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Das Ende der Eigentumsökonomie?!

Schnappfisch-1916Mindestens eine Gabe fehlt uns Menschen und das ist die, die Zukunft klar zu sehen. Es wird sich wohl jemand etwas dabei gedacht haben, uns genau dies vor zu enthalten. Letztlich haben wir auch einen Gewinn davon, wir können uns wöchentlich auf die Ziehung der Lottozahlen freuen, um gleichsam im Anschluss wieder die Hoffnung auf die finanzielle Freiheit um eine Woche in die Zukunft zu verschieben.

Der stetige Verfall der Eigentumsökonomie ist in vollem Gange. Bildete einst der breite Mittelstand das Fundament der Gesellschaft, so ist dieser nun selbst akut gefährdet.

Worauf beruht nun meine Annahme, dass in der Breite der Bevölkerung das Eigentum, so wie wir es heute kennen, in naher Zukunft nicht mehr existieren wird?

  1. Zuallererst sind die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren spürbar angestiegen. Die Ressourcen-Engpässe im Bereich Energie werden zu weiteren Kostensteigerungen führen. Es ist also eine Frage der Zeit, wann wir zu den Rücklagen greifen müssen, um diese (vermeidlichen) Fixkosten zu bedienen und wann dann ein Verkauf des Eigentums an steht, um wieder Luft zu bekommen.
  2. Die Bausubstanz in Deutschland ist zu einem erheblichen Teil aus den Nachkriegsjahren und kommt bald in das Alter, in dem größere Investitionen zum Erhalt notwendig sind. In Wohnungseigentümergemeinschaft wird daher die Rücklage zukünftig steigen und somit das bereits angespannte Budget an seine Grenzen bringen.
  3. Modernisierungen oder auch Neubauten können nicht mehr wie früher mit Unterstützung von Freunden oder Verwandten realisiert werden. Es fehlt in der jüngeren Generation die Kenntnis dieser Grundfertigkeiten, was zu erhöhten Kosten führt, die wiederum höhere Kreditsummen notwendig machen. Diese Kredite müssen aber auch in einkommensschwachen Zeiten bedient werden. Fällt das Einkommen weg, droht die Kreditkündigung und damit die Zwangsversteigerung.
  4. Gesichertes Einkommen – und damit die Basis für die Eigentumsinvestition – wird zunehmend schwerer. Durch die Kreditvergaberichtlinien der Banken und Sparkassen (Basel II etc.) wird daher trotz geringem Zinssatz am Kapitalmarkt die Kapitalbeschaffung schwerer.
  5. Die finanziellen Engpässe der Staaten mit ihrer ungebremsten Staatsverschuldung zwingen zu kreativen Lösungen. Um das derzeitige Gesellschaftssystem überhaupt noch weitere zehn Jahre betreiben zu können, müssen ca. 20% der Vermögen von den Bürgern hin zum Staat umgeschichtet werden. Da Geld ein scheues Reh ist, bleibt zu kreativen – und damit sicher kalkulierbaren – Lösung dem Staat nur, auch Eigentum zu besteuern. Solange Eigentum keine „Beine“ hat und nur eine sehr geringe Umschlagshäufigkeit, hat der Staat damit eine solide Basis, den „Patienten“, dessen Organ(e) er selbst ist, am Leben zu erhalten.

Ich möchte es an dieser Stelle bei den fünf Annahmen belassen und freue mich, auf Ergänzungen oder Widerlegungen als Kommentar. Nur dadurch ist es den betreffenden 80% überhaupt möglich, geeignete Strategien zu entwickeln.

Mit dem Versuch der geeigneten Strategie möchte ich gleich beginnen. Es ist mir dabei klar, dass es noch ein weiter Weg ist, von dem Gedanken zur Umsetzung. Es ist (leider) eine Eigenschaft des Menschen, dass der Handlungsdruck erst dann ausreichend groß ist, wenn der Leidensdruck die gleiche Dimension eingenommen hat. Dies ist übrigens auch das Dilemma vieler Initiativen. Zu einer Zeit, in dem der Lauf der Welt noch rückgängig zu machen scheint, interessiert sich nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung, was den Entscheidern immer wieder das Argument zuspielt, dass sie ja auf dem richtigen Kurs sind. Die Herleitung dieses Gedanken ist der gleiche wie bei den Nichtwählern, werden diese doch einfach als zufriedene Bürger bezeichnet, die aus lauter Zufriedenheit gar nicht erst zur Wahl gehen. Das sie aber ihre Unzufriedenheit gar nicht auf dem Wahlzettel ausdruck verleihen können, wird wohl wissentlich ignoriert und einfach deren Stimme zu den ungültigen Stimmen gezählt.

So kommt, was kommen muss. Erst wenn die Bagger anrollen und das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist, findet sich eine ausreichende Masse, die ihren Protest kund tut. Dann aber tun sich die Entscheider schwer, haben sie doch bereits vertragliche Vereinbarungen getroffen und floss auch bereits Geld, was man ungern abschreibt. Ein (ungleiches) Kräftemessen beginnt – Ausgang ungewiss.

Bei dem Ende der Eigentumsökonomie sieht es kaum anders aus. Jedoch werden viele Eingriffe in unser Eigentum nicht bei allen Menschen gleichzeitig geschehen. Bis auf den letzten Punkt der Sanierung der Staatsschulden werden vermutlich alle Ereignisse als Einzelschicksale sichtbar werden. Es wird vermutlich lange dauern, bis das gesamte Bild klar wird, dann ist es aber für die meisten Menschen bereits zu spät zum Handeln.

Eine Strategie kann also sein, sich möglichst früh vom Eigentum zu trennen. Das es durchaus Möglichkeiten gibt, zeigt das Beispiel des Carsharings eindrucksvoll auf. Die zunehmende Lizenzwirtschaft im Mediensektor – bei welchem nicht mehr ein physikalisches Medium in Form von einer CD den Besitzer wechselt, sondern nur noch das Nutzungsrecht – ist ein Beispiel von vielen. Diesem Trend ist auch nichts entgegen zu setzen, solange der Markt offen und lebendig ist. Wird er von Monopolstrukturen dominiert, herrscht schnell Zwang. Das dieses Prinzip noch ausbaufähig ist, zeigen einige neuere Beispiele auf. So könnten (entferntere) Gebrauchsartikel wie z.B. ein Fenster ebenso in Lizenz gehandelt werden. Dann erwirbt man nur das Recht, auf einen klaren Blick durch selbiges. Der Eigentümer sorgt sich dann, dass diese Fenster in bestem Zustand für unser Bedürfnis ist. So kommen wir in den Genuss des Lotuseffekts und energiesparsame Fenster sind dann auch kein Traum, wenn wir dies vertraglich so vereinbart haben…

Welcher Strategie wir auch immer folgen, entscheidend wird unsere Einstellung zu Eigentum sein.

Eine gute Einstimmung ist daher, sich selbst zu überlegen, wieso uns die „Liebe zum Besitz“ – wie es Bertrand Russell in einem sehr frühen Werk von 1916 mit dem Namen „Grundlagen für eine soziale Umgestaltung“ bezeichnet – das loslassen so schwer macht. Mein Dank gilt hier Helmut, durch den ich von den Gedanken Russells erfahren habe.

Eigentum verpflichtet! Diese, in Europa verbreitete Haltung, wird durch die Konsumorientierung am Vorbild der USA mehr und mehr ins Abseits gedrängt. Daher müssen wir eigentlich nichts weiter unternehmen, um Abstand von der Eigentumsökonomie zu nehmen. Die kommenden Generationen, für welche die konsumorientierte Art der Lebensgestaltung selbstverständlich wird, werden (ohne böse Absicht) ihren Teil dazu bei tragen. Wenn wir das nicht wollen, sondern das bewahren was in dem Ausspruch „Eigentum verpflichtet!“ steckt, müssen wir jetzt handeln!

Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter,
als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!
(Kurt Tucholsky)

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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3 Kommentare zu Das Ende der Eigentumsökonomie?!

  1. Die (vererbare) Eigentumsökonomie in der heute pervertierten Form (aktuelles Geldsystem) ist der Schlüssel für einen blutigen Verteilungswettkampf der letzten Jahrhunderte seit es den Terminus Eigentum überhaupt gibt. Es ist die Grundlage einer Zinswirtschaft die diese Eigentumsöknomie als Fundament nun mal hat. Alleine diese Form der Eigentumsöknomie anzusprechen endet allgemein schon bestenfalls im Gelächter, schmlimmstenfalls mit dem Vorwurf des Kommunismus. Indigene Völker (nur notwendiger Lebens-Besitz)würden diesen Sachverhalt, die Diskussion darum, gar nicht verstehen können.

    Die Grundlage eines Geldsystem, der Illusionswohlstand von uns allen ist aber nur eines – die frei verfügbare Umwandlungsenergie in Form von Öl, Gas, Kohle, erweitert Uran, erneuerbare Energien(teuer, schlechtes EROEI). Will heißen, Energie ist der eigentliche Motor vom derzeitigen Wohlstand. „Unser“ aktuelles Geldsystem ist nur der Schlüssel zur Umverteilungsmatrix dieses „Reichtums“ welches schlußendlich die vererbaren Ansprüche auf unnatürliches Eigentum sind (ich selbst bin im Übrigen statistisch betrachte im oberen Prozent). Wenn wir nun so weiter machen wie gehabt im Verteidigen dieses unnatürlichen jedoch menschlichen Zustandes, werden wir so oder so Schiffbruch erleiden.

    Dies durch die Systemik Geld oder die Endlichkeit der TAGTÄGLICH zur Verfügung gebrachten Energiereserven. Mit der ersten, leicht erreichbaren Energiehälfte von Öl und Co. haben wir Jahr um Jahr Bauwerke, Fabriken, Anlagen, Strassen,Nahrung aufgebaut. Diese Bauwerke, Maschinen, Häuser etc. wurden mit einer Unmenge Energie aufgebaut. Diese stehen nach der Fertigstellung in einem natürlichen Zerfall. Nicht das Geld bringt dann wieder den Erhalt sondern nur die Energie über die Umverteilungsmatrix Geldsystem. So bauen wir Türme, Schlösser, weiter, höher, schneller. Unterhalten, von einer Elite verordnetes, ein Geldsystem welches uns unter sich begraben wird. Exponentielles Wachstum in einer endlichen Welt ist etwas für naive Zeitgeister oder für die Extremprofiteure die darum wissen, aber „anständig“ die Klappe halten uns allen von diesen Erkenntnissen mitzuteilen. Darum wird aktuell Zeit gewonnen seitens der „Eliten“, der pyramidalen Ordnung im System. Man verordnet Bilanzverschleppung, G20 Befohlen von oben. Dahinter sitzen die Initiaroren in ihren zahlreichen Logen und Clubs die das so bestimmen und dies schon lange. Es wird Zeit gewonnen, uns alle in diese Lizenswirtschaft zu drängen.

    Für nähere Erklärungen hier:

    http://indextrader24.blogspot.de/2013/07/anonymer-leserbeitrag-zum-stand-der.html

    • Danke für die Ergänzungen.

    • @Ralf
      Feiner Beitrag. Auch ich beschäftige mich schon recht intensiv und längere Zeit mit dem Geld als „Tauschmittel“, und bin zu der Ansicht gekommen, dass wir es gar nicht brauchen würden. Ich bin der Meinung, es wurde nur zum Diebstahl und Machtausübung erdacht, und trennt die Menschen in „Haben“ und „Nichthaben“. Auch Geld zu sparen, also mehr „Eigentum“ zu generieren, als man braucht, entspringt der Gier nach Macht, und natürlich auch der Angst. Solange es die Menschen aber akzeptieren und benutzen, schadet sich die Mehrheit selbst, ohne es zu merken. Die Akzeptanz wurde über Generationen gesteuert (indoktriniert), sodass man sich ein Leben ohne Geld gar nicht mehr vorstellen kann.

      Ich habe zum Thema viele Bücher gelesen und Vorträge gehört, und finde den Franz Hörmann ausgesprochen interessant, weil er auch Alternativen aufzeigt. Geld ist im Grunde heute die Buchung einer Zahl, Geld ist wertlos, es ist der Glaube von uns, und die hinterlassen Sicherheiten, welche der Buchung einen Wert verleiht. Das heutige System ist vorsätzlicher Betrug an einem Teil der Sicherheiten der Kreditnehmer.

      Ich könnte mir eine Welt ohne Geld vorstellen. 🙂

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