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Bewusstsein – eine Bestandsaufnahme

AdlerDie aktuellen Ereignisse in der Ukraine sind schwer fassbar. Es kommt aber auf den Blickwinkel an, um die Gesamtsituation zu fassen. Erst dann bildet sich allmählich ein Bewusstsein für die Situation. Um das allgemeine Prinzip herauszuarbeiten fasse ich mich etwas allgemeiner.

Stellen Sie sich vor, sie stehen vor einer riesigen Wand. Links von ihnen sehen Sie einen Teil der Wand, rechts ebenso, wie auch über ihnen. Da sie so nah an der Wand stehen, können Sie die Details sehr klar erkennen, sehen die Struktur der Wand, aus welchem Material die Wand besteht und können sogar einzelne Löcher erkennen, um hinter die Wand zu sehen. Was aber fehlt, ist die Gesamtsicht auf die Wand, die Totale.

Wenn Sie sich auf ein Detail direkt vor Ihnen konzentrieren, bleiben die Ereignisse daneben unbeachtet. So erscheint ein Ereignis, welches von der Seite kommt, zufällig. Kommen mehrere Ereignisse in einer kurzen Folge, so scheinen diese Ereignisse in einem zeitlichen Zusammenhang zu stehen. Sie scheinen geplant, der Verstand sucht sofort nach einem (Erklärungs-)Muster.

Jedes Detail, welches Sie betrachten, bewerten Sie unmittelbar. Ist an einer Stelle der Wand der Mörtel bröselig, so treffen Sie vielleicht die Annahme, dass hier bald ein Loch entstehen könnte. Stets vergleicht Ihr Verstand die wahrgenommenen Details mit Ihrer Erfahrung und bewertet diese mittels seinem Erfahrungs-Katalog.

Einzelne Ereignisse werden in einem zeitlichen und räumlichen Zusammenhang gesehen. Ihr Verstand versucht ein gelerntes Muster zu erkennen, einen Grund für diese Abfolge der Ereignisse.

Solange Sie an dieser einen Stelle verharren, wird ihr Verständnis für die Gesamtsituation aber nur sehr begrenzt wachsen. Erst wenn Sie sich bewegen entsteht ein vollständigeres Bild. Lebendig wird die Wand erst, wenn Sie sich bewegen, denn Bewegung ist Leben!

Die Zufälligkeit verliert aber erst dann ihre Wirkung, wenn Sie sich von der Wand weg bewegen, ihr Sichtfeld vergrößern. Sie verlieren dann zwar die Details, können dann nicht mehr die Löcher in der Wand erkennen und einen Blick hinter die Wand werfen, jedoch gewinnen Sie in gleichem Maße an Übersicht.

Die Ereignisse, denen Sie zuvor noch zeitliche und räumliche Zusammenhänge zugeschrieben haben, verlieren diesen Zusammenhang. Wenn z.B. zwei Eidechsen aus unterschiedlicher Richtung sich aufeinander zu bewegen und sich plötzlich treffen, so mag dieses Ereignis für die beiden Eidechsen zufällig sein, für Sie als Betrachter des größeren Blickfelds ist das Aufeinandertreffen jedoch kein Zufall, sondern Ergebnis der beiden Bewegungen.

Je weiter wir zurück treten, desto klarer wird das Gesamtbild – in unserem Fall die Mauer. Irgendwann sehen wir die Mauer vollständig und wir werden ihrer vollständig Bewusst. Ob wir die Mauer dann als unser Denkgefängnis interpretieren – ist dann eine mögliche Interpretation unserer Wahrnehmung.

Um dieses Bewusstsein zu erlangen müssen wir uns bewegen. Bleiben wir nur vor der Mauer stehen, so wird sich der Zusammenhang einzelner Ereignisse uns nicht erschließen. Erst wenn wir den Standort wechseln wird unser Bewusstsein wachsen. In dem Augenblick, wo wir den Blick auf das Gesamtbild werfen können, löst sich der Dualismus auf und damit unsere Einteilung in gut und böse, links und rechts, schwarz und weiß…

Es gibt aber auch eine Hürde, die wir überwinden müssen, um zu diesem Bewusstsein zu kommen. Diese Hürde kreiert unser Verstand. Emsig bemüht sich unser Verstand, dass wir im Detail hängen bleiben und nicht das gesamte Bild sehen (können). Seine Argumente klingen vernünftig, z.B. das es nur direkt an der Wand für uns Sicherheit und Schutz gibt, das Umherlaufen nur Anstrengung bringt…
Es ist die Überwindung des Verstands und der Mut los zu lassen – los zu ziehen -, der uns dem Bewusstsein näher bringt.

Es gibt keinen Denker, wenn Sie nicht denken.
Das Denken hat den Denker geschaffen.
Das ist das erste, was man verstehen muß.
(Jiddu Krishnamurti)

P.S.: der Beitrag ist eine erste Bestandsaufnahme, was Bewusstsein sein könnte. Sicherlich mehr aus Sicht des Verstandes. Eine weitere Sichtweise hat muktananda13 in einem Gastbeitrag hier gezeichnet.

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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3 Kommentare zu Bewusstsein – eine Bestandsaufnahme

  1. muktananda13 // 24. Juli 2014 um 19:19 //

    Der Verstand sollte verstehen, dass er nicht das Absolute zu verstehen kann , da Es nicht verständlich ist.

    Die Illusion, maya, ist eine Malerei des Verstandes. Hört dieser zu malen an, hört auch die Malerei auf .

    Wo kein Subjekt, auch kein Objekt.
    Der Verstand teilt das Unteilbare- darum Illusion und Unverständnis.

    • Der Verstand sollte verstehen, dass er nicht das Absolute zu verstehen kann , da Es nicht verständlich ist.

      Es ist die Freude des Entdeckens, welches den Verstand zu diesem absoluten Bewusstsein führt.

  2. muktananda13 // 26. Juli 2014 um 8:25 //

    Gewiss doch, es ist die ZÜNDUNG ZUR ERLEUCHTUNG.

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