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Der Mensch, das unbekannte Wesen?!

Schnappfisch-1283Es gibt Zeiten, da scheint man sich mit Fragen im Kreis zu drehen. Neue Modelle nur schwer greifbar und Alte nicht mehr zweckmäßig zu sein. So zeigen die aktuellen Katastrophen der Weltwirtschaft, dass die bisherigen neoliberalen Ansätze in Erklärungsnot kommen. Dies ist aber fast immer bei Modellen so, da sie versuchen die Wirklichkeit auf ein paar Eckpunkte zu reduzieren. Nehmen wir mal ein anderes kontroverses Beispiel, das Bio-Siegel zur Verdeutlichung.

Folgen Sie mir bitte in der Annahme, dass wir uns zusammentun und gerne in der Landwirtschaft tätig sein wollen. Wir schauen uns also gemeinsam um, was für Möglichkeiten wir haben und so kommen wir dann irgendwann auch zum Bio-Anbau. Der verspricht uns gute Gewinnmargen für unsere Arbeit. Jetzt sind wir beide ja nicht gerade in der Landwirtschaft groß geworden, so schauen wir uns einfach an, welche Richtwerte denn nötig sind, damit wir das Bio-Siegel bekommen. Da wir beide nicht vor haben, unsere Gewinnmarge zu stark zu kürzen, machen wir genau das Minimum für das Bio-Siegel – wir maximieren also unseren Gewinn. Super Sache, ist unser Absatz doch fast schon sicher, da es viele Menschen gibt, die nur auf das Siegel schauen und sich durch den Kauf von Bio-Produkten von einer – welch auch immer gearteten Schuld – damit frei kaufen.

Unser direkter Nachbar, ein konventioneller Landwirt in der sechsten Generation, betreibt wie eh und je seine Landwirtschaft – konventionell eben. Für ihn ist die Umstellung zu kostenintensiv. Das seine Produkte bei einem Test besser abschneiden würden, als unsere, soll uns nicht weiter stören, da er eh das Geld für einen unabhängigen Test nicht aufbringt. Seine Margen sind eh so knapp, dass wir uns da keine Sorgen machen müssen.

Es kommt der Tag, an dem er seine Ware nicht mehr los bekommt – eigentlich eine gute Gelegenheit, seine guten Produkte zu übernehmen und mit unserem Bio-Siegel zu versehen oder? Der Homo oeconomicus lässt grüßen!

Dieses fiktive Beispiel ist sehr einseitig, im Detail würden sich sicher noch viel mehr andere Einflussfaktoren finden lassen. Ich möchte aber mich an meiner Maxime orientieren:

Die Schönheit von Beispielen liegt in ihrer Einfachheit,
gewürzt mit Komplexität werden sie von selbst.

Ich belasse es daher bei diesem Beispiel. Es könnte aber genauso für den Emissionsrechtehandel, der alternativen Energien usw. Anwendung finden.

Kommen wir zur Frage zurück, ob der Mensch in der Masse (den es gibt sicherlich auch genügen Menschen, die eine Verantwortung der Gesellschaft mit ihrer Arbeit verbinden), denn so unbekannt ist. Spätestens nach Gustave Le Bons 1895 erschienenes Buch “Psychologie der Massen” wissen wir, wie Massen zu führen sind. Viel neue Erkenntnisse sind auf diesem Gebiet auch nicht nötig, wenn man unter Menschenführung auch gleichzeitig die MenschenVORführung versteht.

Auch ist das Wissen über den Menschen bereits in eine Tiefe vorgedrungen, die uns den wunderbaren Bauplan zeigt. Das Wissen um die Chromosomen, DNA etc. ist also bald Bestandteil der Allgemeinbildung. Jeder Mensch kann sich bereits für unter 100 € die wesentlichen seiner Merkmale entschlüsseln lassen – eine komplette Entschlüsselung soll bald für unter 1.000 US-$ möglich sein. Was man mit diesem Wissen dann anfängt, bleibt jedem selbst überlassen.
Nicht so bei der Forschung, hier ist jede Eigenschaft und Wirkungszusammenhang bares Geld wert, lassen sich diese Zusammenhänge doch wunderbar patentieren und vermarkten. Fügen wir dann diese beiden Erkenntnisse zusammen, so ist auch klar, wieso Monsanto gerne nur noch ihr Saatgut in den Läden sehen will. Auch wundert es nicht, dass dies die Masse gar nicht weiter interessiert.

Die Gehirnforschung trägt dann noch ihres dazu bei, dass wir die Beobachtungen in ein passendes Modell gießen um schneller, besser, weiter usw. lernen können. Bei all diesen Bestrebungen vergessen wir aber einen Bereich vollständig, den unserer Intuition, Seele, Liebe und was für Namen hier fassbar sind.

Aus kognitiver Seite sind wir bestens Erforscht, vernachlässigen aber unseren Müßiggang. In diesem Bereich finden Worte auch kaum einen Niederschlag, sind Worte doch die Ausdrucksform der Gedanken! So müssen wir vielleicht hier auch in der Bildung ansetzen und eine Sprache (wieder entdecken), die uns in diesem Umfeld ausdrücken und lernen ermöglicht.

Wie brachte es muktanada13 doch so treffen in einem Kommentar auf den Punkt:

Der Weise nährt sich aus dem Herzen, der Narr aus dem Verstand.

Ich möchte dem Narren aber zu Gute halten, dass er oftmals der clevere in dem Spiel ist und durchaus die Realität mit klarem Verstand sieht. So ist der Narr in Goethes Faust II derjenige, der die Wertlosigkeit des Bargeldes als erster erkennt:

DER NARR fragt, indem er einen „Zettel“ betrachtet:
Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert?

MEPHISTOPHELES: Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt.

NARR: Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh?

MEPHISTOPHELES: Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie.
[…]
NARR: Heut abend wieg‘ ich mich im Grundbesitz!

Es mag erdrückend sein, sich bei der übermächtigen Dominanz der Ratio überhaupt auf die andere Quelle unseres Wesens ein zu lassen. Zu kalt scheint die Welt zu sein und zu überwältigend die Herausforderungen der Zukunft. Dabei ist es gar nicht notwendig, dass wir den gesellschaftlichen Wandel in dieser riesigen Dimension an gehen. Es genügt, wenn wir mit dem kleinen Etwas anfangen, der Rest kommt dann von selbst!

Das ist die Absicht der Dankekultur. Vielen Dank!

Nichts kann Liebe ersetzen.
Nichts kann Wissen ersetzen.
Nichts kann Gesundheit ersetzen.
Alles kann Geld ersetzen.
(muktananda13)

Der Mensch, das unbekannte Wesen?!
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Der Mensch, das unbekannte Wesen?!

  1. Wenn der Mensch sich gegenüber unbekannt bleibt, so lebt er in der Fremde.
    Erkennt er sich aber, so ist er stets Zuhause.

  2. Weise wird man aus dem Wissen, das in sich wohnt.
    Arm bleibt man aus der Fremde, die man stets zulässt.

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