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Die Kraft des Augenblicks

Schnappfisch-2460Ich war gestern den ganzen Tag mit einer sehr angenehmen Gruppe wandern. Der Tag bot ausreichend Gesprächszeit für allerlei Themen. Bei einem der Dialoge ging es um die Grenzen unserer rationalen Wahrnehmung und welche Alternativen sich anbieten, diese Grenzen zu durchdringen.

Die Grenzen einer Denkstruktur zeigen sich am deutlichsten vor einer Krise. Dann werden die Ränder sichtbar und zeigen die Begrenztheit des Modells auf. Bei der aktuell abzeichnenden Krise mit einer enormen Jugendarbeitslosigkeit, einer wachsenden Ausweitung von Arm und Reich, von wachsender Verschuldung, von knapper werdenden Ressourcen bei steigendem Konsum, eines drohenden Weltkriegs etc. stoßen die bisherigen Lösungsansätze an sichtbare Grenzen. Dass es eine Lösung – auch für diese Krise – gibt, davon bin ich überzeugt. Jedoch scheint diese Lösung nicht mit unserer bisherigen Denkweise, bei der wir unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit nutzen, zielführend zu sein.

Es finden sich im Netz bereits einige Modelle, welche den Anspruch erheben, eine passende Lösung zu bieten. Ich möchte an dieser Stelle gar nicht weiter auf die einzelnen Lösungsansätze eingehen, sondern ein allgemeines Prinzip aufzeigen. Es geht um die Kraft des Augenblicks. Sich ganz und gar in der Gegenwart zu entfalten und weder in die Vergangenheit, noch in die Zukunft zu greifen. Immer wenn wir die Gegenwart verlassen und auf Erfahrungen aus der Vergangenheit zurückgreifen, nutzen wir Denkmodelle, die früher nützlich erschienen, uns in der Gegenwart aber unmittelbar Grenzen setzen. Diese Grenzen kommen durch unsere unbewusste Nutzung der kategorisierten Erfahrungen zu Stande. Durch den Zugriff unseres individuellen Katalogs pressen wir die Gegenwart, den Augenblick, in ein Schema aus der Vergangenheit. Gleichzeitig reduzieren wir damit unsere Möglichkeiten auf ein paar wenige. Wurde uns in der Vergangenheit eingetrichtert, dass man dies und jenes nicht macht, so sorgt unser Erfahrungskatalog dafür, dass wir diese Lösungsmöglichkeit gar nicht in Betracht ziehen. Empfinden wir in einer Situation Angst, welche ebenfalls aus unseren Vorerfahrungen resultiert, so steht uns in der gegenwärtigen Situation nur eine sehr begrenzte Anzahl an Möglichkeiten zur Verfügung. Handeln wir stets diszipliniert, so schränken wir uns selbst ständig ein.

Die Lösung liegt jedoch nicht im genauen Gegenteil. Es geht nicht darum, jegliche Hemmungen fallen zu lassen und nur noch seinen Trieben zu folgen. Es geht darum, den Augenblick ohne Ballast der Vergangenheit und einer möglichen Zukunft zu nutzen. Es geht darum, die Gegenwart bedingungslos an zu nehmen und in ihr vollkommen präsent zu sein. Dies gelingt nur, wenn wir den Erfahrungskatalog wegwerfen und mit Herz und Verstand im Augenblick aufgehen.

Kleinkinder haben es an dieser Stelle zugegebenermaßen etwas einfacher. Ihr Katalog ist noch so luftig, dass die Durchlässigkeit für die Hingabe im Augenblick ausreicht. Ebenfalls sind Herz und Verstand noch eine Einheit und nicht gespalten. Sie können mit allen Sinnen in der Gegenwart sein. Als Erwachsene müssen wir diesen Zustand wieder erlernen. Unsere eigene Kindheit zeigt uns, dass es gelingt.

Der Weg, vollständig in der Gegenwart auf zu gehen, ist gewiss kein leichter. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich Hochphasen hatte, bei denen alles mit einer Leichtigkeit gelang und dann wieder Phasen erlebt habe, die mich in einen Neben hüllten. Auf der Suche nach den Rahmenbedingungen, um die Hochphase wieder zu erlangen, (be-)greifbar zu machen, kam ich kein Stück weiter. Keine eigene Beobachtung lieferte ein zuverlässiges Instrumentarium, kein Buch eine Patentlösung. Heute bin ich mir sicher, dass es eine solche auch nie geben wird. Kein abarbeiten einer Checkliste bringt mich in diesen Zustand des Flows, in dem die Gedanken frei fließen können. Die Lösung ist viel einfacher, die Umsetzung gleichwohl viel schwieriger. Es ist die bedingungslose Hingabe im Augenblick. Nur wenn wir vollständig in der Gegenwart aufgehen, kommen wir in diesen Zustand. Sicherlich können es uns äußere Einflüsse – wie z.B. Meditation – leichter machen, in diesen Zustand zu kommen. Notwendig erscheint es mir nicht, um den Ballast los zu lassen.

Für mich klingt das alles noch sehr abstrakt, da es rational nicht begreifbar ist. Es erscheint mir als geeigneten Weg, die offensichtlichen Grenzen unseres Denkens zu durchbrechen. Zu viele Fragen lässt die (rationale) Wahrnehmung unbeantwortet, so dass es folgerichtig erscheint, dass es noch eine feinstoffliche Ebene gibt. Eine interessante Brücke zwischen diesen beiden Welten habe ich in folgenden Video gefunden. Vielleicht sind diese beiden Welten gar nicht so getrennt, wie wir allgemein annehmen. Vielleicht ist nur unser Bewusstsein so gespalten, dass es Grenzen sieht, wo keine sind. Vielleicht liegt auf diesem Weg gerade der Sinn des Lebens…

Wenn später einmal, warum nicht jetzt?
Und wenn nicht jetzt, wie dann später einmal?
(Augustinus von Hippo)

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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3 Kommentare zu Die Kraft des Augenblicks

  1. Wohlstand und Kapital schließen sich gegenseitig aus– Wohlstand macht frei und unabhängig–man kann es sich leisten verkürzt zu arbeiten, geht früher in Rente oder hat es nicht mehr nötig jeden schlecht bezahlten Job anzunehmen– durch die gezielte Verarmung zwingt man jetzt wieder jeden für’n Apel und nen Ei zu malochen

  2. muktananda13 // 8. Juli 2014 um 19:13 //

    Gegenwart ist der Teil der Schnurr , welcher immer VOR den Augen rollt.

    Vergangenheit ist das links Hängende, die Zukunft noch der Knäuel rechts hängend.

    Doch wenn man die Augen zu macht und das Herz auf ist, verschwindet die ganze Schnurr. Es gibt sie nur weil der Verstand sie sehen will. Und weil er will, lass ihn weise werden: gib ihm stets die vor den Augen.

  3. muktananda13 // 8. Juli 2014 um 20:57 //

    Lass dich vom Nektar dieser Welt betrinken, doch wach auf für den Honig.

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