begriffe, sondern semantisch verwandte, gespeichert. Also auch die, die sich klanglich kaum unterscheiden. Kurze Zeit später geht es tatsächlich mal parallel in unserem Gehirn zu. Zum einen wird der Impuls an den Neocortex weiter geleitet – der Bereich, der für unser logisches Denken verantwortlich ist – und parallel dazu werden die umgebenden Neuronen gehemmt. Ihre Verbreitung wird also wieder gedämpft. Würde diese Dämpfung (= Hemmung) nicht einsetzen, so würden die Reime nur so aus uns heraussprudeln. Sie können das gerne testen, in dem sie ihren Neocortex etwas am logischen Denken hindern – mit Alkohol, Schlafmangel etc. geht das schon ganz gut. Wundern sie sich dann nicht, dass sie plötzlich besser reimen können 😉
Selbstverständlich können sie das auch üben, dann brauchen sie keine externen Stimuli. Einfach mal nicht denken, dann klappt das 😉
Übrigens bei manchen sog. Krankheiten, wie z.B. Trisomie-21, wird diese Hemmung nicht voll entfaltet. Daher sind Menschen mit diesem „Mangel“ auch direkter (ehrlicher ?!) und ihre Sprache hat einen schöneren Reimklang. Hören sie einfach mal länger zu, dann fällt es ihnen sicherlich auch auf…

Nun bleibt mir eigentlich nicht mehr viel übrig, den wir haben nur sehr ausführlich über das WIE uns ausgetauscht. Ergänzungen gerne wieder als Kommentar. Ansonsten kann ich sie nur ermuntern mehr Geschichten/Erlebnisse zu erzählen – ich mache es ja auch so – denn diese sind ein viel besserer Wissens-Anker, als man auf den ersten Blick ihnen zutrauen würde. Mit Geschichten können sie sich auch eine Unmenge an Dingen merken und brauchen kein Einkaufszettel mehr – aber ich wiederhole mich. Wiederholen will ich mich aber gerne nochmals für Karin und ihrer Herzenssache des narrativen Wissensmanagements. Wenn sie als Firma eine Geschichte erzählen möchten, dann wenden sie sich an Karin, die macht das für Geld und sicher auch bald für (ehrlichen) Honig – warum, Honig das bessere Geld ist, kommt heute noch oder morgen, jetzt muss ich erst einmal einkaufen gehen… und zwar Honig 🙂

Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet,
hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.
Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr,
keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr,
kein Mensch mehr.
(Albert Einstein)

P.S.: Sie können auch Geld sparen, in dem sie die Geschichten selber entdecken. Dazu gebe ich ihnen noch einen Tipp: üben sie damit vor kleinen Kindern. Das sind sehr gespannte Zuhörer und geben ihnen auch gerne Ratschläge – annehmen müssen sie sie aber selber. Falls sie nicht das Glück haben, eigene Kinder zu haben oder diese bereits in der Schule sind, dann gibt es auch hier noch Hilfe – gehen sie zu einem Kindergarten, der offen für neues ist und werden sie dort Märchenonkel!

Momo

Geschichten erzählen
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Über Ro!and (393 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
Kontakt: Webseite

2 Kommentare zu Geschichten erzählen

  1. Lieber Roland,

    danke für den Beitrag und dafür, dass du mich an etwas erinnert hast, was ich als Kind geliebt habe und, obwohl ich mit Geschichten beruflich arbeite, etwas aus den Augen verloren habe: das Reimen! Nein, Reime für Erwachsene sind nicht nur etwas für Büttenreden und müssen dringend aus dieser Ecke raus. Im Reimen liegt noch viel Potential, gerade auch für die Arbeit in und mit Unternehmen. Ich denke da an die Möglichkeit des Einsatzes von Reimen in Weiterbildungen, Wissensmanagement, Change Management, Projekt Debriefing, Mitarbeiterzeitschriften, Jahresbilanzen 🙂 und vieles mehr…
    Ich werde gleich heute starten und mit meinen Kindern üben („Liebe Kinder kommt jetzt rein und macht die Hausaufgaben fein.“ Na ja, an Anfang…).

    Viele Grüße von Karin
    P.S.: Nächstes Jahr fangen wir tatsächlich mit der Imkerei an.

    • Liebe Karin,
      danke für Dein Kommentar. Jedes mal wenn ich mit meinen Jungs anfange zu reimen, merke ich, wie sie eintauchen und die Geschichte weiter erzählen. Von daher scheint noch einiges Potential in den Reimen zu liegen, die geborgen werden wollen.

      Hey, das mit der Imkerei wusste ich ja noch gar nicht – vielleicht lässt sich da was gemeinsam gestalten…

      LG Ro!and

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