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Grundlagen für einen Systemwechsel

Schnappfisch-3698Es wurde bereits viel geschrieben über das aktuelle (Welt-)Wirtschaftssystem, über den Zinseszinseffekt und der damit verbundenen Umverteilung der Finanzmittel von Arm nach Reich. Die Probleme, die unser Geldsystem derzeit offenbart, können auch als bekannt vorausgesetzt werden. Geld erschafft Geld, Geld lässt Geld arbeiten, zu viel Geld steht zu wenig realen Güter gegenüber, zu viel Geld ist billigst zu bekommen, zu wenig innerer Wert hat das Geld überhaupt noch und das letzte Vertrauen schwindet zunehmend…

Was aber ermöglicht es, weg zu kommen von dem Irrsinn? Ist es das, was die Troika stets empfiehlt – also Sparzwang und gleichzeitige Privatisierung? Griechenland wurde diesem Diktat unterworfen und heute lässt sich bereits erahnen, dass diese beiden Elemente nicht zu einer Erholung der Wirtschaft beitragen. Eine Privatisierung kann zwar kurzfristige Effekte liefern, langfristig in diesem Umfeld jedoch nicht. Korruption ist genauso in der Privatwirtschaft möglich – nur unter einem anderen Namen.

Es ist auch nicht der Sparzwang, der durch das Anhäufen von Geld, welches nicht reinvestiert wird und damit dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, das System zum umkippen bewegt. Viel zu viel Geld ist bereits in diesem Kreislauf enthalten, so dass diese Reduzierung kaum eine Auswirkung hat. Zur Not druckt die Bundesbank einfach neues Geld. Auch der Konsumverzicht, als die andere Medaillenseite des Sparens, liefert kaum eine entscheidende Besserung. Um einen Systemwechsel herbei zu führen, müssten schon alle Menschen auf einen Schlag diesen Verzicht ausüben und vor allem auch aufrecht erhalten und nicht am nächsten Tag ihren Heißhunger um so stärker befriedigen. Durch die Globalisierung würde ein Konsumverzicht nur lokale Auswirkungen haben – ein Systemwechsel aber kaum in die Wege leiten.

Kommen wir nun zum zentralen Punkt, zur Arbeitskraft. Alle Waren und Dienstleistungen entstehen erst durch diese Arbeitskraft. Solange Maschinen nicht vollständig diese Arbeitskraft kompensieren, ist dies ein Mittel, um einen Systemwechsel einzuleiten. Durch den Verzicht – oder noch besser, durch die Verlagerung – von Arbeitskraft fehlt es dem System an Wirtschaftsleistung, es trocknet aus.

Vielleicht liegt darin auch der entscheidende Grund unserer Politiker, sich gegen ein Grundeinkommen, Bürgereinkommen oder Bedarfseinkommen zu entscheiden. Ermöglicht dieses doch die Unabhängigkeit von der bisher ausgeübten Tätigkeit und sichert bei Arbeitsverzicht dennoch ein Existenzauskommen. Die Machtverhältnisse wären damit gerechter verteilt.

Bei der Verlagerung der Arbeit, weg von dem festen Raster der Berufstätigkeit und dem festen Job, hin zu einer freien Arbeit im Umfeld der Gemeinschaft, habe ich bisher gute Erfahrungen machen können. Gleichwohl ist es schwer, die Bevölkerung zum Mitmachen zu aktivieren. Woran das liegt, kann ich heute noch nicht fassen. Es scheint mir eine Kombination aus Stress/Hektik im Alltag zu sein und der Orientierungslosigkeit unserer momentanen Zeit. Nicht zu vergessen die vorhandene (oder gefühlte) Lohnabhängigkeit des Einzelnen.

Wenn wir also bewusst einen Systemwechsel wollen, so müssen wir zur Basis des Systems vordringen. Diese Basis bilden die Konsumgüter, die durch unsere Arbeitskraft hergestellt werden. Durch die Globalisierung ist es jedoch weit schwerer, einen schnellen Umbruch zu erzeugen. Vielmehr sind es kleine, leise Schritte des Wandels. Steter Tropfen höhlt auch hier den Stein. Je mehr dieser Tropfen es sind, desto schneller weicht der Stein und macht damit den Weg frei…

Der eine wartet, daß die Zeit sich wandelt,
der andere packt sie kräftig an und handelt.
(Dante)

Über Ro!and (405 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, freigeistig und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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14 Kommentare zu Grundlagen für einen Systemwechsel

  1. Hartmut Lau // 8. Mai 2014 um 13:59 //

    Die erste Grundlage fuer einen Systemwechsel im Zinseszins Schuldgeld ist die persoenliche eigene mathematische Erkenntnis, dass eine praktische Manipulation in der Zinseszins Formel in der Praxis absolut zum Zusammenbruch fuehren muss, denn sowohl 0,001 % Zins oder 100 % Zins pro Jahr sind im Endergebnis immer mit dem Zusammenbruch verbunden, nur die Zeitschiene bis zum Zusammenbruch ist eine
    andere.

    Mit der Excell Tabellenkalkulation kann jeder diesen Sachverhalt selber erarbeiten. Auf der Y Achse die %te und auf der X Achse die Jahre.

    Legt man ein lineares Wirtschaftswachstum darueber, so erkennt man das ab der Schnittstelle die Zinslast von der Volkswirtschaft nicht mehr aufgebracht werden kann. Krieg war dessen Folge!

    Weiter muessen wir zur Kenntnis nehmen, dass Zinsen leistungsloses Einkommen, zum besseren Verstaendnis den Tatbestand des Raubes erfuellt.

    In der Konsequenz muessen wir uns den mathematischen Gesetzmaessigkeiten unterwerfen, dass heisst den Zins verbieten.

    Der Ersatz ist im Freigeld zu suchen!

    Alles andere ist fruchtloses Geschwaetz, denn unsere noch nicht geborenen Enkel, werden die naechste Finanzkriese ausbaden muessen, wollen wir das ????

    • Das exponentielle Wachstum beim Zinseszins ist ein Übel, denn dadurch erschafft Geld gleichsam Geld. Diesem Geld steht aber nicht entgegen, keine Waren, keine Dienstleistungen. Daher folgt bei einem üblichen Zinssatz im Mittel von 3-5%, dass binnen einem Menschenleben es zu einem Geld-Kollaps kommt. Bei den angegebenen 0,001% Zins wäre dies erst im Endstadium sichtbar, aber nicht über eine Menschenleben.

      Das der Zins als solcher das Problem ist, teile ich nicht. Ich finde es durchaus lohnenswert, wenn jemand, der im Besitz von Geld ist und Konsumverzicht übt, für das Verleihen seines Geldes einen Gegenwert bekommt. Ebenso für das Risiko, der verspäteten Rückzahlung oder gar des Ausfalls. Dieser „Verzicht“ bzw. die Geldinvestition muss aber nicht zwingend in Form von Geld vergütet werden, sondern kann auch eine Beteiligung an dem Gut sein…

  2. Irgendwann, in absehbarer Zeit, wird es einen großen Knall geben und das gesamte Weltwirtschaftssystem wird zusammenbrechen wie ein Kartenhaus…

  3. „Wenn wir also bewusst einen Systemwechsel wollen, so müssen wir zur Basis des Systems vordringen. Diese Basis bilden die Konsumgüter, die durch unsere Arbeitskraft hergestellt werden. […] Steter Tropfen höhlt auch hier den Stein. Je mehr dieser Tropfen es sind, desto schneller weicht der Stein und macht damit den Weg frei…“

    Die Basis des Systems ist m. M. n. unsere Haltung, die jeder von uns ganz individuell hat und auch auslebt. Ich kann meine Haltung verändern. Die Haltung der anderen kann ich nicht steuern. Ich kann als Vorbild agieren und meine Haltung aufrecht vorleben. Vielleicht übernehmen andere dann etwas von meiner Haltung. Vielleicht aber auch nicht. Alle darüber hinaus gehenden Versuche, die Haltungen anderer zu verändern, bergen den Keim der Machtausübung und Nicht-Akzeptanz der anderen in sich und führen langfristig zu Diktator und Totalitarismus.

    Ob die Selbstentwicklung derer, die dies als die beste Lösung erkannt haben, ausreicht, um die Menschheit wieder in etwas angenehmere Lebensbahnen zu führen? Weiß ich nicht. Und wenn nicht, dann hat es eben nicht sollen sein. Klar, diese Haltung hat was Passives. Aber eine aktivere Haltung ist meines Erachtens eben auch kein Weg, weil sie die Autonomie der anderen verletzt.

    • Unsere Haltung ist geprägt von unseren Erfahrungen. Nicht zu verachten sind auch die Phantombilder, die uns die Medien vermitteln: daher kommt es zum Teil erst zu Verzerrungen (z.B. einem Schönheitsideal).

      Ist die persönliche Haltung bewusst und selbstgesteuert, so bedarf es hier keiner weiteren Diskussion – solange die Selbstreflexion stets einen Blick auf die aktuellen Geschehnisse hat. Kommt diese „Haltung“ jedoch von außen (man tue dieses und jenes…), dann ist dies bereits der Keim zur Diktatur. Hier wird ein Beitrag wie dieser aber nur wenig beitragen können, jahrzehntelange Manipulation aufzubrechen. Daher der stete Tropfen…

  4. Frau Gronemeyer hat einen denkwürdigen Artikel geschrieben, der unsere Lohnarbeit im Zusammenspiel mit Konsum gut beleuchtet, und wie wir Menschen zunehmend in der Spezialisierung verdummen:

    Wie viel Arbeit braucht der Mensch

    Wo ist der Mittelweg zwischen dem Sich-um-Alles-selbst-kümmern und der Spezialisierung und dem damit berbundenen Leistung-tauschen-müssen?

    • Danke Martin für den Hinweis zum Artikel von Frau Gronemeyer.
      Der Artikel zeigt sehr anschaulich auf, wie weit unser Denken bereits in den Begriffen von Arbeit und Geld durchzogen ist, ohne uns die Frage nach dem Sinn zu stellen.

    • Gronemeyer: „Interessanterweise werden die Arbeiten, die als sinnstiftend und befriedigend eingeschätzt werden, in unserer Gesellschaft ja entschieden besser entlohnt, als die niederen Arbeiten, die keiner machen will, während es doch gerade umgekehrt sein müsste.“

      Das sehe ich anders. Die Höhe der Entlohnung bestimmt sich aus der Nähe zu den Mächtigen. Jobs für die Massen werden schlecht bezahlt, egal wie sinnerfüllend sie sind. Da wo Macht ist und Geld, da wird gut entlohnt. Beispielsweise in Banken. Beispielsweise in Großkonzernen und marktbeherrschenden Unternehmen.

      • Das sehe ich ganz ähnlich. Interessant dabei ist, dass die Begründung für die höhere Entlohnung oftmals die höhere Qualifikation ist. Schaut man sich jedoch einzelne Berufe an, so haben sich die Tätigkeiten nur geringfügig verändert, die Eingangsqualifikation hat sich jedoch von Hauptschulabschluss hin zum Abitur verändert.
        Es stimmt so einiges nicht mit unserem Verhältnis von Arbeit und Entlohnung.

  5. Norbert G. // 12. Mai 2014 um 23:43 //

    Ich habe diesen Satz von Frau Gronemeyer gelesen:
    „Man musste so lange ‚arbeiten’ bis man satt zu essen hatte. Es wäre vollkommen sinnlos, ja sogar in höchstem Maße existenzgefährdend gewesen, wenn man versucht hätte, ein Mehr zu erwirtschaften durch mehr Arbeit; denn ihr Dasein konnten unsere frühen Vorfahren nur sichern, wenn sie sich ihre Beweglichkeit erhielten, unbehindert von einem Ort zum andern ziehen konnten, um das Lebensnotwendige zu finden. Weder Besitz noch Vorsorge waren dem Selbsterhalt zuträglich. Tragbarkeit, portability, nicht Besitz und Vorrat, war darum der höchste Wert. Jeder Besitz war beschwerlich.“
    … und wußte, daß ich mir den Rest sparen kann!
    Denn der Satz ist grober Unfug und zeigt, daß die meisten Sozialwissenschaftler in einem geistigen Wolkenkuckuckheim leben und von der Welt der Arbeit wenig Ahnung haben. Obiges Postulat dürfte aus soziologischer Rabulistik konstruiert sein und hat nichtmal mit der Realität eines Nomadenlebens viel zu tun. Denn auch ein Nomadenstamm brauchte eine Anhäufung materieller Güter, und sei es allein beim König, um seine Macht zu festigen. Selbst die aufmerksame Betrachtung eines Filmes wie „Der mit dem Wolf tanzt“ (denn historische alte Romane hat die Dame wohl kaum gelesen) gibt einen Hinweis, wie sehr die indianischen Nonaden nach Besitz gierten. Und vom Arbeitsaufkommen der Naturvölker scheint die Dame – sowie die meiten Intellelen seit Rousseau – auch wenig zu wissen; der Tag der Nomaden war recht arbeitsreich.
    (Scheinbar halten viele das Tierehüten (z.B.) für eine philosophische Tätigkeit und nicht für Arbeit …)
    Die Dame hat vermutlich zeitlebens von geraubter Staatsknete gelebt und lediglich Elaborate von ähnlich „produktiven“ Staatsknete“wissenschaftlern“ gelesen.

    Akif Princci hat recht: wir sind eine total grünlinks versiffte Gesellschaft. Und diese basiert auf Sklavenseelen, arbeitsamen und genügsamen Untertanen, Menschen, die sich gerne berauben lassen.
    Ohne eine neue Kultur der Ehrsamkeit und des Stolzes – und des daraus folgendes Geizes gegenüber dem räuberischen Staat – sehe ich keine Basis für einen Systemwechsel.

    • Es ist gewiss eine Idealisierung der Vergangenheit, dass Besitz und Vorsorge nicht dem Selbsterhalt zuträglich waren. So gab es gewiss in der Steinzeit Stämme, die durchaus den Besitz eine geeigneten Höhle zu verteidigen wussten.
      Die späteren Thesen von Frau Gronemeyer sind zwar auch spekulativ, zeigen aber die Bindung von Arbeit und Geld sehr gut auf und helfen, eine andere Sichtweise zu bekommen.

    • Wow, die Thesen der G. haben Dich ja richtig in Rage gebracht.

      Ich finde das Thema interessant und dachte bisher auch immer, dass es für Nomaden wichtig ist, nur das Nötigsten mit sich rum zu schleppen.

      Hast Du für Deine gegenteilige These noch andere Quellen als Hollywood-Filme? Ich meine so Quellen wie Studien, für die Menschen richtig lange geforscht und gearbeitet haben, egal von welcher Knete sie in der Zeit auch immer gelebt haben?

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