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Generation fb-SMS

Kreativ_unschaerfe2Es ist wohl ein Wesen unserer Zeit, dass wir uns zwar gerne in Cafes treffen, dort aber die Generation SMS/facebook nur wenig Interesse an der Diskussion mit seinen Gegenüber hat. Viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit wird einem smarten Gerät gewidmet. Unzählige Informationsschnipsel wandern so in Form der technisch beschränkten 140 Zeichen durch den Äther, um den Rest der Welt mit solch wichtigen Informationen – wie „Bin gerade im Cafe“ oder „Zusammen mit Bibbi shoppen“ – zu beglücken…

Okay, man erkennt schnell, dass ich kein SMS-Insider bin. Aber auch außerhalb der SMS-Welt bin ich kein Freund von Abkürzungen und verwende „gn8“ äußerst selten.

Fassungslos erscheint uns diese Art der (unpersönlichen) Kommunikation von außen, vor allem wenn man die 40 Jahre bereits überschritten hat und von Kindestagen an noch nicht in dem Umgang vom SMS und facebook geschult wurde. Sich also zur Gruppe der Digital-UN-Natives zählt.

Ein wichtiges Puzzleteil übersieht man als Außenstehende/r aber gerne. Für jeden Menschen ist die soziale Beziehung (zu anderen Menschen) ein entscheidendes Merkmal des Menschseins. Wird man von einer Gruppe ausgegrenzt, so schmerzt dies. Viele psychische Krankheiten sind eine mögliche Folge. Da es der jüngeren Generation zunehmend schwer fällt, persönliche Kontakte aufzubauen (über die Ursachen, die zum Teil in der Kinderstube liegen, möchte ich hier gar nicht weiter eingehen) ist der logische Schluss nahe, dass dann die Gruppenzugehörigkeit über technische Hilfsmittel gesucht – und gefunden – werden.

Wie gut, dass die Wirkmechanismen der sozialen Ausgrenzung in jüngster Zeit erforscht werden. Dazu hat man Personen in einen Magnetresonanztomographen (MRT) untersucht, und die aktiven Muster im Gehirn bei sozialer Ausgrenzung mit denen von physischen Schmerz verglichen. Beide Muster glichen sich frappierend. Es kann daher mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass soziale Ausgrenzung ähnlich wie physischer Schmerz erfahren und verarbeitet wird.

Diese Betrachtung ist Sorge und Hoffnung zugleich. Sorge, dass die jüngere Generation immer mehr den indirekten Kontakt such, Hoffnung, dass die übernehmende Anzahl an Zeitnutzung in ’sozialen‘ Netzwerken auch wirklich dem sozialen Austausch dient und nicht der Datenlieferung an die NSA.

Die Leute streiten im allgemeinen nur deshalb,
weil sie nicht diskutieren können.
(Gilbert Keith Chesterton)

Über Ro!and (401 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Generation fb-SMS

  1. Es ist schon erstaunlich, wie viel Information in 140 Zeichen untergebracht werden können. Natürlich ist ein persönliches Gespräch in gemütlicher Runde einer SMS vorzuziehen, besonders da hier mehrere Gesprächsteilnehmer teilhaben können. Aber lieber eine „kurze“ SMS als „Lebenszeichen“ als totale Funkstille. Mit den neuen Techniken ist die Grenze von 140 Zeichen auch nicht mehr absolut gegeben.

    Der Blog besteht übrigens aus 328 Wörtern mit 2280 Zeichen, davon 226 Leerzeichen.

    • Gegen eine kurze SMS als „Lebenszeichen“ ist auch gar nichts einzuwenden. Wenn aber ein „Gespräch“ über 20 SMS hinweg geführt wird, gibt es evtl. bessere Alternativen.
      Ein anderes „Sozial-Beispiel“ sind die Geburtstagsgrüße von facebook. Ändert man monatsweise sein Geburtsdatum so wird man von seinen „Freunden“ monatlich zum Geburtstag beglückwünscht.

      Technik an sich ist also weder schlecht noch gut, es kommt darauf an, was man damit macht und nicht wie man sich von selbiger in Abhängigkeit bringt. Ob bewusst oder unbewusst…

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