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Gesellschaftsmuster, die wir in uns tragen

Schnappfisch-3707In dem Beitrag über unser Jäger-und-Sammler-Instinkt habe ich bereits einige neuzeitliche Verhaltensweisen hinterfragt. Es stellt sich die Frage, warum sich ein solches Verhaltensmuster, wie das des Jägers, über eine so lange Zeit aufrechterhalten hat und wie unsere vergangenen Kulturen gesellschaftlich damit klar gekommen sind.

Ich bin nun bei Leibe kein Ethnologe, was mich nicht von kritischen Fragen und Überlegungen abhält.

In der Steinzeit ist das Muster des Jägers und der Sammlerin noch am deutlichsten. Die Männer gingen auf die – oftmals tagelang andauernden – Jagd, die Frauen sammelten essbares der Pflanzenwelt. Dabei ist es fraglich, ob die tierische Beute für den Fortbestand der Sippe ausgereicht hätte. Wären Männer jedoch nicht mit dem Jagen beschäftigt gewesen, so wäre es auch fraglich gewesen, ob selbige nicht die Frauen von dem Sammeln mehr abgehalten hätten und damit die Überlebenschancen insgesamt gemindert hätten.

Aus dieser Betrachtung, die rein spekulativ ist, da uns keine Aufzeichnungen aus dieser Zeit vorliegen, könnte man folgern, dass es für das Überleben der Sippe von Vorteil war, wenn die Männer einer Beschäftigung nachgehen, die zwar primär keinen Nutzen bringt, jedoch die Fertigkeiten, welche in Krisenzeiten notwendig sind, kultiviert.

Krieg ist so eine Krisenzeit, welche die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Jägers erfordern. Schaut man sich die Ausgangslage eines Kriegsausbruchs an (z.B. die des ersten Weltkriegs, durch das Attentat in Sarajevo), so kann man diese im Nachhinein nur als lächerlich bezeichnen. Es sind vielmehr die indirekten Gründe, dem der Krieg seine – wenn auch zweifelhafte – Berechtigung gibt. Seien es nun wirtschaftliche oder politische Gründe. So erscheint es einfacher, seine Misswirtschaft und ausufernde Staatsverschuldung mittels Krieg zu beheben statt durch ein Insolvenzverfahren.

Da Kriege sicherlich auch in der Steinzeit ein notwendiges Übel waren, gegen das man sich schützen musste, halte ich es für eine logische Konsequenz, dass sich die Männer in der Übung ihrer Fähigkeiten auf die Jagd begaben und die Frauen das Überleben der Gesellschaft in Friedenszeiten sicherten.

Durch die Entdeckung der Atomspaltung und ihrer Anwendung im militärischen Umfeld ist die fortwährende Kultivierung des Jägers eigentlich nutzlos. Eigentlich daher, da diese ultimative Waffe zu groß ist, um fassbar zu sein. Sie sprengt die Vorstellungskraft und damit die Begrifflichkeit. Groß, größer, am größten kann die Atombombe nicht fassen. Über den Tod hinaus gibt es keine Steigerung – die Atombombe schafft aber diesen Zustand, da sie nicht nur einen Feind in den Tod schickt, sondern es vermag, der gesamten Menschheit dieses Schicksal zu bescheren. So ermöglicht es dieses Werkzeug erstmals, den Zustand ‚tod‘ zu töter bis hinauf zu am tötesten zu steigern, da es über den Tod des Einzelnen hinaus wirkt.

Durch die Unvorstellbarkeit der Bombe bleibt die Notwendigkeit der gemäßigten Mittel und damit der Kultivierung des Jägers. Daher wundert es nicht, dass die Angebotsvielfalt auch ohne Tierjagd in unserer modernen Zeit vielfältiger sind denn je, ob nun in Form der allgegenwärtigen Brot-und-Spiele, dem zelebrierten Konsumrausch oder dem nicht enden wollenden Kriegen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Nach einer Betrachtung wie dieser, stellt sich die Frage nach den Alternativen. Was können wir anders machen?

Wir könnten das besagte Kampfmittel dazwischen entwickeln – vielleicht haben wir es ja mit den Drohnen bereits? Um dieses Kampfmittel dazwischen zu steuern, braucht es nicht mehr den gut trainierten Jäger, es reicht die kühle Präzision. Die Geschlechterrollen verschwimmen, auch ohne Genderdiskussion.

Was würden wir damit aber gewinnen? Wir hätten damit nur ein weiteres Wirkmittel um unsere Symptome effektiver zu kaschieren. Die Ursache aber beseitigen wir damit nicht.

Wenn die Ursachen, wie zuvor angerissen, im wirtschaftlichen- und politischen Kurs zu suchen sind, dann sollte unser Augenmerk darauf gerichtet werden. Es sind dann andere Fragen von Relevanz, z.B. Fragen der Staatsverschuldung und ob diese in einer Demokratie überhaupt statthaft sind – führen sie doch in letzter Konsequenz zu Krieg.

Verbringe nicht die Zeit mit der Suche nach Hindernissen:
Vielleicht ist keines da.
(Kafka)

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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