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Ziele und Zielerreichung

Schnappfisch-3707Sich Ziele zu setzen ist wichtig, um voran zu kommen. Ziele sorgen dafür, dass man auf dem Weg bleibt und nicht von diesem abkommt. So könnte man die Notwendigkeit von Zielen kurz umreißen. Ich möchte dieser Sichtweise auch nicht widersprechen, jedoch kommen mir bei persönlich gesetzten Zielen mittlerweile einige Zweifel an deren Nützlichkeit auf.

Es soll hier also nicht um die Ziele, welche von außen vorgegeben werden, und meistens mit einem Geldbetrag bei Zielerreichung verknüpft werden, gehen. Bei dieser Art von Zielen kann man gerne den gesetzten Zielen folgen, ohne sich über diese Gedanken zu machen. Ersetzt doch die Entlohnung (überspitzt formuliert) die Notwendigkeit der Reflexion, zumal man davon ausgehen kann, dass das nächste Ziel bereits als Arbeitsauftrag auf dem Schreibtisch liegt. Zeit sich mit dem erreichten Ziel auseinander zu setzen bleibt da kaum.

Nach dieser Abgrenzung kommen wir nun zur aufgeworfenen Fragestellung, wie nützlich die Zielsetzung bei persönlichen Zielen ist. Zielen also, welche nicht von außen vorangetrieben werden, sondern welche durch uns selbst entstehen. Dazu zwei Beispiele, welche mich zum Nachdenken gebracht haben. Das erste ist bereits 17 Jahre her und dennoch präsent. Der Ursprung liegt sogar mehr als 30 Jahre zurück.

Es war eine zweiwöchige Schnupperlehre, welche in der 8. Klasse der Hautschule ein Pflichtprogramm war. Ich habe in dem Beitrag zum Wert der Arbeit darüber kurz berichtet. Nach diesem Praktikum war für mich klar, dass diese Tätigkeit nicht mein nachfolgendes Leben ausfüllen wird. Der Wunsch nach einem Studium war geboren, ohne zu wissen, was mich danach erwarten würde. Es gab auch nicht viel Möglichkeiten zum inhaltlichen Austausch, was ein Studium der Informatik denn für konkrete Möglichkeiten bietet – genauer gesagt beschränkte sich die Informationsquelle auf ein paar bedruckte Seiten Papier – und so blieb es bei der Theorie. Was jedoch klar war, waren die Voraussetzungen für ein Studium. Hier reichte der Hauptschulabschluss nicht aus. So erreichte ich die Mittlere Reife mittels Wirtschaftsschule und dann die Zugangsvoraussetzungen durch den Abschluss am Wirtschaftsgymnasium. Es folgte dann das Informatikstudium an der Uni-Karlsruhe. Bereits kurz vor der Zielerreichung, dem Diplomzeugnis, spürte ich eine Leere in mir. Ich habe mir nie konkrete Gedanken gemacht, was nach dem Studium kommt.

Ich möchte gar nicht bewerten, ob es nun gut oder schlecht war, sich dieses Ziel zu setzen. Letztendlich hat es mich über die Jahre motiviert, an meinem Wunsch fest zu halten und mich vorangetrieben. Ich bin dankbar über die breite Sichtweise, die mir damit zuteilwurde, kenne aber auch den Preis dafür.

Das zweite Beispiel ist direkt mit diesem Blog, dem Schnappfischkapitalismus, verbunden. War das Ziel anfangs doch völlig offen, so kam durch ein Anruf und dem nachfolgenden Gespräch, plötzlich ein Ziel auf. Dieses Ziel war eng mit der Reichweite des Blogs verknüpft. Ich machte fortan dieses Ziel zu meinem Ziel und schaute auf die Statistik und erfreute mich über die zunehmende Leserschaft meiner Beiträge. Als das Ziel der eine Million Seitenaufrufe erreicht war, und das Ziel somit erfüllt, kam wieder diese Leere.

Es ist fast so, als wenn nach dem Ziel eine Fallgrube kommt. Solange wir von weitem auf dieses (persönliche) Ziel schauen, sehen wir nur das Ziel und nicht was danach kommt. Als ob das Dahinter im Nebel liegt. Erreichen wir das Ziel, so können wir uns daran zwar erfreuen, diese Freude hält aber nur kurz an, da die Fallgrube uns sogleich den Boden unter den Füßen weg zieht.

Die Tage habe ich von einer ähnlichen Erfahrung gelesen. In seinem Buch „Aufstand des Individuums“ schilderte Reinhard Sprenger wie er über Jahre hinweg mehrmals wöchentlich zum Laufen geht. Ohne äußeren Antrieb, nur für sich. Eines Tages kommt in ihm der Wunsch auf, an einem Marathon teil zu nehmen und er verwirklicht diesen Wunsch. Nach dem erreichten Ziel ist es plötzlich vorbei mit dem nahezu täglichen Laufen. Erst drei Monate später fängt er wieder an.

Sich persönliche Ziele zu setzen, das sei nochmals gesagt, ist nicht falsch. Es birgt jedoch die Gefahr, dass nach der Zielerreichung ein (tiefes) Loch kommt. Die Luft förmlich draußen ist. Diese Zeit zu nutzen, sich Gedanken über das Ziel und die daraus ergebenden Möglichkeiten zu machen, scheint gewollt. Es ist nur die Frage, ob wir dieses Angebot annehmen und darüber nachdenken, was uns dieses Ziel nun gebracht hat oder ob wir schnell zum Tagesgeschehen zurück kehren und das nächste Ziel in Angriff nehmen…

 

Solange man selbst redet, erfährt man nichts.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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