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Ein Ameisenleben

Natur_tiere5Alex ist eine der Arbeiterameisen die jeden Tag bei Regen und Sonnenschein los zieht, um neue Nahrung und Werkstoffe bei zu bringen. Alex dachte nicht viel über ihr Tun nach. Gleichwohl machte Alex ihre Arbeit gewissenhaft. Kam Alex an einer Stelle nicht weiter, wurde es auf eine andere Art und Weise probiert. Führte auch das nicht zum gewünschten Erfolg, konnte Alex sich sicher sein, dass sie Hilfe von Anita, Agua, Akta und wie sie alle heißen mochten, bekam. Auf ihre Arbeiterinnen-Freunde war immer Verlass!

Sie pflegte auch eine tiefe Freundschaft zu Silvia. Silvia war eine sehr aufmerksame Freundin. Das musste sie auch sein, denn von ihr hing es ab, dass kein Fremder in den Hügel kam. Ab und an kam es auch vor, dass Alex und Silvia gemeinsam auf Nahrungssuche gingen. Das war die schönste Zeit. Oft aber blieb Silvia bei ihres gleichen und bewachte gemeinsam mit Salvi, Sabine, Saskia und den anderen Soldatinnen den Ameisenhügel.

Dann war da natürlich noch ihre Königin Klara. Klara überragte alle anderen Ameisen von Größe und Kraft. Sie sorgte für den stetigen Nachwuchs an weiteren Arbeiterinnen und Soldatinnen. Selbstverständlich gab es nicht nur Weibchen bei uns – auch wenn wir klar in der Überzahl sind. Einige Männchen schwirren immer über unseren Köpfen hinweg. Es ist schon schön anzusehen, wie gekonnt sie mit ihren Flügeln ihre Bahnen in der Luft ziehen. Besonders Max und Markus sind hier meine Favoriten.

Ein Tag mit Folgen…

Der Tag begann wie jeder andere auch. Heute hatte ich mir aber vorgenommen, ein besonderes Gebiet zu erforschen und so legte ich eine weitere Stecke als sonst zurück, um dort hin zu gelangen. Es dauerte auch nicht lange, da fand ich eine Substanz, die mir verlockend erschien. Ich war natürlich sehr stolz über diesen riesigen Fund und bat ein zufällig vorbeikommenden Wanderer ein Bild von mir zu machen. Hier ist es:
Natur_tiere6Es war ein großartiger Moment. Soviel Nahrung hatte ich noch nie zuvor gefunden. Mir war klar, dass ich dieses riesige Stück nicht den gesamten Weg alleine zurückbringen konnte. Ich verwendete die Zeit, um mit meinem Werkzeug kleine Teile von dem großen Stück abzubrechen und sogleich zu essen. So gestärkt machte ich mich auf den Rückweg und wollte den anderen Arbeiterinnen von dem Fund erzählen, so dass wir uns gemeinsam auf den Weg machen können.

Es war schon spät, als ich endlich am Hügel ankam und so verschob ich die gute Nachricht auf den nächsten Tag. Die Nacht war alles andere als ruhig. Ich konnte nicht einschlafen, fand keine Ruhe. Obwohl ich todmüde war, blieb ich wach. Ich nahm Dinge wahr, über die ich zuvor noch nie eine Sekunde verloren hatte. Gedanken machten sich breit, die zuvor noch nie da waren. Ich begann plötzlich Dinge zu hinterfragen. Stellte mir die Frage, wieso ich überhaupt soweit gelaufen bin, wenn ich dann doch nach der ganzen Schlepperei die leckeren Dinge abgebe? Wozu bringe ich Klara die ganzen leckeren Dinge, wo sie doch die ganze Zeit nur im Hügel bleibt?

Ich beschloss am nächsten Tag nochmals die gleiche Stelle aufzusuchen, aber alleine. Es war noch zu früh, von dem Fund den anderen zu erzählen. Wieder dort angekommen, war alles beim Alten. Das riesige Stück schien noch genau so groß wie gestern. Abermals riss ich Stücke aus dem Block und verspeiste diese umgehend. Abermals kehrte ich nach Hause zurück ohne Gepäck. Das machte ich ein paar Tage so und ich merke bereits, wie ich kräftiger wurde und vieles klarer sah. Nach einer Woche viel mir auf, dass meine Freundinnen – allen voran Anita und Silvia – sich etwas wunderten. Ich muss jetzt vorsichtiger vorgehen und auf dem Rückweg etwas mitbringen, nahm ich mir vor!

Die Tage zogen ins Land und ich bekam immer weniger Lust, mich täglich ab zu mühen und den weiten Weg zu der weißen Substanz zu unternehmen. Wie schön hat es da unsere Königin Klara. Sie kann in Ruhe ihren Tagträumen nach gehen und muss sich keine Sorgen machen. Auch das Leben unserer Männchen, allen voran Max und Markus, schien mir ein besseres. Konnten sie doch in kürzester Zeit alle Hindernisse überwinden und so enorme Zeit sparen. Kurzum, ich fasste einen Entschluss:

Ich nahm mir vor, ab heute begabt zu sein und nannte mich fortan Alice!

Mich an den Vorräten, die Klara bisher für sich beanspruchte, zu bedienen war gar nicht so schwer. Es kam mir so vor, dass Klara mehr Energie in ihre Körpergröße – die meine noch immer weit überragte – steckte, statt in ihr Köpfchen. Auch kannte sie recht wenig mehr als unseren Ameisenhügel. Ich hatte ihr da einiges voraus, kannte ich doch jeden Grashalm in der näheren Umgebung und kannte den Weg zur Quelle des weißen Goldes, welches mich noch die nächsten Jahre zu nähren im Stande war.

Ich bekam Zweifel, ob Klara die Richtige ist, über unsere Zukunft zu entscheiden. Ich machte mir sorgen. Ich muss einen Weg finden, damit mir die anderen Ameisen folgen und ich ihnen zeigen kann, was für Möglichkeiten wir haben. Es muss doch einen Weg geben – nur welcher?!

Fortsetzung folgt

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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