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Grenzen des Wachstums

AdlerIch will an dieser Stelle gar nicht das längst bekannte Problem der begrenzten Ressourcen und der daraus sich ergebenden Folgen erörtern. Zu weit weg sind diese Grenzen von der gefühlten Wirklichkeit im westlichen Konsumrausch. Es geht mir in diesem Beitrag darum, von der Natur – der Kybernetik – zu lernen. Ich habe diese, von Frederic Vester aufgestellte kybernetische Grundregel (es gibt deren acht), bereits in einem Beitrag über Sezession angeführt. Hier nochmals die Grundregel:

Die Systemfunktion muss vom quantitativen Wachstum unabhängig sein.

Die wesentlichen Gründe sind:

  1. der Durchfluss an Energie und Materie ist langfristig konstant und
  2. ein geringerer Einfluss von Irreversibilitäten und Grenzwertüberschreitung ist die Folge.

Ich möchte diesen Gedanken etwas vertiefen. Nehmen wir hierzu ein Beispiel aus der Natur, das einer Raupe. Sobald diese auf die Welt kommt macht dieser winzig kleine Wurm, der selbst auf einem ein Cent-Stück noch klein erscheint, nichts anderes als zu fressen. Alle Blätter, die vor sein Mund kommen, scheint er auf zu fressen. Die Folge ist ein scheinbares, grenzenloses Wachstum.

Es dauert nicht lange, und der Wurm ist größer als die ein Cent-Münze. Es vergehen weitere Tage des Fressens und der Wurm wird zur Raupe, die sogar eine Euro-Münze überragt.

Würde die Raupe an dieser Stelle weiter an ihrem (scheinbaren) Weg festhalten, würden wir als Mensch unsere Beobachtung an dieser Stelle also abbrechen und die Zukunft extrapolieren (was wie im Bereich der Wirtschaft pausenlos tun!), so wäre es nur eine Frage der Zeit, bis auch ein Fünf-Euro-Schein zu klein wäre, um die Raupe zu bedecken.

Was wir dabei aber außer Acht lassen (würden), wäre die natürliche Grenze des Wachstums. Der Organismus der Raupe wäre ab einer Größe gar nicht mehr im Stande, weiter zu wachsen. Die Füße der Raupe könnten das Gewicht nicht mehr tragen. Die Raupe könnte sich nicht mehr am Ast festhalten und würde auf den Boden fallen – und damit anderen Tieren als Nahrung dienen. Die Systemfunktion „Wachstum“ wäre an ihre Grenze gekommen.

Was macht nun die Raupe? Die kehrt in sich und wird durch eine Metamorphose zu einem Schmetterling. Das einst so ekel erregende Wesen wird – in einem Kokon von der Außenwelt verborgen – zu einem wundervollen Schmetterling. Dabei war die Raupe bereits Schmetterling – es ist das gleiche Wesen, nur seine äußere Hülle unterscheidet sich und mit ihr unsere Haltung diesem Wesen gegenüber.

Diese Verwandlung bringt gleich mehrere Vorteile. Zum einen wurde die Wachstumsfunktion durchbrochen. Als Schmetterling braucht die Raupe viel weniger Energie. Der Durchfluss an Energie und Materie nimmt also ab. Die Raupe ist nicht mehr auf den zweidimensionalen Raum – die Oberfläche – gebunden, sondern kann durch ihre zugewonnene Flugeigenschaft nur den dreidimensionalen Raum nutzen. Kann das, was sie als Raupe von der Natur genommen hat, nun wieder als Schmetterling zurück geben. Für uns Menschen ist nicht nur die schöne Optik von Schmetterlingen hilfreich, sondern auch ihre Eigenschaft als Bioindikator. Steigen die Umwelteinflüsse z.B. durch Emissionen stark an, so kann diese Veränderung direkt an den Schmetterlingen abgelesen werden, noch bevor unsere Gesundheit in Leidenschaft gezogen wird.

Vielleicht sollte uns dies nachdenklich stimmen, wieso in manchen Gebieten kaum noch Schmetterlinge sind, dafür aber die Krebsrate angestiegen ist…

Schauen wir uns nun den menschlichen Lebensraum an, den wir im Wesentlichen durch die entfesselte Nutzung von Geld geschaffen haben, so fallen einige parallelen zur Raupe auf. Längst ist in einem Euro, den wir für Lebensmittel, Geräte etc. ausgeben ein Anteil von ca. 40 Euro-Cent enthalten, der einzig und allein dem Bedienen des Geldes dient – der keinen Anteil an der direkten Erzeugung des Erworbenen dient, sondern nur die Zinsen bzw. dem Zinseszins dient!

Auch auf Staatsebene lässt sich das Problem gut erkennen. Wenn wir die Staatsverschuldung von der Bundesrepublik Deutschland von gut zwei Billionen-Euro im Verhältnis zu den entrichteten Zinsen und Zinseszinsen sehen, kommt eine „ausgeglichene“ Bilanz zum Vorschein. Dies bedeutet aber, dass wir keine neuen Werte schaffen, sondern nur die Zinsen und Zinseszinsen bedienen – und das bei einem momentanen Zinssatz von 0,25%. Mir graut bei der Vorstellung, was passiert, wenn der Leitzins wieder steigt. Trotz riesigem Wirtschaftsüberschuss sind die öffentlichen Kassen leer – was kein Wunder ist, müssen doch die Zinsen und Zinseszinsen bedient werden. Was bei einem Leitzins von 5% oder mehr dann noch an Gemeinwohl-Kapital übrig bleibt, kann sich jeder selbst ausmalen.

Längst – um beim Bild der Raupe zu bleiben – sind wir auf Kapitalseite überfressen. Einen Kokon zu bauen und sich zu verpuppen geht aber nur, wenn wir noch die nötige Kraft und den Körperbau haben, dieses Glanzstück zu vollbringen. Beide Indikatoren haben wir längst überwunden – leider im negativen Sinn.

Äußerlich sichtbar ist ein solcher Zerfall – wenn man die Grenze des Wachstums erreicht hat – immer zuerst an der Peripherie. Am Rand der Gesellschaft kann man heute schon die Zukunft ablesen. Die Sorge um steigende Kriminalität führt zu steigender Aufrüstung. Im US-Bezirk Orange County in Kalifornien wurde den Bürgern erlaubt, die Waffen nun auch verdeckt zu tragen. 4.000 Menschen haben in den letzten zwei Monaten einen entsprechenden Antrag gestellt.

Das Job-Wunder in Großbritannien basiert auf unterbezahlter Jobs. Bereits jeder fünfte Beschäftigte reicht der Lohn nicht mehr zum Lebensunterhalt.

Die Großstädte können die Kosten zum Erhalt der Infrastruktur nicht mehr tragen und verfallen allmählich, wie am Beispiel von Detroit – welches letztes Jahr insolvent ging – sichtbar wurde und nun auch Rom erreicht hat. Deutsche Großstädte sind hier schon längst nicht mehr außen vor. Einige haben bereits ihr Tafelsilber verkauft um überhaupt noch zahlungsfähig zu sein. Milliardenschulden der öffentlichen Hand sind längst keine Seltenheit mehr.

Wer Angesicht dieser Situation ins Arbeitsleben eintritt und seine Hoffnungen auf eine private Rentenvorsorge von 4.000 EUR im Auge hat, die er in 40 Jahren antritt, sollte sich vergegenwärtigen, dass diese 4.000 EUR in 40 Jahren im günstigen Fall einer heutigen Kaufkraft von 400 EUR entsprechen. Viel mehr als Strom, Gas, Wasser und Brot würde ich hier nicht einplanen. Daher möchte ich nochmals meinen „Anlagetipp“ (Bildung, nützliche Dinge des täglichen Gebrauchst, soziale Projekte) ins Gedächtnis rufen.

Stets war die bewährte Strategie der Mächtigen, mittels Kriegen aus der Situation heraus zu kommen. Ermöglicht dieser es doch, von seinen eigenen Mängeln ab zu lenken. Diese Option scheidet aus meiner Sicht – seit der Entdeckung der Atomenergie und dem Bau selbiger Bombe – aus. Die Folgen daraus würden nicht wie bisher unser Geldsystem zurück setzen, sondern bedeutend mehr Dinge auf NULL setzen. Kybernetisch betrachtet keine gute Wahl!

Oftmals führt lineares Denken zu einem wiederholen etablierter Muster, ohne die veränderten Randbedingungen zu betrachten, führt dieses Denken aber zu unausweichlichen Fehlern. Das vernetzte Denken (sprich die Kybernetik) bietet uns Hoffnung, die Ursachen zu beGREIFen und eine bessere Lösung zu finden. Wenn ich mir aber die derzeitige Zuspitzung im Ukraine-Konflikt ansehe, kann ich keine Anzeichen von vernetztem Denken – wenn ich ehrlich bin, nicht einmal von linearem Denken – erkennen. Vielleicht ist es notwendig zuerst einmal den Apparat zwischen den Ohren zu aktivieren, bevor man handelt. Aber das wäre eine philosophische Erörterung die den heutigen Rahmen meines Beitrags sprengen würde.

Carpe diem – Pflücke den Tag!

Grenzen des Wachstums
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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4 Kommentare zu Grenzen des Wachstums

  1. GUTER KOMMENTAR. DANKE

  2. Frederic Vester las ich vor zwanzig Jahren und auf den Betrug des Geldsystems wurde ich vor zehn Jahren aufmerksam. Vor gut einem halben Jahr stieß ich dann auf die „Perestroika Täuschung“.
    Anatolij Golitsyn lief als KGB-Agent 1961 in den Westen über und beschrieb in seinem 1984 erschienenen Buch „Old Lies for News“ all das, was seit 1985, 1990, bis heute, geschieht. Der Zusammenbruch des Kommunismus war getürkt. Golitsyn erwähnt auch die Entlassung ehemaliger Sowjetrepubliken in die Unabhängigkeit. Nun wird uns ein Schaukampf vorgeführt zwischen der EUdSSR und Russland, wo letzten Endes eine Wirtschaftsgemeinschaft von Wladiwostok bis zum Atlantik hervorgehen soll, wie von Putin schon 2010 benannt. Die EU ähnelt in ihren Strukturen mit ihren Kommissaren, die niemand gewählt hat, schon heute immer mehr der alten UdSSR und Genscher spricht jetzt immer wieder von einer EU als Modell für eine NWO.

    • Da steckt leider im Kern viel Wahres.

      Das Deprimierende an der „Wirtschaftsgemeinschaft“ ist jedoch, dass wir Dinge produzieren, die für nichts gut sind – außer möglichst bald verschrottet zu werden um den Wirtschaftskreislauf aufs neue zu befeuern.
      Ich mag gar nicht daran denken, zu welchen Waffengeschäften der Ukraine-Konflikt wieder herhalten muss. Statt die Steuergelder in Bildung zu investieren, verschwinden diese in der Rüstung, Konsum und was sonst noch… Einfach traurig!

  3. Solange Zufriedenheit der Allgemeinheit die Tagesordnung bestimmt, heißt das Leben „carpe diem „anstatt „edite diem“(gestalte den Tag).Denn man kann nur Resten pflücken ,oder das, was man vorher gestaltet hat.

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