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Wenn ein Koi hungrig wird

Schnappfisch-8008Was bei uns der Karpfen ist, ist in Japan der Koi. Dass ein solcher Koi auch richtig groß werden kann, wenn er immer schön Futter bekommt, steht außer Frage. Dabei kann dieser Koi auch ordentlich zuschnappen, dass macht ihn irgendwie vertraut mit dem westlichen Schnappfisch.

Japans Premierminister Shinzō Abe scheint ebenfalls dem Schnappinstinkt zu erliegen, warum auch nicht, wenn vieles in Japan auf ein ausgeklügelten Schnappfischkapitalismus hindeutet. Da wäre zum einen die geringe Binnennachfrage, die nach über 20 Jahren Deflation nun endlich, dank der entschlusskräftigen Abenomic-Politik, ein Ende finden könnte. Soll der Yen doch (staatlich verordnet) innerhalb von zwei Jahren durch eine gelockerte Finanzpolitik einen guten Teil seines Wertes verlieren. Wenn das kein Kaufanreiz bietet!
Jedoch so richtig verfallen die Japaner nicht in den erwünschten inländischen Kaufrausch. Während die Inflation wegen der teuer importierten Energie und der Rohstoffe stetig steigt, sinken in gleicher Weise die Löhne. Bereits heute haben 1/3 der japanischen Bevölkerung keinerlei finanzielle Rücklagen mehr.

Dabei ist Japan mit über 8 Billionen Euro hoch verschuldet und könnte eine Konjunkturbelebung gut gebrauchen – das gefährliche dabei ist, dass die Gläubiger fast alle im Inland sitzen. 2013 entsprach dies mehr als das 2,4-fache des Bruttoinlandsprodukts, Tendenz stark wachsend (zum Vergleich, Griechenland kommt hier auf einen Faktor von knapp 1,8 und gilt als „Pleitestaat“). Damit betragen die Schulden das 2,4-fache der gesamten Wirtschaftsleistung in Japan, ein einsamer Spitzenplatz. Auch bei der Verschuldung pro Kopf von knapp 70.000 EUR ist Japan damit weltweit Schlusslicht!

Der Stolz und das angepasste Verhalten in Japan ist ungebrochen und so wird man sich auch nicht eingestehen, dass man Probleme hat. Diese „Haltung“ konnte man bereits bei Fukushima sehr gut beobachten – Hilfe von außen war nicht erwünscht!

Der deutsche Physiker Sebastian Pfugbeil beschreibt es wie folgt:
„Die Japaner sind jahrhundertelang zu einem extrem angepassten Verhalten erzogen worden. Sie sind immer wieder darauf gedrillt worden, dass sie sich so wie die anderen zu verhalten haben, dass Kritik an Vorgesetzten, an der Politik unanständig ist. Der soziale Druck auf die Einzelnen ist enorm. Sie dürfen nicht zugeben, dass sie Angst haben. Unter der Bettdecke haben sie natürlich panische Angst. Aber sie dürfen das nicht zeigen. Mir ist mehrfach berichtet worden, dass jemand, der wegen irgendeiner Erkrankung zum Arzt gehen muss, in seiner Umgebung davon nichts erzählt. Er fürchtete, dass man denken könnte, er ginge wegen Fukushima zum Arzt. Das ist aber nicht erwünscht.“

Gleichwohl hat Japan auch noch das Problem der überalternden Bevölkerung und keine Lösung für dieses zukünftige Problem, zumal die Pensionskassen alles andere als sicher sind. Eine Zuwanderungspolitik, wie im Westen, scheidet wegen der Kultur-Inkompatibilität aus.

Ebenfalls ganz weit vorne ist Japan als das Land, welches die meisten Staatsschulden der Vereinigten Staaten von Amerika trägt. Abgesehen von der US-Notenbank kommt Japan direkt nach China mit 1,1 Billionen US-$:

Gläubiger USASollte also die US-Dollar-Blase platzen, so wäre Japan um 1 Billion-US$ ärmer.

Im Anbetracht der Umstände wundert es also nicht, wenn Japan sich in den Dienst der USA stellt und den neuen Global-Player China reizt. Lockt doch der Blick in die Vergangenheit mit einer verheißungsvollen Zukunft ohne Schulden und einer prosperierenden (Rüstungs-) Wirtschaft. Und so geht Japan bereits heute bei den USA auf Rüstungs-Shopping-Tour.

Es bleibt abzuwarten, ob sich Geschichte hier wiederholt, oder ob die Karten-Kräfte-Verhältnisse letztendlich so gemischt sind, dass das „Spiel“ ein völlig anderes Ende nimmt, wie erwartet.

Was bleibt?

Zum Schluss bleibt immer wieder die Erkenntnis, dass grenzenloses Wirtschaftswachstum bei begrenzten Ressourcen, zum Kollaps führen muss. Wäre es nicht ratsam, mit dieser Erkenntnis transparent um zu gehen und sich die Kriegs-Nebelkerzen zu sparen?

So bleibt die Hoffnung, dass es genügend Menschen gibt, die eine Alternative zur bisherigen Lösungsstrategie „Krieg“ vertreten und sich auch dafür einsetzen, statt den Schnappfisch weiter zu füttern. Andernfalls wird der Koi platzen und uns womöglich noch um die Ohren fliegen…

Das ganze Geheimnis, sein Leben zu verlängern,
besteht darin, es nicht zu verkürzen.
(Ernst von Feuchtersleben)

UPDATEs:

Wenn ein Koi hungrig wird
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
Kontakt: Webseite

2 Kommentare zu Wenn ein Koi hungrig wird

  1. vertiefende Bewertungen zur japanischen Volkwirtschaft und insbesondere im Zusammenhang mit den „Abenomics“ finden sich hier:

    Abenomics – Japans neue Wirtschaftspolitik – Teil 1
    -Japans Wirtschaftspolitik mit radikalen geld-, fiskal- und strukturpolitischen Ansätzen-
    https://oconomicus.wordpress.com/2013/07/17/abenomics/

    Abenomics – Japans neue Wirtschaftspolitik – Teil 2
    https://oconomicus.wordpress.com/2013/09/09/abenomics-japans-neue-wirtschaftspolitik-teil-2/

    Japan; from quagmire to Abenomics to collapse!
    https://oconomicus.wordpress.com/2013/09/03/japan-from-quagmire-to-abenomics-to-collapse/

    Japan droht die Rezession
    https://oconomicus.wordpress.com/2012/11/12/japan-droht-die-rezession/

    Zur Abrundung des Bildes, hier noch zwei weitere Empfehlungen:

    Banzai! oder die Wiedergeburt des Fashizumu
    https://oconomicus.wordpress.com/2013/11/28/banzai-oder-die-wiedergeburt-des-fashizumu/

    ‘hurry up and die’
    https://oconomicus.wordpress.com/2013/01/23/hurry-up-and-die/

  2. neiman marcus last call // 21. Januar 2014 um 23:37 // Antworten

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