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Ein Weg, kein Ziel

Gegenstaende_strasse3Unsere Gesellschaft wir immer komplexer und mit dieser Komplexität steigt zwangsweise auch die Abhängigkeit jedes einzelnen Individuums. Neue Gesellschaftskonzepte zu finden, welche die bestehenden Abhängigkeiten lösen und gleichsam alle Menschen mitnehmen, kann es so nicht geben. Hinzu kommt, dass bei steigender Komplexität (Vernetzung) auch Widersprüchlichkeiten innerhalb des Systems zunehmen. Unser Steuer- und Rechtssystem mag hier Exemplarisch als Beleg herhalten.

Welcher Weg erscheint aber zielführend?

Zu aller erst möchte ich den zweiten Teil des Beitragtitels „kein Ziel“ aufgreifen. Jedes Zielbild – denn mehr kann es bei einer gedanklichen Extrapolation in die Zukunft gar nicht sein, als ein (mehr oder weniger scharfes) Bild – hängt von vielen Ereignissen auf dem Weg zum Ziel ab. Diese verändern direkt oder indirekt das Ziel. Es ist daher viel zielführender, die Richtung vor zu geben und das Ziel offen zu lassen. Die Richtung als Kompass muss daher genügen und diesen möchte ich hier gerne skizzieren, als einen von vielen Wegen.

Voraussetzung für den Start auf dem Weg ist die Einsicht, dass wir mehr konsumieren, als wir wieder zurück geben. Nehmen wir unsere gesamte Lebensspanne, so wäre es in der Gesamtschau hilfreich, wenn wir auf eine ausgeglichene Bilanz verweisen könnten oder gar mehr für den Erhalt getan haben. Mit dieser Haltung sorgen wir dafür, dass nachfolgende Generationen keine Mangelwirtschaft betreiben müssen, sondern gute Chancen für eine Lebensentfaltung haben.

Eine unstillbare Gier und ein unbändiges Wollen hält uns derzeit ab, diese Haltung zu leben. Die tägliche mediale Beeinflussung trägt sicherlich seinen Teil dazu bei, dass sich daran so schnell nichts ändern wird.

Was ist nun aber ein Weg aus dem Teufelskreis?

Eine Möglichkeit ist die Verinnerlichung, dass etwas erst dann perfekt ist, wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Es ist die positive Deutung des Perfektionismus, die in uns selbst ruht, statt von äußeren Einflüssen getrieben zu sein. Dabei kann ich in kleinen Schritten stets etwas weiter gehen. Hierzu stelle ich mir stets die Frage, ob ich etwas konkretes brauche oder auch darauf verzichten kann, es mir leihen kann, es mit anderen Dingen ebenso gut kompensieren kann oder ob es nicht auch ein gebrauchtes Gut tut, dann ändere ich damit zwangsläufig mein Konsumverhalten. Langfristig löse ich damit sogar einige Abhängigkeiten auf, da ich deutlich vielfältigere Lösungsansätze verfügbar habe, statt stets nur den einen des Neuerwerbs.

Das Ziel ist dabei individuell. So mag einer nicht auf ein Gut verzichten wollen, ein anderer kann gut ohne leben. Das passiert auch heute bereits – nur ist es bereits eine innere Haltung oder einfach nur die ökonomische Abwägung, welches zur Entscheidung führt? Im Fall der ökonomischen Abwägung wäre das Ziel klar steuerbar: gib den Menschen mehr Geld und sie verfallen in den (aufgestauten) Konsumrausch. Wenn die innere Haltung jedoch vorherrscht, dann würde eine Erhöhung der Geldmittel nicht zu einem gesteigerten Konsum führen.

Durch die stete Fragestellung, auf was ich verzichten kann, weil ich es nicht will. Durch die Fokussierung auf das Wesentliche im Leben, ändert sich allmählich die Haltung. Wir kommen weg von einer Neid-Gesellschaft zu einer Danke-Kultur, welche wieder den Augenblick schätzen kann. Es wäre eine tragfähige Basis geschaffen, welche die bevorstehende System-Krise meistern kann.

Solange aber diese Basis fehlt, halte ich alle Konzepte des gesellschaftlichen Wandels für verfrüht. Gehen diese zum Gelingen zu sehr von einem Menschenbild aus, welches bereits in der neuen Gesellschaftsform angekommen ist ohne die Brücke zu bauen. Viel realistischer ist aber die Annahme, dass der Mensch kein Freund von grundlegenden Änderungen ist und daher versucht, seinen (Vermögens-)Bestand zu retten. Es wird daher sehr wahrscheinlich mehr Zeit in die Lücken des neuen System aufgewendet, anstatt einen tiefgreifenden Wandel zu unterstützen.

Inwieweit dieser Gedanke zu einem gesellschaftlichen Wandel führt, möchte ich hiermit zur Diskussion stellen. Danke!

Vollkommenheit entsteht offensichtlich nicht dann,
wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat,
sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann.
(Antoine de Saint Exupéry)

Ein Weg, kein Ziel
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Ein Weg, kein Ziel

  1. Danke für diesen Denkanstoß. (Übrigens: Wenn Gedanke von denken kommt, kommt dann danke auch von denken?)

    Ich finde es auch wichtig, „dass nachfolgende Generationen keine Mangelwirtschaft betreiben müssen“. Im Moment ist es aber so, dass Milliarden von Menschen Mangelwirtschaft betreiben müssen, damit Millionen Erste-Welt-Bewohner mehr konsumieren können, als sie produzieren. Da muss man gar nicht in die Zukunft schauen, um schreiende Ungerechtigkeit zu erkennen.

    Wir feiern den Heiligen Martin und fühlen uns dabei vernünftig, wenn wir behaupten, dass Europa doch nie und nimmer alle afrikanischen Flüchtlingen aufnehmen könne. Was für ein Hohn – vor allem was für ein Hohn, dass das niemand merkt, wie heuchlerisch oder bestenfalls einfältig das ist.

    Noch ein Beispiel: Es gibt Menschen, die behaupten, sie können sich keine oder bestenfalls ein Kind „leisten“, weil sie so viel Geld für die Altersvorsorge zurücklegen müssen. Da wird ein Konzept, eine bloße Idee (die des Geldes) als substanzieller eingeschätzt für ein zufriedenes Altersleben als eigene Nachkommen, Menschen aus Fleisch und Blut, zu denen man in sozialer Beziehung steht. Reicht es, das einfach nur dumm zu finden?

    Ich weiß nicht, ob Verzicht der Weg oder das Ziel ist. Die Erfahrung von Achtsamkeit machen zu können, ist ein Weg, der dazu führen müsste, dass Menschen sich von vielem, was sie heute noch konsumieren, abwenden möchten. Und es dann auch tun, also verzichten. Verzichten hieße dann, sich dem Konsum zu entziehen, weil die für den Konsum nötige Grundhaltung bei gelebter Achtsamkeit nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

    In diesem Sinne wäre es ein Weg, Menschen zur Achtsamkeit zu ermutigen. Dass die dann achtsamen Menschen nicht mehr so viel konsumieren (ich weiß nicht, ob es aktives Verzichten ist), wäre ein dadurch erreichbares Ziel.

    • […] kommt dann danke auch von denken?

      Aus meiner Sicht ja, da das Danke sich aus der Vergangenheit speist und aus dieser bedient sich unser Verstand. Daher ist der Ursprung des Danke im Denken zu suchen.

      Noch ein Beispiel: Es gibt Menschen, die behaupten, sie können sich keine oder bestenfalls ein Kind “leisten”, weil sie so viel Geld für die Altersvorsorge zurücklegen müssen. Da wird ein Konzept, eine bloße Idee (die des Geldes) als substanzieller eingeschätzt für ein zufriedenes Altersleben als eigene Nachkommen, Menschen aus Fleisch und Blut, zu denen man in sozialer Beziehung steht. Reicht es, das einfach nur dumm zu finden?

      Danke für dieses Beispiel. Es zeigt auf, wie sehr wir an dem Konzept der Sicherheit hängen. Leider ist Sicherheit nackte Fiktion. Nach einem Wirtschaftscrash werden die Rücklagen nichts mehr sein. Die eigenen Nachkommen jedoch haben Bestand.

      In diesem Sinne wäre es ein Weg, Menschen zur Achtsamkeit zu ermutigen.

      Achtsamkeit ist für mich der Schlüssel zum großen Tor am Ende des Weges. Wird dieses Tor geöffnet, treffen wir auf Bewusstsein. Dann erübrigt sich die Suche nach dem Ziel, da Bewusstsein DAS Ziel ist.

      Dass die dann achtsamen Menschen nicht mehr so viel konsumieren (ich weiß nicht, ob es aktives Verzichten ist), wäre ein dadurch erreichbares Ziel.

      Verzichten kann nur der Verstand, dieser jedoch spürt den Mangel. Er Diszipliniert sich, statt eine Haltung zu verinnerlichen. Achtsamkeit geht aber über den Verstand hinaus. Dann entsteht kein Mangel und auch kein Verzichten. Es ist einfach nicht der Wunsch vorhanden zu sinnentleertem Konsum.

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