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Lösungen des Gefangenendilemmas

Fassungslosigkeit-8385Über das Gefangenendilemma habe ich in dem Beitrag Kooperation oder Konfrontation?! schon etwas geschrieben. Anhand des Spiels der gemeinschaftlichen Investition lassen sich die beiden Teilziele – die Maximierung innerhalb der Gruppe (Konfrontation) oder die Maximierung über alle (Kooperation) – sichtbar machen. Darauf aufbauend sind dann Lösungsstrategien möglich.

Die Grundlage dieses Spiels basiert auf der Situation des Gefangenendilemmas. Dieses wird in der Wikipedia wie folgt beschrieben:

Zwei Gefangene werden verdächtigt, gemeinsam eine Straftat begangen zu haben. Beide Gefangene werden in getrennten Räumen verhört und haben keine Möglichkeit, sich zu beraten bzw. ihr Verhalten abzustimmen. Die Höchststrafe für das Verbrechen beträgt sechs Jahre. Wenn die Gefangenen sich entscheiden zu schweigen (Kooperation), werden beide wegen kleinerer Delikte zu je zwei Jahren Haft verurteilt. Gestehen jedoch beide die Tat (Defektion), erwartet beide eine Gefängnisstrafe, wegen der Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden jedoch nicht die Höchststrafe, sondern lediglich von vier Jahren. Gesteht nur einer (Defektion) und der andere schweigt (Kooperation), bekommt der erste als Kronzeuge eine symbolische einjährige Bewährungsstrafe und der andere bekommt die Höchststrafe von sechs Jahren.

Die einfachste Lösung, die jedoch in den Regeln bzw. durch die getrennten Räume ausgeschlossen wird, habe ich in meinem Beitrag nur am Rande erwähnt. Es ist die der Kommunikation. Sobald die Teilnehmer der einzelnen Gruppen sich im Dialog austauschen würden, wäre eine optimale Lösung möglich. In dem Augenblick – um beim klassischen Gefangenendilemma zu bleiben – bei dem sich die beiden Verdächtigen besprechen dürfen, hat der Kommissar keine Chance. Zielt seine Gesprächstaktik doch darauf ab, den beiden Verdächtigen unabhängig voneinander etwas unter zu schieben. Sie gegenseitig zu verdächtigen, um so auf niederer Ebene dem jeweiligen Verdächtigen durch Denunzierung seines Partners einen Vorteil zu verschaffen.

Zu Recht ist diese Art der Verhörmethode in einem Rechtsstaat nicht erlaubt.

Schaut man auf die aktuelle Gesprächskultur im Ukraine-Konflikt, so stellt sich hier die Frage, ob eine Lösung des Konflikts überhaupt Ziel der Handlungen ist.

So schreibt Wolfgang in seinem Blog zur russischen Sichtweise, dass „die Europäer bekommen in den Medien nicht vollständige Informationen, weil die russische Sicht durch Zensur in europäischen Medien unterdrückt wird.“
Zitat: Dmitri Peskow (Wladimir Putins Presse-Sprecher):

“Faktisch gesehen sind die europäischen Leser und TV-Zuschauer nicht in der Lage, vollständige Informationen über Geschehnisse in der Ukraine zu bekommen. Den Europäern wurde das Recht geraubt, eine freie Wahl über die Informationen zu treffen. Das kann man mit großem Bedauern feststellen, leider aber ist es so.
Es ist so, dass Russlands Vertreter in den Medien ihre Sicht auf die Situation darzulegen versuchen, wie es z.B. unsere Abgeordnete oder Russlands Außenminister Lawrov oder selbst Wladimir Putin immer wieder tun.
Russlands Vertreter versuchen also immer wieder russische Positionen in den Medien zu erklären, sie versuchen auch verschiedene Mythen und Beschuldigungen zu lüften und zu entlarven.
Diese Erklärungen von uns kommen in den westlichen Medien nicht durch, nicht etwa weil unsere Erklärungen inkorrekt oder nicht haltbar wären, ganz im Gegenteil, unsere Positionen sind sehr konsequent argumentiert.
Unsere Sicht der Dinge kommt in den westlichen Medien nicht durch, weil sie auf eine große Betonwand der Zensur trifft.
So etwas haben wir vorher noch nicht gesehen, wir haben uns nicht vorstellen können, dass eine solche Zensur offen zutage treten könnte.”

Es gibt viele Theorien, wieso nicht der Dialog – welcher hier nicht durch Regeln unterbunden ist – geführt wird, um die Situation zu ent-krisen. Diese möchte ich hier gar nicht weiter thematisieren.

Nur ein Aspekt ist mir wichtig. In meinem Beitrag zur Kooperation und Konfrontation habe ich bereits erwähnt, dass es bisher kein Jahrgang geschafft hat, am Ende des Spiels mehr Geld zu haben, als Anfangs. Alle haben durch das NICHT-Kommunizieren und ihr entsprechendes Agieren das Ziel verfehlt!

Ich bin dabei nicht der einzige, der zu diesem Ergebnis kommt. Das Spiel wurde in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen verwendet und das Ergebnis ist immer das Gleiche. Unterbindet man die Kommunikation, so ist das Ergebnis katastrophal. Es scheint fast so, dass man bei der Ukraine-Krise dieses Ergebnis einkalkuliert. Ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass es bei dem untersuchten Spiel keinen Gewinner gab – alle Teilnehmer haben letztendlich verloren, wenn auch unterschiedlich stark.

Dieses Ergebnis ist sehr wahrscheinlich auch das, was wir im Ukraine-Konflikt befürchten müssen, wenn nicht eine objektive Berichterstattung zum Dialog – und damit zu einer für alle akzeptablen Lösung – führt!

Daß wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen.
(Karl Jaspers)

Lösungen des Gefangenendilemmas
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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8 Kommentare zu Lösungen des Gefangenendilemmas

  1. Teilziele sind mit und zu verknüpfen, um das Spiel zu gewinnen.

    Das größte Verbrechen ist es, dass die besten der besten, die das Problem gelöst haben, innerhalb der Gruppe nur in isolationshaft gehen können. Es gibt absolut keine Nachfrage nach der warheit oder echten Lösungen. Und dort liegen nun die Schätze und sterben vor Kummer. Auch ich fast. Und vielleicht habe ich es nur geschafft, die Kraft zur Konfrontation aufzubringen, um dies zu sagen. Genau dafür hasse ich euch zutiefst und mein Zorn darüber soll niemals vergessen sein.
    Gnade? Wofür? Nun, ich könnte niemanden dies antun. Ob das eine Gnade ist, wage ich zu bezweifeln. Diese eine Schuld werde ich nicht zurücknehmen.

    • Liebe Sandra,

      ich habe heute viele Stunden in der Natur mit der Familie verbracht und es ist mir etwas klar geworden, welches den Zorn, die Wut als Kraft zu lenken vermag, damit sie gestalterisch wirkt. Morgen mehr dazu…

    • Ich bin mir nicht sicher, ob Teilziele nur ein Konstrukt des Menschen ist, um die Komplexität zu „beherrschen“. Das einzige Ziel ist zu leben, das Leben als solches.

      Am effektivsten lässt sich dieses Ziel in Kooperation erreichen. Diese Überzeugungskraft kann zuweilen abhanden kommen. Verzeihen ist ein gutes Mittel, um wieder den Kurs zu finden.

  2. Ja, Transformation. – Berge können versetzt werden. Entschlossen, Mutig, Unerschrocken.
    Doch ich möchte, dass jeder weiß, warum ich so handeln kann. Liebe habe ich jede Menge, da ich bewusst bin und nur höchst kooperativ arbeiten kann. Aber mein Antrieb aus Hass, Zorn und Wut ist noch größer. Und ich möchte zum Ausdruck bringen, warum genau, d.h die eine Schuld, die ich nicht vergeben werde, die mich und andere erinnern soll, benennen. Dadurch erhalte ich mir auch selbst diese Kraft…

    • Aber mein Antrieb aus Hass, Zorn und Wut ist noch größer.

      Das sind sehr mächtige Emotionen, aus denen ungeahnte Kräfte freigesetzt werden können. Lediglich die Wut ist die Ursprungsform, der Hass und der Zorn sind Folgen – leider wirken diese zerstörerisch. Aus der Wut als solch lässt sich aber eine Kraft kultivieren, die eine Veränderung im inneren und äußeren ermöglicht. Zorn und Hass zerstören diese Möglichkeit und geben der (selbst-)Zerstörung den Vorzug.

  3. Was ist die Hölle?

    Das Leben zu sein ( eine Oase in der Wüste) – es zu wissen und sich dem Leben entziehen zu müssen, um weiterhin existent zu sein.

    Schmach, Schande, … kein Wort könnte es je erfassen. Daher wortlos.

    • Ich bin die Reinform des Gegensatzes. Dadurch vereinige ich das Leben in mir und kann andere durch meine Künste zum Leben bringen, es in ihnen zünden.

    • Der Mensch nährt sich aus Himmel und Hölle. Er selbst entscheidet aber jeden Tag aufs neue, wovon er sich ernährt. Die Wiedergeburt jedes neuen Tages enthält auch jeden Tag aufs Neue diese Wahl. Wer die Wahl nicht nutzt ist bereits Knecht seiner selbst.

      So ist die Hölle nichts anderes als der Himmel: eine (Nahrungs-)Quelle deren wir uns bedienen (können). Ändern wir unsere Gewohnheiten, so ändern wir uns. Ändern wir uns, so ändern wir das Umfeld, ändert sich das Umfeld, so ändern wir die Welt…

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