News Ticker

Wenn die Zweifel größer werden

Schnappfisch-3709Die seit letzter Woche in der Ukraine festgehaltenen Militärbeobachter zwingen Fragen auf, welche die moralische Prostitution unserer Politiker sichtbar macht. Lediglich bei den Antworten fällt noch eine gewisses Schamgefühl auf, das auch verständlich ist, wird doch die Schattenwirtschaft erst zum 1. September 2014 in das BIP eingerechnet.

Unbeachtet der zum 4. Quartal wirksamen „Bilanzierungsrichtlinien“ sorgt unsere Politik heute bereits dafür, dass das geschätzte „Wirtschaftswachstum“ von ca. 15% (so hoch wird die Schattenwirtschaft aktuell geschätzt) zum 1.9. um ein paar weitere Prozentpunkte steigt. Die Chancen stehen also gut, dass zum Jahresende unsere Verschuldungsquote wieder unter die Maastricht-Vorgaben von 60% fällt und wir damit die Schuldenbremse erfüllen!

Diese Rechnung könnte aber auch ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht sein. So stellt sich die Situation der „OSZE-Beobachter“ trotz der babylonischen Sprachverwirrung eines Herrn Steinmeiers eben nicht als diplomatische Beobachter dar, sondern als militärische Aktion eines – bis dato selbst unserer Laien Oberbefehlshaberin unbekannten – Zentrums für Verifikationsaufgaben.

Zu verifizieren gibt es wahrlich vieles in der Ukraine, so sind bis heute die Schüsse auf den Maidan ungeklärt. Wieso just diese abgesandten Offiziere dann mit Plänen militärischer Absperrung gefunden wurden, ist dann nur das Salz in der (ohnehin ungenießbaren) Suppe.

Auf Telepolis erschien heute der Beitrag „Das ist ein Verstoß gegen alle Standards„, der zum Nachdenken anregen sollte. Zeigt er doch auf, dass dieses Vorgehen bereits im Kosovo-Krieg Anwendung fand. Hier wurden die OSZE-Einsätze bereits 1999 für die Kriegsvorbereitungen genutzt:

Der Schweizer OSZE-Beobachter Pascal Neuffer erklärte dazu: „Wir waren uns von Anfang an darüber im Klaren, daß die Informationen, die im Laufe unserer Mission bei den OSZE-Einsätzen gesammelt wurden, die Satellitenbilder der NATO vervollständigen sollten. Wir hatten den sehr scharfen Eindruck, für die Nato zu spionieren.“

Und die britische Sunday Times berichtete ein Jahr nach Kriegsausbruch, wie die CIA bei der OSZE-Mission vor dem Krieg selbst einige Beobachter gestellt hatte, die in dieser Funktion Verbindung zu den kosovarischen Rebellen hergestellt hatten und ihnen als Militärberater und Ausbilder dienten – damals im Kampf gegen Serbien. Als die OSZE dann kurz vor Beginn der Bombardierungen abzog, seien viele ihrer Satellitentelefone und GPS-Systeme im Geheimen den Rebellen übergeben worden, damit diese in Verbindung mit der NATO bleiben konnten.

Leider zeigt uns die Geschichte auch deutlich, dass auf „bewährte“ Muster gerne zurückgegriffen wird. Ungeachtet der Tatsache, dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Es bleibt also abzuwarten, in wie weit unsere aktuellen Stammesführer auch hier dem Schnappfisch-Instinkt erliegen und einem unreflektierten Aktionismus verfallen. Der Verantwortung werden sie sich kaum stellen müssen, sind sie doch nur ihrem Gewissen unterworfen – und wo freilich nichts ist, kann auch nichts werden.

Es ist nicht gesagt, daß es besser wird, wenn es anders wird.
Wenn es aber besser werden soll, muß es anders werden.
(Georg Christoph Lichtenberg)

Nachtrag:
Es scheint fast so, dass ein ehemaliger Fernsehansager von einem Frühlingserwachen ergriffen wurde, und sich nun – trotz aktiver Rente – zu Wort und Schrift meldet. Man darf gespannt sein, welchen Einfluss auf die Medienberichterstattung dieser altgediente Moderator hat. Wenn es keine Einmalfliege, keine Alibiaktion eines beschmutzten Standes bleibt, so besteht Hoffnung. Vorschusslorbeeren zu verteilen, halte ich aber für verfrüht…

Wenn die Zweifel größer werden
0 Stimmen, 0.00 durchschnittliche Bewertung (0% Ergebnis)
Ro!and
Über Ro!and (382 Artikel)
<p>Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-)<br /> Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz „normal“.</p>
Kontakt: Webseite

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.