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Ein Ameisenleben – Teil 2

Natur_tiere5Was bisher geschah (zum vollständigen ersten Teil gehts hier lang…):
Alice, die zuvor Alex hieß, entdeckte per Zufall eine Nahrungsquelle mit besonderen Eigenschaften. Durch den Konsum dieser Nahrungsquelle, die sie selbst als weißes Gold bezeichnet, ist der zuvor kleinen Arbeiterameise ein Bewusstsein erwachsen und lässt sie die Dinge plötzlich aus einer ganz anderen Warte betrachten. Sie beginnt die Organisationsstruktur ihrer Ameisenkolonie zu hinterfragen.

Meine Zweifel, ob unsere Königin Klara die beste Wahl unserer Kolonie ist, beschäftigen mich nach wie vor. Wie kann sie überhaupt unsere Ameisenkolonie anführen, wenn sie den ganzen Tag sich nur mit der Aufzucht beschäftigt? Die Gefahr, dass uns eine andere Ameisengattung einfach überrennt, ist nicht von den Vorderbeinen zu weisen (Anmerkung: alte Weisheit der Ameisen, wenn etwas so Offensichtlich ist, dass man fast schon drüber stolpert – so wie eben über seine Vorderbeine). Auch könnte ich mit meiner langen Erfahrung als Arbeiterin vieles optimieren, so dass wir in kürzerer Zeit mehr Nahrung herbei schaffen könnten…

Alice hatte einen klaren Verstand. Aus ihrer Sicht, war es unabdingbar, dass sich etwas ändern musste, die Frage war nur, ob die Arbeiterinnen und Soldatinnen sie, Alice, als neue Königin akzeptieren können?! So richtig wohl war es ihr nicht bei dem Gedanken, die anderen Ameisen zu befragen. Das hatte auch vor ihr noch keine Ameise gemacht und aus einzelnen Gesprächen heraus hatte Alice auch nicht das Gefühl, dass die anderen Ameisen eine eigene Meinung hatten. Viel schlimmer noch, sie konnte sich die Gunst der meisten Ameisen mit einer kleinen Zuwendung an Nahrungsmitteln leicht „erkaufen“. Diesen Weg einzuschlagen und alle Ameisen damit auf ihre Linie einzustimmen, schien ihr aber zu zeit- und arbeitsaufwändig. Es musste also eine andere Lösung her – aber welche?!

Alice verbrachte die folgenden Tage damit, die entferntere Gegend zu erforschen. Eines Tages konnte sie ein benachbartes Ameisenvolk beobachten, wie diese sich um Blattläuse sorgten. Es war etwas faszinierend neues. Diese Ameisen hielten die Blattläuse auf eine Art und Weise gefangen und konnten gleichzeitig von den Blattläusen ihren Nahrungsvorrat gewinnen. Diese Symbiose gefiel Alice außerordentlich, half ihr aber nicht bei ihrem aktuellen Problem.

An einem anderen Tag, weit fort ihres eigenen Ameisenhügels, traf sie auf Ameisen, welche Pilze züchteten. Die Ameisen scheinen die Pilze mit einem Blattbrei zu düngen, und gleichzeitig von den Pilzenden etwas zu entnehmen. So recht geheuer waren die Ameisen Alice nicht und so machte sie sich lieber wieder auf den Rückweg.

Ein Ereignis aber blieb in ihrer Erinnerung haften, als sie Ameisen beobachtete, wie sie sich am einer verdeckten Stelle einer anderen Ameisenkolonie in den Ameisenhügel bohrte. Es verging einige Zeit und dann kamen die Ameisen wieder heraus. Ihre Beute waren Ameiseneier, die sie in großer Zahl und Eile von dem Hügel fort schafften.
Dies könnte eine Möglichkeit sein, sich von Klara zu „trennen“. Wenn Klara bei der Verteidigung unserer Brut nach schwerem Kampf ums Leben kommt, wäre der Weg frei für eine neue Königin. Nur wie bekomme ich diese Ameisen dazu, zu unserem Hügel zu kommen?

Ich kann es drehen und wenden wie ich will. Ich muss mir Unterstützung von meinen Freunden holen. Morgen werde ich Max ein Geschenk bringen, brauche ich doch für die Fortpflanzung einen Mann und Max erscheint mir hier die richtige Partie zu sein.
Ich mache mich schon sehr früh auf und bin noch zur Vormittagszeit bei meinem weißen Gold. Abermals esse ich mich reichhaltig satt und breche noch ein großes Stück heraus, dass ich mit zurück nehme. Kurz vor meinem Ameisenhügel verstecke ich es unter Blättern.

Es gelingt mir nicht, Max unter den vielen herumschwirrenden Männchen aus zu machen. Silvia hingegen ist an ihrer vertrauten Stelle und bewacht den Zugang zum Hügelinneren. Kurzentschlossen gehe ich auf Silvia zu und erzähle ihr von meiner Entdeckung. Ich habe ihr Interesse geweckt und sie folgt mir zu meinem Versteck. Genussvoll isst Silvia von meinem weißen Gold-Stückchen. Ich bin froh, dass ich nicht noch mehr mitgenommen habe, denn so muss ich mir keine Gedanken machen, dass noch eine andere Ameise das Versteck entdecken könnte. Silvia ist satt und es bleibt sogar noch ein kleiner Rest für mich übrig.

Nun kann ich mich in Ruhe zurück ziehen. Ich bin schon gespannt, wie Silvia die Nacht verbringt. Morgen werde ich als erstes mit ihr einen gemeinsamen Ausflug machen und sehen, welche Veränderungen das weiße Gold bei ihr bewirkt hat!

Fortsetzung folgt

Ein Ameisenleben – Teil 2
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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