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Bitcoin aus der Ferne betrachtet

BitcoinFernglasIch habe am Ende meines Beitrags über Zinsen Bitcoin als möglichen Ring-Zins-Träger benannt. Da diese „Währung“ gerade in der Presse und in den Köpfen einiger Menschen sich so verfestigt hat, möchte ich gerne meine Gedanken hier niederschreiben.

Es ist ein Blick mit dem Fernglas, da ich weder meine Rechner, noch mein Geld in diese Währung investieren will, sondern lieber in Honig – aber das ist ein anderes Thema.

Wie ich bereits in den vorangegangenen Artikeln – z.B. über Geld und Macht – geschrieben habe, benötigt Geld immer auch eine Entsprechung in der realen Welt, sonst ist es kein Geld, sondern irgendetwas anderes. Bitcoins werden „geschürft“, in dem ein kryptografisches Rätsel in Form eines Blocks von SHA-256-Hashwerten berechnet wird, dass gewisse Eigenschaften erfüllt. Ist ein solcher Bitcoin-Block gefunden, so wird dieser Fund mit momentan 25 Bitcoins belohnt. Die Aufwände, die hinter der Berechnung stecken, werden also mit Bitcoins belohnt. Darüber hinaus dient ein Teil der zur Verfügung gestellten Rechenpower der Aufrechterhaltung des Zahlungssystems an sich.

Dies erinnert mich an das Märchen vom Baron Münchhausen, der sich am eigenen Schopfe aus dem Sumpf gezogen haben soll. Wohl wissend, dass dies eine Lügengeschichte ist, muss es also noch etwas anderes geben, als diese Selbstbezüglichkeit im Bitcoin-Konzept.

Und klar, neben den errechneten Bitcoins und der Aufrechterhaltung des Zahlungssystems, fallen in der Realwirtschaft – welche mit EURO und Dollar etc. bezahlt werden – auch Aufwände an. Diese Aufwände sind Strom- und Hardwarekosten. Dabei wachsten gerade die Hardwarekosten stetig an. Anfangs konnte man nämlich die kryptografischen Rätsel noch mit einem gewöhnlichen Rechner lösen – so zu sagen als Zeitvertreib, damit der Rechner nicht mit Nichtstun „beschäftigt“ ist. Leider ist das Bitcoin-System so ausgelegt, dass die Komplexität des Rätsels direkt mit der verfügbaren Rechenleistung wächst. Das führte dazu, dass sich die Hardware zur Bitcoin-Berechnung immer weiter spezialisiert. Derzeit sind es sog. ASICs, das sind Schaltungen, welche nur für diesen einen Zweck in Hardware erstellt werden. Sobald dieses Rätsel nicht mehr gelöst werden soll (oder kann), ist diese Hardware für den einzelnen Besitzer wertlos – ganz im Gegenteil zu seinem alten Rechner, der ihm immer noch bei den täglichen Aufgaben unterstützt. Ein riesiger Müllberg türmt sich hier auf!

Damit ist eine Brücke zwischen der Realwirtschaft – in Form von Strom und Hardware – zur „Insel“ Bitcoin geschaffen. Und so wundert es mich auch nicht, das immer mehr EUROs und Dollars dort hin gepumpt werden. Das geplante Ende ist zumindest bereits definiert, denn wenn der 21-Millionste-Bitcoin gefunden ist, ist das Rätsellösen zu Ende – bei dem linearen Verlauf des Bitcoin-Mining im Jahre 2017. Spätestens dann sollten Sie sich von der Hardware trennen 😉

Was bleibt, ist also ein ungeahnter Spekulationsumfang mit Bitcoins. Da das Ende derzeit noch nicht absehbar ist, stellt sich die Frage, wie hoch die Verluste bei den Letzten in der Reihe sind. Bei dem kürzlichen Kurs (der eine Halbwertszeit von wenigen Sekunden hat) von 1.155 US$/Bitcoin, liegen die Gesamtverluste derzeit bei etwa 24 Mrd.-US$. Bei dem Geld, was derzeit in unserem Finanzsystem „pulsiert“ und nach Gewinnen strebt – fast so wie der Ring aus der Herr-der-Ringe-Saga, der zu seinem Meister zurück will – ist es eigentlich ein zu vernachlässigender Betrag.

Als nicht betroffener kann man demnach das Experiment „Bitcoin“ gelassen aus der Ferne betrachten und abwarten, was von dem Testlauf übrig bleibt. Im Kern hat das vom Satoshi Nakamoto-Team (bzw. der Person) entwickelte Konzept auf jeden Fall seine technisch visionären Ziele heute bereits gezeigt, auch wenn die Zeit nach dem Goldrausch noch völlig unklar ist – zumindest, woher die notwendige Rechenleistung zum Betrieb des Systems dann herkommen soll, wenn es nichts mehr zu schürfen gibt. In der Diskussion sind hier Transaktionsgebühren als Teil des Protokolls. Deren Umsetzung als Proof-of-Work- oder Proof-of-Stake-Verfahren wird noch diskutiert. Damit dies Gelingt, muss es aber einen Markt geben, wo Angebot und Nachfrage sich begegnen. Durch den Wegfall der Mining-Rechenkraft wird aber die Transaktionsdauer zur Zahlungsbestätigung ansteigen. Dauert die Bestätigung der Transaktion statt Minuten plötzlich Stunden, so verlieren Bitcoins einen Teil ihrer Attraktivität.
Die Macher haben aber eine wesentliche, menschliche Motivationsquelle, nämlich Gier und Angst, nicht in ihrer Gleichung mit einbezogen und zu sehr an das Gute im Menschen vertraut…

Damit es für jeden Einzelnen, der in Bitcoins den Nervenkitzel sucht, den er sonst in der Gesellschaft nicht findet (Gründe gibt es sicher genügend), kein böses Erwachen gibt, sollte tunlichst nur mit soviel Geld spekuliert werden, welches sich auch entbehren lässt. Dann bleibt zumindest eine Erfahrung zurück, die nicht die Existenz kostet. Leider ist dies eine Eigenschaft, die der gesuchte Schnappfisch mit seinem Denken noch entwickeln muss. Aber genau dafür ist diese Seite ja da!

Verstand ist das Kapital, dessen Zinssatz man selbst festlegt.

Solange mit Bitcoins keinerlei Vertragsverpflichtungen oder Handlungszwänge verbunden sind, ist Vorsicht geboten. Es gibt nichts und niemanden, gegen das/den sich ein wie auch immer geartetes Recht ausgeübt werden könnte, folglich kann es bei den Bitcoin-Bewertungen keinerlei fundamentale Sicherheit(en) geben. Erst wenn man mit  Bitcoins seine Steuerschulden begleichen kann, ist die Testphase beendet. Solange dies nicht der Fall ist, kann man gerne in den Geschichtsbüchern wissenswertes über den Verlauf des Tulpenwahns von 1637 erfahren. Parallelen findet man dort zur Genüge!

Bitcoin aus der Ferne betrachtet
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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1 Kommentar zu Bitcoin aus der Ferne betrachtet

  1. Letztendlich hat mich der Handel mit Bitcoins nicht überzeugt und die negativen Schlagzeilen, die man immer wieder darüber lesen kann, tragen nicht unbedingt dazu bei, dass das Interesse an einer solchen Währung steigt, zumal auch Unternehmen wie Apple diese Zahlungsmöglichkeit mittlerweile entfernt haben.

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  1. Fernsehen 2.0 | Schnappfischkapitalismus

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