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Die Kunst des klaren Blicks

Schnappfisch-2477Wie ist es möglich, hinter die Kulissen zu blicken? Wie können wir erkennen, dass wir (wie in Platons Höhlengleichnis) nur Trugbildern folgen, statt unser Blick auf die wahren Geschehnisse lenken?

Es scheint fast so, dass der Mensch ohne Leidensdruck nur sehr begrenzt dazu fähig ist. Erst wenn er Leidensdruck so groß wird, dass er die Trägheit, aber auch die Angst, verdrängt, gibt es Hoffnung. Solange wir Ängste kultivieren, die wir als Tugenden und Ideale pflegen und uns hinter ihnen verstecken, wird jede Aktion, jedes Handeln nur in diesem begrenzten Umfeld wirken. Eine Folge dieses konditionierten Denkens und Handelns ist, dass unser Geist träge und stumpf wird. Wenn wir ehrlich sind, so würden wir dies gar nicht erst als denken bezeichnen, zu eingeschränkt ist der Geist, fehlt ihm doch ein Bewusstsein, dass ihn als Mensch doch erst so einzigartig macht!

Wie können wir dann dieses unverstellte Denken wecken, dass unseren Blick schärft?

Zuerst – so scheint es – müssen wir in einen Konflikt unserer (bisherigen) Werte und Vorstellungen kommen. Hierzu gibt es viele Wege – schmerzliche, wie der Tod eines geliebten Menschen, Arbeitslosigkeit, ein Buch oder vielleicht auch dieser Beitrag?! Sobald wir beginnen, unsere momentanen Situation zu hinterfragen, sind wir auf dem Weg des Aufbruchs. Sind die äußeren Umstände, die diesen Zwang zum Handeln befeuern jedoch zu erdrückend, erwächst aus ihnen wiederum Angst, die das unverstellte Denken blockiert. Eine Sackgasse tut sich auf.

Anders jedoch, wenn die Umstände der Situation nicht zu einer Angststarre führen, so dass wir diese Umstände wertfrei beobachten können. Wenn wir diese untersuchen können, sie hinterfragen können. Wenn unser Bewusstsein die Führung übernimmt und sich kritisch der Situation stellt.
Es ist also klug, nicht zu warten bis einen die äußeren Umstände zum Handeln zwingen, sondern sich bereits in weiser Voraussicht mit den Themen zu beschäftigen.

Hilfreich ist es sicherlich, den Geist von der Gier und dem Drang nach Besitz zu befreien – so wie in dem letzten Beitrag „Konsum und sein Ziel“ bereits angerissen. Hat man erst einmal begriffen, dass eben nicht der umfangreichere Besitz den besseren Menschen auszeichnet und um ein noch besserer Mensch zu werden, das Ziel noch mehr zu besitzen ist, dann wird der Blick wieder offen für all das, was auf der Strecke bleibt. Die Versklavung durch das System Neoliberalismus ist dann aufgehoben.

Es wäre jedoch zu kurz gedacht, das alte System durch ein neues zu ersetzen. Den Kapitalismus z.B. durch den Sozialismus. Jedes System würde über kurz oder lang zu dem gleichen stumpfen Geist führen, wie das bisherige. Die Unterschiede wären nur im Detail sichtbar, im Großen und Ganzen würden sie sich aber gleichen. Stets würden Gesetze und Richtlinien dafür sorgen wie wir zu Denken und Handeln haben, immer zum Wohle des Systems und zum Verlust des klaren Blicks.

Wenn wir es aber geschafft haben, uns der Versklavung durch das herrschende System zu entziehen, dann haben wir den Schlüssel dazu bereits in der Hand. Was wir nun tun müssen ist, diese Gabe zu kultivieren. Um den klaren Blick zu bewahren müssen wir die Wachsamkeit und Beobachtung schärfen. Wenn wir die uns vorgesetzten „Fertiggerichte“ aus dem Bereich der Bildung, der Medien etc. kritisch hinterfragen bleibt unser Geist wach und der Blick klar. Wir lassen uns dann nicht durch Schattenspiele täuschen sondern richten unseren Blick auf die Schattenspieler.

Der Weg bis dorthin ist sicher kein leichter. Diese Wachsamkeit und Beobachtung führt unweigerlich zu Konflikten mit dem bisherigen „Weltbild“. Diese Störungen gilt es zu überwinden. Der Preis dafür ist der klare Blick. Es ist aber kein geringer Preis, den man zu „zahlen“ hat und viele scheitern daran oder schieben die Konflikte ewig vor sich hin ohne zu hinterfragen, was diese Störung ausmacht. Ist es wirklich die Notwenigkeit seinem bisherigen Beruf noch solange nach zu gehen, bis genügend Geld vorhanden ist, um aus dem System aus zu steigen oder ist dies nur ein weiteres Hilfsmittel sich nicht dem unmittelbaren Konflikt stellen zu müssen?!

Erst wenn sich der Geist bedingungslos und intensiv dem Konflikt stellt und nicht durch Flucht entzieht, erst dann sind wir in der Lage neu und kreativ zu denken. Dieses Denken ist von einem klaren Blick gekennzeichnet und ist zeitlos.

Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit,
gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
(Jiddu Krishnamurti)

Die Kunst des klaren Blicks
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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3 Kommentare zu Die Kunst des klaren Blicks

  1. „Es scheint fast so, dass der Mensch ohne Leidensdruck nur sehr begrenzt dazu fähig ist. Erst wenn er Leidensdruck so groß wird, dass er die Trägheit, aber auch die Angst, verdrängt, gibt es Hoffnung.“

    Hoffnung auf was? Der klare Blick?

    Eine ziemlich menschenverachtende, calvinistische Meinung hat der Autor.
    Denn es würde bedeuten das nur durch Druck von außen Fortschritt und eine persönliche Weiterentwicklung erreicht wird.
    Umkehrschluss, halte die Menschen permanent im Leiden, dann gibt es Hoffnung.
    Genau so war der Todesengel von Kalkutta
    http://www.mutter-teresa.info/
    Sie erfreute sich daran das Menschen elendig, wie Jesus am Kreuz leiden.
    Dazu auch der Fall Mynarek
    http://www.schmidt-salomon.de/mynarek.htm

    Platons Höhlengleichnis wird hier religiös missbraucht.

    • Können Sie mir Beispiele nennen, wo wir Menschen ein nahendes Unglück noch im Vorfeld entschärft haben und nicht erst, wenn der „Bagger“ vor der Tür stand?
      Es ist ziemlich einfach, Vorwürfe und Unterstellungen, welche die Haltung des Autors betreffen, zu machen. Konstruktiv ist es leider nicht.

  2. Könnte „Die Kunst des Klaren Blickes“
    nicht an die alte Schwert-Schmiede-KUNST er-innern ?
    Klare Er-Kenntnis-Muster
    Damaszener … Klingen(de) Rosen …
    Kostbarer *Damaszener-Stahl*
    *Damaszener-Rose* – Blumenkönigin mit heilender Kraft
    *Rosen*, die klingen und Heil-Wirkungen haben können …
    … 😉 …
    Was kann aus einem *Klaren Blick* doch so alles ent-stehen … 😉 …
    Nach-Denk-Muster-An-Regungen … 😉 …

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