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Der alchemistische Traum wurde wahr

Schnappfisch-1769Hat sich die Alchemie noch bis ins 18. Jahrhundert in der Transmutation von unedlen Metallen in Gold oder Silber versucht, so hat es unsere moderne Gesellschaft dieses Ziel längst geschafft. Der Denkfehler unserer Vorfahren war lediglich der der Transmutation. Die wegweisende Lösung war dem Münchhausen-Prinzip vergleichbar, die Aus-sich-selbst-heraus-Herstellung.

So vereinte beide Ansätze das gemeinsame Ziel, Geld herzustellen und damit Macht zu erhalten. Solange im Mittelalter Gold für Geld stand – und das konnte es nur, solange Gold knapp war -, war das Ziel klar. Auch bei unserer aktuellen Geldvermehrung, die durch die Aufhebung der Goldbindung erst möglich wurde, besteht diese Bindung fort. Zwar nicht mehr die an Gold, sondern an Waren. Solange gefühlt ein Waren-Überfluss besteht, gibt es keinen Grund zur Sorge – erst mit dem Auftreten eines Mangels fliegt auch dieser Schwindel auf.

Der Schwindel im Mittelalter wäre spätestens dann aufgeflogen, wenn sich das Wissen der Transmutation verbreitet hätte und es zu einer Goldschwemme gekommen wäre. Heute wären wir zwar prinzipiell in der Lage, Quecksilber in Gold zu wandeln – jedoch mit dem ungesunden Beigeschmack, dass dieses Gold radioaktiv wäre. Jeder mit einem Geigerzähler könnte den Schwindel enttarnen.
Es wäre aber zu kurz gedacht, dass diese objektive Messung bereits das Ende des Schwindels einleiten würde, denn der Mensch hängt nun einmal länger an seiner Sammelleidenschaft als es seiner Gesundheit zuträglich wäre.

Auch unser aktuelles Geldsystem hat spätestens seit der 1973 erfolgten Aufhebung des Goldstandards den alchemistischen Weg beschritten. Der Schwindel fällt solange nicht auf, wie der Rausch des Konsums anhält. Der Konsumrausch erfordert aber immer mehr billige Waren, um uns die gefühlte Wertigkeit des Geldes vor Augen zu führen. Da Geld jedoch unmittelbar keine Waren erschaffen kann, muss es immer Menschen geben, welche diese Waren herstellen und durch ihren Verzicht auf Geld die Basis für die Geldvermehrung schaffen. Geld kann sich so quasi selbst erstellen.

Visionäre unserer Zeit haben aber längst die Lösung aus diesem Dilemma gefunden. Durch die aufkommenden 3D-Drucker werden wir in den nächsten Jahren alle selbst zu Produzenten bei gleichzeitigem Konsum – neudeutsch sind wir dann Prosumenten. Endlich können wir unsere Gegenstände selbst produzieren und die Überschüsse auch noch verkaufen. Der entscheidende Wareneinsatz ist dann nicht mehr der Rohstoff, sondern der Konstruktionsplan.

Der größte Verkaufsschlager dürfte dann nicht der bereits existierende Konstruktionsplan für eine Handfeuerwaffe sein, sondern der für die Konstruktion eines 3D-Druckers. Damit wäre Hr. Münchhausen endlich rehabilitiert und der Ecke des Lügenbarons entkommen, was einer Heiligsprechung gleichkommt. Doch bevor es dazu kommt, wird die Industrie sicherlich eine Möglichkeit finden, damit dieses Geschäftsmodell nicht zum Selbstläufer wird, denn auch das gleiche Prinzip wie beim Gold und Geld wirkt hier. Kommen alle Menschen in den Genuss, so fällt das Steuerungs- und Machtelement weg. Das Ding ist dann nur noch das Ding. Gold ist dann Gold, Geld ist Tauschmittel und der 3D-Drucker eben ein 3D-Drucker.

Vielleicht müssen wir gar nicht so weit gehen, um den alchemistischen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Schon zu Urzeiten tragen wir das Prinzip der Selbsterschaffung in uns. Mit Liebe und Wissen haben wir zwei Ressourcen, welche sich unendlich vermehren können, ohne dass unsere Umwelt einen Schaden davon nehmen würde. Fehlt es uns an Mut, diesen alchemistischen Traum wahr werden zu lassen oder ist dieser einfach nur zu naheliegend, dass wir ihn ausblenden? Fehlt es uns an der Messbarkeit, um eine pseudo-gerechte Verteilung in der Gesellschaft zu etablieren? Oder stört uns das Fehlen von Macht wenn wir unser Wissen teilen?

Wenn Du wissen willst, wer Dich beherrscht,
musst Du nur herausfinden,
wen Du nicht kritisieren darfst.
(Voltaire)

Der alchemistische Traum wurde wahr
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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8 Kommentare zu Der alchemistische Traum wurde wahr

  1. Ohne Lohntüte und nur ein Konto bei einer Bank ohne Bankgeheimnis, ist das so als wenn mein Portmonnaie bei der Bank irgend ein X-beliebigen Dritter hat, den ich nicht kenne und jeder Gangster sieht rein ob noch was zu holen ist.

    Wenn also der Portmonnaie-Besitzer sagt: spring, dann springst du und wenn er sagt: spring in den Rhein dann springst du in den Rhein.

    Wen wundert da noch eine Banken und Wirtschaftskriese ?

    Wer es nicht weis was eine Lohntüte ist.Eine Lohntüte ist ein Briefumschlag in dem eine Lohnabrechnung und der Monatlichen Nettolohn in Bar enthalten ist.Nettolohn deswegen,weil davon die Lohnsteuer und Sozialversicherung abgezogen wurde.Also ist es kein Schwarzgeld oder Geldwäsche.

    • Wenn es eines Tages kein Bargeld mehr gibt, ist die letzte Säule der Demokratie eingestürzt. Unter den Trümmern begraben liegt dann die Freiheit und Menschenwürde.

  2. „Der alchemistische Traum wurde wahr“ – besonders in der Kunst Menschendressur der SozialwissenschaftlerInnen.
    Wie mache ich aus den einst bewunderten und geachteten Germanen
    goldige metrosexuele Männinen.
    http://www.youtube.com/watch?v=SxmiYEHhEHs
    Gendermainstreaming in seinem Lauf halten erst Not und Elend auf!

    • “Der alchemistische Traum wurde wahr” – besonders in der Kunst Menschendressur der SozialwissenschaftlerInnen.

      Auch die Menschen-Lei(t/d)fähigkeit hat sicherlich ein gewisses Höchstmaß erreicht. Ob dies noch lange gehalten werden kann, mag ich zu bezweifeln.

  3. Wobei die Golddeckung auch nur ein Gedankengespinst, eine Vereinbarung von Wert ist, genauso wie das Papier selbst.

    Warum sollte zur Deckung von Geld entsprechendes Gold erst aus einem Loch in der Erde geholt werden, um es dann in ein anderes Loch im Keller = Tresor zu verstecken?

    Wie das zukünftig gehen könnte mit einer heiligen Ökonomie, das bespricht Charles Eistenstein in seinem Buch Ökonomie der Verbundenheit: Wie das Geld die Welt an den Abgrund führte – und sie dennoch jetzt retten kann.

    Ich werde noch eine Zusammenfassung schreiben, sobald ich es durch habe. Sehr empfehlenswerte seine Analyse des Geldes und was es mit uns macht.

    Viele Grüße
    Martin

    • Wobei die Golddeckung auch nur ein Gedankengespinst, eine Vereinbarung von Wert ist, genauso wie das Papier selbst.

      Solange diese Golddeckung unabhängig geprüft ist und auch hält, was sie verspricht, hat sie einen entscheidenden Vorteil: die Geldvermehrung wird gebremst und auf ein natürliches Maß gehalten. Dann ist es auch egal, wo das eigentliche Gold liegt.
      Die lineare Geldvermehrung ist auch ein zentrales Kriterium z.B. von Bitcoins. Steigt die Rechenleistung für das Mining, so wird das zu suchende Rätsel komplexer. Was bleibt ist dann der lineare Wachstum der Bitcoinmenge.

      Ich bin sehr gespannt auf Deine Zusammenfassung zum Buch von Hr. Eisenstein!

  4. „Wobei die Golddeckung auch nur ein Gedankengespinst, eine Vereinbarung von Wert ist, genauso wie das Papier selbst.“

    Das ist falsch. Der Wert entsteht durch die Arbeit, die die Gewinnung darstellt, diese deckt den Wert. Man könnte theoretisch auch Edelsteine oder andere seltene Waren nehmen. Jedoch haben Metalle praktische Eigenschaften, die sie prädestinierten: Erkennbarkeit durch jederman duch Homogenität, beliebige Teilbarkeit, Haltbarkeit. Zeitweise waren auch Nutzmetalle wie Kupfer- oder Zinbarren (z.B.) Geld.
    Theoretisch (und praktisch, wie im 3. Reich) war die Industrieleistung die Deckung des Geldes. Dazu muß jedoch die Einflußnahme durch „Heuschrecken“ ausgeschaltet werden, die Politik also tatsächlich souverän sein.
    Hat sich schon mal jemand gefragt, warum es in Demokrattien der Politik nicht verboten ist, Staatsschulden zu machen? Ist das nicht verbrecherisch pes se? Nun, in „dümmeren“ Zeiten wußte man dies noch. Und ein polnischer Monarchist fordert genau dies: Verschuldungsverbot in der Verfassung!
    (www.ef-magazin.de/2014/05/27/5379-janusz-korwin-mikke-im-eu-parlament-hurra-nigel-farage-hat-einen-polnischen-bruder,
    http://www.ef-magazin.de/2014/05/27/5380-janusz-korwin-mikke-mut-zur-provokation)

    „Warum sollte zur Deckung von Geld entsprechendes Gold erst aus einem Loch in der Erde geholt werden, um es dann in ein anderes Loch im Keller = Tresor zu verstecken?“
    Naja, dieses Bild kommt wohl von Dagobert Duck Lektüre?
    Tatschälich haben die Leute früher ihr Gold nicht lange im „Tresor“ gebunkert, sondern es durchaus ausgegeben …

    • Das sehe ich genau so, der Wert entsteht durch die vielfältige Art und Weise von Arbeit. Ein Kriterium von Geld muss die Stabilität der darin verbrieften und bereits geleisteten Arbeit sein. So wie Geld derzeit genutzt wird, wird Arbeit immer wertloser. Dabei spielt Geld bei der Erodierung von Arbeit nur eine (unscheinbare, da nicht direkt sichtbare) Rolle. Viel schlimmer sind die Arbeitsverhältnisse, die Anerkennung an der Leistung und vieles Mehr!

      Es stellt sich in der Tat die Frage, ob wir durch eine Wahl gleichzeitig den Persilschein ausstellen, dass die Volksvertreter nach Lust und Laune nahezu beliebig Staatschulden (welche dann die zukünftigen Generationen zahlen dürfen) machen dürfen. Ich habe noch keinen Staat gefunden, der seine Schulden jemals beglichen hätte.

      Seltsamerweise gibt es einen Zusammenhang zwischen Vollzeit-Volksvertreter (die Abhängig von ihrer „gewählten“ Position sind) und der wachsenden Staatsverschuldung. Andererseits kann man mittlerweile nicht mehr von einer Abhängigkeit der Politiker sprechen, welche über Parteilisten abgesichert sind, andererseits auch nicht mehr von einer Staatsverschuldung, wenn diese ein Mehrfaches des BIP beträgt – hier wäre der Begriff Staatsbankrott treffender.

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