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Mensch-Versteher

Personen_freestyle8Schon seit einiger Zeit höre ich den Begriff die Bezeichnung Putin-Versteher. So wie dieser Begriff Bezeichnung dieser Tage gebraucht wird, stimmt mich nachdenklich. Einige Gedanken dazu…

Der Begriff des Verstehens hatte bisher für mich ausschließlich positive Aspekte. Ist das Verständnis des Gegenüber doch die Basis für einen gemeinsamen Dialog. Wenn ich mich für mein Gegenüber interessiere und für seine Interessen ein Verständnis aufbringe, mich in seine Sichtweise hinein versetze, entsteht erst dieses Mensch-Verständnis. Jemand zu verstehen stellt auch die Basis dar, einen Konflikt gewaltfrei zu lösen.

Bereits in dem Beitrag zur Grundlagen der Kommunikation brachte ich den Gedanken ein:

Der nächste Schritt ist die Anerkennung des jeweils anderen als Subjekt und damit auch die Anerkennung seiner Interessen. Durch die gemeinsame Interessenwahrnehmung ist eine solidarische Interaktion möglich.

Die Anerkennung der Interessen des jeweils anderen setzt genau dieses Mensch-Verständnis voraus. Jeder der Kinder groß gezogen hat, weiß, dass ein permanentes Gegen-die-Interessen-des-Kindes kein harmonisches Miteinander zur Folge hat. Lässt man sich hingegen auf die Bedürfnisse des Kindes ein, versteht man dessen Anliegen, so löst sich jegliche Spannung auf.

In meinem Kommunikations-Beitrag folgt sogleich das, was als Ergebnis der Anerkennung des jeweils anderen folgt:

Erst wenn Sicherheit als die Sicherheit des anderen verstanden wird, kann sie als gemeinsames Gut erworben und bewahrt werden. Schauen wir immer nur auf unsere eigenen Bedürfnisse, so kommt es nicht zu dem beschriebenen Kreislauf. Kommunikation muss dann zwangsweise verarmen und (ab-)sterben.

Kommen wir zurück zur aktuellen Situation und dem Begriff der Bezeichnung des Putin-Verstehers.

Hier wird – bewusst oder unbewusst – der Grundlage einer gewaltfreien Lösung des Konflikts entgegengewirkt, indem die Haltung, Verständnis des Gegenübers aufzubringen, entwertet wird. Alleine der Versuch, die Motivation des Hr. Putin zu verstehen, wird mit einer neuen Nazi-Keule belegt.

Es ist schon bezeichnend, wie aus westlicher Sichtweise alle Möglichkeiten einer friedlichen Konfliktlösung bereits im Ansatz unterbunden werden. Die schnelle Schuldzuweisung bei jeglichem medienwirksamen Ereignis des Westens hin zu Putin ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

Es liegt an jedem selbst, ob er sich von solchen psychologischen Tricks einlullen lässt, oder ob er kritisch die dargelegten „Fakten“ hinterfragt und offen bleibt, beide Seiten zu verstehen.

Man kann nicht nicht kommunizieren,
denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.
(Paul Watzlawick)

Mensch-Versteher
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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9 Kommentare zu Mensch-Versteher

  1. Es ist doch schon alles ganz klar gesagt. Die Menschen, die die angeblichen „Putin-Versteher“ brandmarken wollen, sind diejenigen, welche niemals in den Genuss einer Erziehung des Miteinanders gekommen sind. Dadurch ist von vorneherein die Möglichkeit des Verstehens nie gegeben gewesen. Es war innerhalb der Politik immer nur ein Abspulen immer der gleichen Verfahrensweisen. Auswendig gelerntes „normales“ Verhalten, nenne ich das. Jetzt zeigt es sich nur langsam für die jenigen, die Bewusstsein und Verstehen voneinander trennen gelernt haben. Nach persönlicher Erfahrung kann ich nur davor warnen, sich solchen Menschen anzuschließen.

    • Danke Wunderlich für Deine Erkenntnisse.
      Auch das stupide „Abspulen“ konditionierter Verfahrensweisen kommen irgendwann zum erliegen, sobald diese hinterfragt werden.

      Es ist nur ein Gefühl, eine Ahnung: durch die aktuell erlebte Wahrnehmungs-Verzerrung ist die Zeit gekommen in dem der Floh des Bewusstseins von Mensch zu Mensch springt. Sicherlich beißt dieser Floh nicht jeden. Oftmals reicht es aber schon, wenn der Floh im Pelz ist, damit das „Schaf“ erwacht.

  2. Lieber Roland
    Gut und richtig geschrieben bis auf einen Punkt, der mit im BRD-Deutsch immer wieder aufstösst: „Putin-Versteher“ ist kein Begriff, sondern eine – eben gerade leere – Bezeichnung, oder wie Goethe sich im „Mephisto“ ausdrückte, ein Wort. („Wo Begriffe fehlen, stellt ein Wort sich ein zur rechten Zeit.“) Das ist mitnichten „Wort“klauberei, sondern Präzision in der Sprachanwendung. Diese ist gerade beim vorliegenden Thema besonders wichtig. Denken Sie an die disziplinierte Unterscheidung im Französischen zwischen „notion“ und blosser „expression“.

    • Danke, lieber AltFryRhätien für die Konkretisierung.
      Ein Begriff wird es in der Tat erst, wenn es „greifbar“ wird.

      Die Bezeichnung als Teflonwort im negativen Sinne, wie von Gerd Antos kreiert, würde es besser beschreiben:
      http://www.youtube.com/watch?v=zUoAcys0Q_M

      • Sehr interessanter Link, vielen Dank. „Nachhaltigkeit“ war einmal ein „Begriff“. Meines Wissens geht er auf die fast hundertjährige Schweizer Forstgesetzgebung zurück, in welcher man das damals äusserst fortschrittliche Prinzip festlegte, dass nicht mehr geschlagen wird, als nachwachsen kann. Seither nimmt die gesamte Waldfläche hier nicht mehr ab, sondern zu. Darin kann man einen Begriffsinhalt erkennen, über den sich bei Bedarf auch in aller Sachlichkeit diskutieren lässt (vernünftig, ja-nein; noch zeitgemäss, ja-nein; erfolgreich, ja-nein; im derzeitigen Umfeld immer noch wünschbar, ja-nein usw.). Prof. Antos hat richtig erkannt, dass dieser Begriff leider zum „Teflonwort“ verkommen ist.

        • Genau, die neue Haltung gegenüber dem Forst hat den Anstoß der Nachhaltigkeit geprägt.
          Wie es scheint, taugen die bisherigen Begriffe nicht mehr, um die Probleme unserer Zeit zu lösen. Es bedarf neuer BeGrifflichKeiten um zu be-greifen, was die Herausforderungen unserer Zeit sind und an welchem Kompass wir uns orientieren müssen.

        • P.S. Leider unterläuft ihm die Verwechslung zwischen Begriff und Wort ebenfalls.

  3. Mehr lesen und weniger meinen – ist meine Meinung …
    🙂

    http://www.4pt.su/en/node/1156

    Gefunden hier:
    http://www.sezession.de/45820/alexander-dugin-der-postmoderne-antimoderne-1.html

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  1. Wenn die Leitmedien die Putin-Versteher zu verstehen versuchen | Schnappfischkapitalismus

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