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Unzufriedenheit

Natur_tiere14Da habe ich doch glatt noch eine halbe Stunde Zeit – übrigens eines meiner Prinzipien, ich Teile die Stunde in zwei Teile, dann kann ich am Tag doppelt so viel Dinge erledigen und habe sogar noch ausreichend Schlaf, aber das wird evtl. ein Thema des „Zeitmanagements“ und kommt in den Themenspeicher. Apropos Themenspeicher, den werde ich mal die Tage anlegen und jeder kann sich ein Thema wünschen, was ihn interessiert – ich schau dann mal, ob da was zwischen meinen Ohren passiert…

So jetzt zum eigentlichen Thema, dass ich vielleicht in den 27 Min. nicht ganz durch bekomme – vergessen wird es jedenfalls nicht!

Zur Einstimmung möchte ich jedoch ein kurzes Video von Nico Semsrott über Depressionen und Unglückskekse posten. Nico habe ich dieses Jahr auf dem Fest live erlebt und war sehr angetan. Für mich hat er Paul Watzlawick sehr modern aufgeführt, aber schauen Sie selbst:

So jetzt aber zum Thema:

Unzufriedenheit ist in unserer Gesellschaft negativ belegt und es gibt in der Tat zwei Arten von Unzufriedenheit. Jedoch sehe ich nur eine als gesellschaftlich schlecht an, denn diejenige, bei der der vorgegebene Grund der Unzufriedenheit bei anderen Menschen liegt. Wenn der Grund meiner Unzufriedenheit z.B. die Politiker sind, der Nachbar etc.
Warum ich das als schlecht ansehe? Es ändert sich mit dieser Sichtweise rein gar nichts, wir werden einfach immer unzufriedener und miss launiger – und wir verlieren dabei auch etwas Wesentliches und zwar Liebe. Darauf werde ich noch genauer eingehen. Wer mein Büchlein schon kennt, ist bereits vor gewarnt.

Was aber fast genau so schlimm ist wie der gerade beschriebene – nennen wir ihn mal Typ1-Unzufriedener – ist der zufriedene. Das mag etwas verwundern, daher schreibe ich hier etwas mehr. Wichtig dabei ist zu bemerken, dass ich immer von dem Menschen selbst aus gehe und nicht von dem Nutzen, den eine kleine (privilegierte) Gruppe davon hat, dass sie zufrieden sind – das steht auf einem ganz anderen Blatt! Kommen wir also zurück zu dem Menschen, der sich als zufrieden bezeichnen würde. Würden sie diesen auch als kreativ bezeichnen? Ich eher nicht. Als systemkonform schon eher. Ein Mensch, der zufrieden ist mit dem was er hat, was er täglich sieht, was er wahrnimmt ist ein Zombi. Denn schauen wir uns um, welche soziale Ungleichheit es gibt, wie viel Zerstörung, Hass etc. dann kann man mit dieser Welt, die wir als Menschen (mit-)geprägt haben, nur zufrieden sein, wenn man Herz und Verstand gleichermaßen abgegeben hat – und genau das hat ein Zombi. Könnte man wahrhaftige Kreativität messen, dann würde bei einem zufriedenen Menschen keine Reaktion sichtbar sein. Gespielte Kreativität, bei der sich mich zuvor in einem Buch schlau gemacht habe, wie ich Papierflieger baue und dann mein Kunststück vorführe, lasse ich jetzt mal außen vor.

Die verbleibenden 10 Minuten möchte ich jetzt noch dem Typ2 der Unzufriedenen widmen, da in ihm die Kraft steckt, aus unserer Gesellschaft etwas zu formen, das mich an den Menschen glauben lässt. Dieser Typ2 sieht die Quelle der Unzufriedenheit in sich selbst. Er ist solange nicht zufrieden, bis er nicht von einem Zustand umgeben ist, den manche als „Paradies“ bezeichnen würden. Da dieses Ziel nicht gerade vor der Türe liegt, bin ich mir sicher, dass ein unzufriedener vom Typ2 nie zufrieden wird – und das ist gut so, denn es gibt viel zu tun!
In dieser Grundhaltung, mit dem persönlich erreichten nie zufrieden zu sein, nie in seiner Komfortzone zu verbleiben, stets Dinge zu hinterfragen kann wahre Kreativität entzündet werden. Und mit dieser Kreativität kommt dann auch Glück, davon bin ich überzeugt.

Ein Beispiel bleibt mir noch für die letzten Minuten. Nehmen wir ein Kind, welches gerade beginnt, laufen zu lernen. Als dreifacher Vater habe ich das jetzt schon ein paar mal erleben dürfen. Was treibt dieses Kind an? Was motiviert es, immer wieder auf zu stehen? Begeisterung, wie uns die Neurowissenschaftler glauben schenken wollen, ist es nicht, denn die stellt sich erst bei Erfolg ein – es ist viel mehr die Unzufriedenheit es nicht geschafft zu haben. Schauen Sie sich genau an, wie verzweifelt ein Kind immer wieder und wieder versucht zu laufen und immer wieder kippt es um. Das ist pure Unzufriedenheit und damit trägt es den Schlüssel zum Erfolg in sich.
Traurig stimmt mich dabei, dass es viele Erziehungstipps gibt, die es dem Kind einfach machen wollen. Ihn beim Laufen stützen oder sogar noch ein Laufstall zur Hilfe nehmen. So ein Kind kann nie die Kraft der Unzufriedenheit für sich kultivieren. Spätestens aber in dem Kindergarten wird dem Kind (oft) diese Unzufriedenheit ab trainiert und in der Schule nochmal konditioniert. Wer seine Unzufriedenheit bis in erwachsenen Alter gerettet hat, kann sich glücklich schätzen und ist gleichzeitig ein Problem der „Gesellschaft der Zufriedenen“, denn so ein Mensch stellt Fragen und hinterfragt die beruhigende Darbietung des täglichen Programms auf den unzähligen TV-Sendern. Mit Recht wie ich meine!

 

Wirklich gut bist Du nur,
wenn Du einmal mehr aufstehst als Du hinfällst.

Unzufriedenheit
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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