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Der fortwährende Sündenfall

Natur_landschaft2Die christliche Theologie bezeichnet den Verzehr der verbotenen Frucht des Baums der Erkenntnis als den Sündenfall der Menschheit. Mit der Erkenntnis versehen, kann der Mensch fortan zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch, unterscheiden. Wie gut wir diese Unterscheidung konditioniert haben, ist uns kaum mehr bewusst. Der Katalog unseres Verstandes vergleicht routiniert jedes erkennbare Ereignis und ruft die für ihn passenden Erfahrungen ab. Die Kategorisierung in Gut und Böse nimmt ihren Raum ein. Gleichzeitig schwindet die Möglichkeit für eine unbelastete und offene Begegnung.

Im Bauch der Mutter scheint die Welt noch in Ordnung. Sind wir emotional mit allen Sinnen bei uns und unser Verstand noch wertfrei, so ändert sich unsere Weltsicht am Tag der Geburt fundamental. Konfrontiert mit unserer fortwährenden Sterblichkeit geht unser Bewusstsein fortwährend auf eine getrennte Reise. Im Gepäck stets die Ur-Angst des eigenen Todes.

Sind wir in den ersten Monaten auf unserer Reise noch emotional stark mit der Mutter verbunden, so bekommt unser Verstand spätestens mit dem Schulstart eine herausragende Rolle zugesprochen. Fortan verkümmert unsere emotionale Seite in gleichem Maße, wie unsere kognitive Seite wächst. Schleichend bauen wir an unserem Gedanken-Gefängnis, dass uns fortan beherrscht. Jede äußere Wahrnehmung fügen wir in unser Schema, in unseren Katalog ein. Es entsteht ein Abbild einer Schein-Realität, die individuell verzerrt ist. Was uns fehlt, ist das Verbindende – die emotionale Seite. So erlebt jeder Mensch aufs Neue den eigenen Sündenfall, bis zu dem Zeitpunkt des Bewusstwerdens.

Die Grenzen unseres Gedanken-Gefängnisses werden in der Zeit einer aufkommenden Krise sichtbar. Alle rationalen Lösungsversuche scheitern dabei zwangsweise oder verfangen sich in Zirkelschlüssen. Bei der drohenden, globalen Weltwirtschaftskrise ist es nicht anders. Alle rationalen Lösungsansätze bieten nur eine Scheinlösung. Auch das Gedankenkonstrukt einer kriegerischen Lösung führt über die Steigerung der Waffen letztendlich als Ultima Ratio zur Atomwaffe und damit zur Auslöschung der eigenen Art. Verblendet wirkt an dieser Stelle der Glaube, bei einem Präventivschlag könnte man die eigenen Verluste umgehen. Zu vernetzt ist die Natur, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die sekundären Symptome der radioaktiven Verstrahlung die ganze Erde durchdringen. Ein Leben im isolierten Bunker über Generationen hinweg erscheint mir mehr als kognitive Krücke denn als triumphale Lösung.

Die Lösung unserer (anstehenden) Probleme kann unsere Ratio nicht (alleine) lösen. Daher blendet unser Verstand nur allzu gerne die Wirklichkeit aus und zieht sich in seine Scheinwelt zurück. Unser gespaltenes Bewusstsein braucht wieder die Verbindung mit seinen Wurzeln. Im stetigen Fluss von Verstand und Emotion kommen wir der Lösung näher als in der einseitigen Optimierung unseres Verstandes. So bekommt der Begriff der Schwarmintelligenz wieder ein neues Gewicht. Mit dem Begriff des morphogenetischen Felds gibt es auch ein passendes Modell, welches die Individuen vereint.

Solange unser Bewusstsein in dem gespaltenen Zustand verharrt und unsere Gefühle durch den Verstand beherrscht werden, ist keine nachhaltige Lösung möglich. Das erschreckende daran ist, dass wir diese Bewusstseinsspaltung zwar wahrnehmen, jedoch gleichsam weiter geben. Diese Weitergabe nennen wir dann Erziehung.

Man wird nicht erleuchtet, indem man sich die Erleuchtung vorstellt,
sondern indem man sich die Finsternis bewusst macht.
(Carl Gustav Jung)

Der fortwährende Sündenfall
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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16 Kommentare zu Der fortwährende Sündenfall

  1. muktananda13 // 4. Juli 2014 um 14:50 //

    Man wird erleuchtet nicht mit der Vorstellung der illusionären Bewusstwerdung einer Finsternis,die es nicht real gibt, sondern mittels der Wahrnehmung der Einheit( Bewusstsein), die jenseits der „gut“und „böse“ liegt.

  2. muktananda13 // 4. Juli 2014 um 16:23 //

    In der Tat, Roland.
    Das gespaltene Bewusstsein gehört einzig und allein der Persönlichkeit. Das Bewusstsein ist an sich ungespalten, einheitlich, allgegenwärtig. Nur das Ego ist der Keil,welch`die Baum-Ganzheit verursacht.

  3. muktananda13 // 4. Juli 2014 um 16:28 //

    Alles, was auf den Bausteinen der Persönlichkeit gebaut ist, ist vergänglich und illusorisch, da nur auf Zeit- Raum, Subjektivität und Dualität basierend. Das ist das selbst erbaute Gefängnis, worin man selbst wohnt und doch sich frei GLAUBT.

    • Das ist das selbst erbaute Gefängnis, worin man selbst wohnt und doch sich frei GLAUBT.

      Die Illusion der Freiheit zu erkennen, ist das eine – einen Weg aus dem Gefängnis zu finden, weitaus schwerer.

  4. muktananda13 // 4. Juli 2014 um 16:55 //

    Die einzige Sünde ist die, welche geglaubt wird.
    Der einzige Fall – der des tiefen ,freien Glaubensfalls in den Trennungsabgrund.

  5. Überlebenswille gehört absolut dazu. Wer ’nur‘ auf das kollektive Bewusstsein zurückgreift, um davon easy zu profitieren kommt auch weit. Doch weiter die, die es anreichern, erneuern, finden, bauen.

    • muktananda13 // 4. Juli 2014 um 21:55 //

      Der Überlebenswille ist in jedem Wesen angeboren.
      Das kollektive Bewusstsein ist das Bewusstsein selbst – das Kosmische . Und das kosmische Bewusstsein, das absolute kann nicht erneuert werden, da es unveränderlich, unendlich und perfekt ist.

      Das individuelle Bewusstsein KANN – und nur das- erneuert und angereicht werden – IN DEM ES SICH NACH DEM KOSMISCHEN RICHTET, WAS ES SELBST EIGENTLICH IST. Der Tropfen des Ozean ist der Ozean auch.DASSELBE WASSER,DIESELBE NATUR, DERSELBE URSTOFF. Nur – das Bewusstsein ist unzertrennlich, da Es alle materiellen Aggregatzustände übersteigt.

      Alles Materielle, das Relative ist nur PROJEKTION des Absoluten. Aus sich, in sich. Es ist unmöglich, mit dem Becher des Denkens die Unendlichkeit des Ozeans in sich zu erfassen, zu messen.Die einzig reale Möglichkeit ist, dass der Becher in den Ozean hinabgetaucht wird.

  6. Wie sollte jemand, der die Hölle nicht kennt, den Himmel erkennen? Beides ist auf Erden verfügbar.

    • muktananda13 // 4. Juli 2014 um 21:59 //

      Darum sind ja alle Seelen hier ja inkarniert.

      UM AUS EIGENEN ERLEBTEN ERFAHRUNGEN VERGLEICHEN UND SCHÄTZEN ZU KÖNNEN -AUS NEUGIER UND LERN-GIER DIE PERFEKTION AUCH ALS RELATIV ZU SCHÄTZEN. DIES IST DIE PERFEKTION DER ERKENNTNIS.

  7. Nun, für manche (verkopfte) Menschen mag es da ulkig werden, aber es geht wohl doch mehr in Richtung Glauben als Wissen. Dazu vielleicht einfach ein kleines Zitat, weiß nicht von wem:

    „Das Gegenteil von Macht und Kontrolle ist Liebe und Vertrauen“

    Derzeit sind wir als Gesamtheit noch mächtig auf dem ersten Trip, die Sache mit der Liebe und dem Vertrauen müssen wir dann wohl nach dem fortwährenden Sündenfall erst wieder erlernen (wollen) … vorher keine Besserung in Sicht. Im Gegenteil, solange vergrößern wir den Schlund zum Abgrund.

    • muktananda13 // 5. Juli 2014 um 11:46 //

      Auch der Glaube ist zweierlei: Herz-basierend und Verstand-basierend.

      Herz-basierend, wenn man meist nur glaubt, was das Herz vermittelt.
      Verstand-basierend, wenn man nur glaubt, was der Verstand vermittelt.

      Das Erste ist es, was die Autobahn zur Wirklichkeit ist.
      Das Zweite, was die Autobahn zur Illusion ist.

      Schnell gerät man darin.Und schnell ans Ziel durch nur das Eine, schnell ins Labyrinth durch das Andere. Es kommt immer auf die Wahl an dieser Verzweigung.

  8. Man glaubt zu wissen. Sehr schön. Doch Weisheit ist nicht in Stein gemeisselt.

    • muktananda13 // 6. Juli 2014 um 9:08 //

      In der Tat. Nicht im Stein, sondern im Geist- der selbst das Wissen ist.

  9. Ein freier Geist ist das eine, Verstand und Hände um anzuwenden und zu tun das andere. 😉

    • muktananda13 // 8. Juli 2014 um 18:39 //

      Ein freier Geist kennt vorübergehend auch Hände und Verstand , die ihm nicht im Wege stehen, sondern ihm als Verlängerung dienen.

  10. Norbert G. // 12. Juli 2014 um 11:50 //

    Der fortwährende Sündenfall der „Deutschen“ ist es, die Lüge zu lieben. Insbesondere jene, die den natürlichen Nächsten belastet.
    Um sich selber als „Bessermensch“ moralisch über seine Nächsten erheben und sie damit beherrschen zu können.
    „Meine Ehre heißt Reue!“ – so lautet die Devise der BRD-Heuchler.

    Wer nicht dazu gehört, für den sollte historisches Wissen gegen den „Mainstream“ Anliegen sein. Hier ein Glanzlicht:

    http://quer-denken.tv/index.php/beitraege/11-archiv/652-der-verratene-widerstand

    (Wer vermag es als MP4 herunterzuladen?)

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