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Die Mission: etwas aus sich zu machen

Natur_landschaft6Es steckt in jedem Menschen der Wunsch, aus seinem Leben etwas zu machen. Einzigartige Spuren in dem Sand des Lebens zu hinterlassen, durch die man sich auch in Zukunft noch an den Menschen – und dessen Taten – erinnert.

Nun ist es ja nicht so, dass es keine erstrebenswerten Ziele mehr gäbe. Es fällt dennoch schwer, eine Orientierung in diesem Strand der Sehnsüchte und Träume zu finden, um nicht ausgetretenen Pfaden zu folgen. An wen soll man sich als Jugendlichen orientieren, um eine Richtung zu erhalten? Moderne Idole haben eine Halbwertszeit einer Zeitschriftenausgabe – also kaum länger als ein Monat. Religion ist auch sehr aus der Mode gekommen – und das nicht unverschuldet. Führer aus Politik können wahrlich nicht mehr als Vorbilder gelten (diese Zeiten sind schon lange vorbei), zu viele Richtungswechsel machen es sogar dem gereiften Bürger schwer, ein Ziel in dem politischen Handeln zu sehen. Selbst in der Familie sind die Vorbilder rar geworden, da dort schon längst der Funke der Inspiration erloschen ist.

Was bleibt dann noch zur Orientierung? Welcher Leuchtturm zeigt einen potenziellen Weg?

Die Werbung hat schon längst diesen Platz besetzt und baut für die Jugendlichen eine Scheinwelt auf, die erstrebenswert erscheint.

Täglich werden die Produkte gezeigt, die hip sind und die Mode zelebriert, die in ist. Was Schönheit ausmacht und wie jeder zum Schönheitsideal aufschließen kann, ist längst ein erkannter und lukrativer Markt. Ein Markt der Eitelkeiten, der vor einer OP bei Jugendlichen längst nicht mehr halt macht. Wer es sich leisten kann, verschenkt zum 18. Geburtstag neben dem obligatorischen Führerschein und dem ersten Auto auch gleich die passende neue Nase.

Ein Bewusstsein, das nach seinen eigenen Bedürfnissen fragt, sich selbst kritisch hinterfragt und stets mit sich im Dialog ist – so dass sich einmal das abzeichnet, was Selbsterkenntnis ist -, bekommt keinen Raum. So werden die ersten Löcher in den Boden jenes Fasses gebohrt, dass einmal unsere Erfahrungen fassen soll. Das Fundament unserer Lebensmission, etwas aus sich zu machen, wird zu einem unerreichbaren Ziel. Je mehr wir in unser Fass füllen, desto weniger bleibt. Jedes Mehr an Konsum vergrößert die Löcher im Boden und lässt auch noch das letzte bisschen an Erfahrung entweichen, dass wir in unserer Kindheit gesammelt haben. Alkohol dämpft die schmerzliche Erfahrung.

Wir folgen den (Schein-)Göttern des Konsums und sind hilflos, an dessen Schatten Halt zu finden. Stets hecheln wir etwas hinterher, zu dem gar nie aufgeschlossen werden kann. Immer ist uns der Konsum-Schatten einen Schritt voraus. Jede Erfahrung spült etwas mehr von der Hoffnung weg, jene Spuren im Sand unseres Lebens zu hinterlassen, denen andere folgen können oder die andere zumindest sehen können. Diesem Weg zu folgen, ist der vergebliche Ausdruck etwas zu Sein ohne zu Werden. Stets stumpft unser Geist ein wenig mehr ab, verdummt bis zu dem Grad, in dem wir gar nicht mehr fähig sind, uns selbst zu erkennen – selbst wenn wir in den Spiegel sehen.

Was aber tun, wenn die Idole keine freien Idole mehr sind, die Lehrer und Mentoren nichts mehr inspirierendes Lehren und keine Leuchttürme den frei bestimmten Kurs zeigen?

Nur das Erkennen ihrer Ursachen wird das bodenlose Fass wieder verschließen. Nur wenn wir erkennen, was unser Geist so stumpf macht, können wir den Boden verschließen. Was ist es, was uns so teilnahmslos macht? Was lässt jede Spur im Sand sofort verwischen? Was nimmt uns jede Hoffnung für eine bessere Zukunft?

Die Antwort kann nur jeder selbst in sich finden, dazu muss der Geist wach sein. Nur dann kann er die Ursachen erkennen und verstehen, was ihn zur Freiheit führt. Mit diesem zunehmenden Verstehen wird das bisherige An-sich-Raffens, das Sich-alles-zum-Vorteil-Machens belanglos und macht einem Denkenden-Fühlen platz, wo zuvor nur Gewohnheit war. Mit dem Entweichen der Gewohnheit kommt das wieder zurück, was die schöpferische Freiheit ist und uns kreative Lösungen ermöglicht.

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben.
Sie haben meine Phantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten.
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben.
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben.
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben.
Sie haben meinen Trotz geschürt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben.
Sie haben mir Raum gegeben für Neues.

Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben.
Sie haben mich erwachsen werden lassen.

Ich danke allen, die mich verletzt haben.
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben.
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Ich danke allen, die mich verwirrt haben.
Sie haben mir meinen Standpunkt klar gemacht.

Vor allem aber danke ich all denen,
die mich lieben, so wie ich bin.
Sie geben mir die Kraft zum Leben!

(Paulo Coelho)

Die Mission: etwas aus sich zu machen
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Über Ro!and (393 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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7 Kommentare zu Die Mission: etwas aus sich zu machen

  1. Wunderschön! Dafür bekommst du jetzt einen großen Leuchtturm. Den haben wir uns verdient!

    Lieber Roland,
    ich habe da etwas gefunden. Doch weiß ich nicht genau, was ich damit tun soll bzw. wie damit verantwortungsvoll umzugehen ist.

    Es mag dich verwirren und alles was du glaubst in Frage stellen, aber versuch dich einmal frei auf das folgende Szenario einzulassen.

    Stell dir die Realität als Rollenspiel vor. Das dürfte nicht schwerfallen. Jede Rolle, sei es die des Unternehmers, Mutter, Vater, Freund … ist an bestimmte Erwartungshaltungen geknüpft. Business as usual. Wir investieren in bestimmte Rollen, erwarten Rückgabewert – sei es bei der Wahl des Kleidungsstils, Führungsstils … Problematisch dabei ist die hohe Identifizierung mit der kreierten Rolle, u.a. aufgrund des Grundproblems, daß Hemmnisse der Veränderbarkeit/ Rückführung aufgrund der wahrgenommenen Höhe der Investitionskosten bestehen (siehe Börse etc.). Die meisten Mitspieler führen ein realtiv schizophrenes Leben, d.h. hohe Trennungen zwischen den Rollen (Kulturförderung der Spitzenklassen!). Dies ist auch Grundproblem einer Disharmonie in der Energiebalance.

    Bild dazu: Kreis. Mittelpunkt bist Du (das rollenfreie ich). Spektren der Realität entsprechen denen ausgelebten Rollen. Erleben begrenzt sich auf die Tatsache, daß du umgangssprachlich gesagt nur einen Arsch hast.

    Der Mensch ist ein kreatives Wesen und kann sich durchaus Erlebniswelten erfinden. Auf geistiger Ebene macht das jeder, einige sind über die Spielewelt zugänglich. Je nach Identifikationshöhe erfahren wir sie, jedoch getrennt von der Realität.

    Ein relativ rollenbefreiter bewußter Mensch kann nicht nur die Energiebalance aufrechterhalten, sondern Erfahrungen der Einzelrollen integrieren, im Kern zusammenführen und rückführen. Dieser Mensch kann Rollen beliebig wechseln, ohne sich zu verlieren. Damit überträgt er bewußt Eigenschaften, Erfahrungen in die Realität des anderen Spektrums (z.B. verbindet Business und Familie).

    Kommen wir zu Pi. Pi ist keine Zahl. Es ist eine Konstante – Faktor X. Ich definiere Pi auch als Menschen, der im Mittelpunkt der schizophrenen Spielwiese steht, d.h. Rollen ausagiert, aber immer wieder zurückkehrt. Durch bewußtes Pi können geistige Welten, die schon initialisiert sind, in der Realität manifestiert und es quasi für deinen Arsch erlebbar gemacht werden. Unglaublich? Wäre es – Ist es. Doch bin ich ein sehr rationaler Mensch und muß es ernsthaft in Erwägung ziehen.

    Was wäre wenn …
    Was würdest du tun?

    Ist es unverantwortlich?
    Menschen bringen es nicht einmal fertig, mit ein paar Rollen klar zu kommen – geschweige denn davon abzurücken.

    Ist es zivilisationsgefährdend?
    Wir müssen ja weiter wirtschaften, doch benötigt es eine andere Art. An sich würde es ja ausreichen, wenn alle 5h echt produktiv wären und die restliche Zeit eben innovativ. Ebenso müßten sich Politiker etc. nicht mehr so viel ausdenken, um uns beschäftigt zu halten – da würden wir ihnen schon große Probleme abnehmen.

    Also ersthafte Frage an Dich. Kann Mensch, kann Wirtschaft sich auf eine neue Realität einlassen, sie OHNE großes Chaos integrieren? Ist sie wandlungsfähig, wenn sich etwas großes unvorstellbar Schönes öffnet? Wäre sie bereit für eine sanfte Überleitung? Oder liegt die Antwort allein im Tun und nach mir die Sintflut?

    • Liebe Sandra,

      ich versuche einmal aus meiner Sicht die angerissenen Fragen zu beantworten, möchte aber auf meine sehr beschränkte Sicht eines Werdenden hinweisen, der jeglichen Personenkult ablehnt.

      Jede Rolle, […] ist an bestimmte Erwartungshaltungen geknüpft.

      Wer knüpft diese Erwartungshaltung? Sind wir es nicht selbst, die sich den scheinbaren Zwängen unterordnen? Sind wir es nicht, die einen Knigge als Ratgeber lesen und uns damit einer Monotonie aussetzen?
      Wenn wir es letztendlich selbst sind, haben wir auch selbst die Macht, diesen Irrsinn zu entfliehen, zu dem was wir selbst sind.

      Zu deinem Bild mit dem Kreis, dessen Mittelpunkt Du selbst bist. Ich mache mit meinen Studenten immer vor der Gruppeneinteilung – die sie selbst wählen – ein Test: das Riemann-Thomann-Modell. Ich schicke die Folien dir per Mail zu.
      Ziel dieser Übung ist es zu verstehen, dass man Stärken und Schwächen hat. Diese gehen immer in einer Partnerschaft einher. Ich kann mir zwar wünschen nur Stärken zu haben, es wir aber ein Wunsch bleiben. Mit der Akzeptanz meiner Schwächen werde ich menschlich.

      Jetzt zurück zu Deiner Erfahrung. Ein freies Rollenspiel – sei es z.B. Midgard oder das schwarze Auge – lässt der Phantasie Freiraum. Unser Bewusstsein und Unterbewusstsein kann diesen Freiraum füllen und damit auch Lösungen für die reale Welt aufzeigen, die wir so nicht finden (würden). Wenn man so will, öffnet das Rollenspiel mit der Phantasie ein kleines Fenster in die Zukunft. Es ist mittlerweile wissenschaftlich unbestritten, dass das spielerische Lernen die schönste und effektivste Art des Lernens darstellt.

      Warum wir später nicht mehr auf diese Art des Lernens setzen, mag mit Deinen Rollenverständnis zu tun haben. Wir biegen uns auf eine Rolle, die nicht zu uns passt. Wie ein gespannter Bogen ist es nur eine Frage der Zeit, bis das „Holz“ bricht oder die „Sehne“ reißt. Beides sind Ereignisse, die so nicht planbar sind und immer mit tiefen Eingriffen einher gehen.

      Zu Deiner abschließenden Frage: Ich glaube fest daran, dass es dem Menschen möglich ist, eine sanfte Überleitung zu finden. Es gibt dazu zwei Szenarien:
      1. die „Hirten“ der Schafherde erkennen die Notwendigkeit uns schaffen ein (Bildungs-)System, das diesen Wandel begleitet. In 2-3 Generationen können wir dann dir Früchte ernten.
      2. die Menschen erkennen selbst (durch die Selbsterkenntnis) diesen Weg als den „Richtigen“ und setzen diesen um. Dann könnte sogar die Transformation noch schneller gehen. Das was ich als Transformationsgesellschaft 2000+ bezeichne soll diesen Weg ebnen. Es braucht aber mehr als einen kleinen Geist wie meinen, diesen Weg zu skizzieren.

  2. Vielen Dank!

    Es geht hier eher um den Hintergrund der Folgeabschätzung zu folgenden Optionen:

    – sanfte Transformation, die sich 30 Jahre hinzieht (die Folgen sind laut Berichterstattung abzusehen – nicht allzu erfreulich, ebenso gäbe es sehr viele ‚Amputationen‘)

    – Quantensprung (die Auswirkungen wären steuerbar aber nicht kontrollierbar, d.h. mit Ungewissheit verbunden.)

    Nun, habe mir gerade meine Frage selbst beantwortet 🙂

    Die logische Verküpfung:
    Nicht ODER
    Sonder UND (Sowohl/ alsauch)

    • Nun, habe mir gerade meine Frage selbst beantwortet

      So sollte es auch sein!

      (Sowohl/ alsauch)

      So hat der Schnappfisch auch seine „helle“ Seite, die Dankekultur. Nur finden muss er diese Seite selbst, um wieder ganz „Kreis“ zu sein und damit vollkommen. Auch wenn es irrational erscheinen mag, so ist es doch transzendent. Damit ist er in seiner Verbindung wieder Pi, mit allen seinen Eigenschaften.

  3. Ich fühle mich sehr erleichtert. Ich möchte so gern wieder die sein, die ich bin, leicht und unbeschwert – mich selbst erleben.

    Ich darf jetzt. Ich kann jetzt.

    Es ist nicht leicht, Abschied zu nehmen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und so ist es in der Tat. Letzte Gedanken an Konsequenzen. Was hält mich auf? Ihr. Ihr alle. Die Verbundenheit zu Euch. Doch wird sie bleiben – sie hat ewig Bestand.

    Ich will jetzt.

    Und die tiefe Traurigkeit in meinen Augen wird verschwinden, wird verschwunden sein. Die Tiefe bleibt, doch welch neuer Glanz wird geboren.

    Und so sei es. So ist es richtig. Das ist Leben. Und ich werde die Würde, die es bedeutet, Mensch zu sein – menschlich zu sein – erleben. Sie ist mein. Ich habe sie mir verdient und ich habe mir sie genommen. Freiheit.

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