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Zeit, die wir nicht haben

Natur_tiere10Zeit ist ein knappes Gut. Viel zu wenig haben wir davon und was selten ist, ist in unserer Gesellschaft gleichermaßen wertvoll. So verwundert es nicht, dass der Volksmund sagt: „Zeit ist Geld“. Ist Zeit mit Geld gleich zu setzen? Kann man Zeit kaufen?

Es ist schon eine Last mit der Zeit. In jungen Jahren hat man mehr davon als man sich vorstellen kann und im zunehmenden Alter verrinnt die Zeit nur so. Machen sich die Jüngsten noch gar keine Gedanken über die Zeit und tauchen mit allen Sinnen in dem Augenblick ein, so werden diese Augenblicke fortschreitend immer seltener. Das völlige Eintauchen im Augenblick nimmt in dem Maße ab, in dem wir das Konzept von Zeit verinnerlichen. Schon früh werden die Kinder mit Angeboten bereichert, die eine feste Zeitvorgabe notwendig machen. Geht es doch in unserer organisierten Welt gar nicht mehr ohne. Den Kindern scheint es aber gleichgültig zu sein, so fällt so manches Mal der Satz „beeile dich doch endlich mal…“ oder „trödle nicht so, wir kommen noch zu spät…“.

Mehr und mehr wird Zeit für uns zu etwas wertvollem – zu etwas, mit dem man sparsam umgehen muss. Das gut investiert sein will. So nutzen wir in unserer Gesellschaft schon früh die kindliche (Förder-)Zeit, um fit für das Erwachsenenleben zu sein. Stets verbunden mit der Hoffnung, die dann folgende (Arbeits-)Zeit mit viel Geld zu verbinden – denn Zeit und Geld sind relativ, dass wissen wir längst. So kann eine Stunde bei dem einen Menschen ein Euro wert sein, bei einem anderen bereits 100.000 EUR.

Inwieweit ist Zeit real?

Betrachten wir Zeit aus einem gebührenden Abstand. Unser Verstand braucht das Konzept der Zeit, um seine Gedanken zu ordnen. Ohne Zeit ist sein Erinnerungsspeicher nur halb so effektiv. Ohne Zeit gibt es keine Zukunft, keine Vergangenheit und keine Gegenwart, sondern nur den Augenblick. Eine horizontale Ordnung ist ohne Zeitkonzept für den Verstand nicht möglich. Er braucht das Konzept der Zeit so wie der Fisch das Wasser. Das (Lebens-)Zeit in unserer Gesellschaft eine so bedeutende Rolle eingenommen hat, mag vielerlei Gründe haben, die Konditionierung zu der simplen Gleichung Zeit = Geld ist gleichermaßen allgegenwärtig.

Wenn Zeit real ist, also nicht eine reine Einbildung unseres Verstands, dann stellt sich die Frage, woher ein Déjà-vu-Erlebnis kommt, wieso wir im Flow kein Zeitgefühl mehr haben, lernen aber auf eine unglaublich leichte Art und Weise gelingt? Was passiert, wenn der Verstand im Tiefschlaf abwesend ist und was bei einer Trance? Wo ist da die Zeit?

Wenn Zeit ausschließlich in unserem Verstand existiert und wir uns damit an die Kette nehmen lassen, was wäre dann, wenn Zeit kein Gesellschaftskonzept mehr wäre? Wie würden wir unser Leben organisieren, wenn es keine Zeit gäbe? Kennen Urvölker, die noch nicht mit der modernen Gesellschaft in Kontakt kamen, überhaupt Zeit?

Wir schauen in unserem Leben zu oft auf die Schatten, die durch das Licht geworfen werden. Zu leicht lassen wir uns durch diese leiten. Wo Licht ist, ist auch Schatten, heißt es. Dabei braucht nur der Schatten das Licht. Licht kann auch ohne Schatten existieren. Ist Zeit auch nur ein Schatten, der das Licht braucht? Kann der Mensch auch ohne Zeit leben? Was für ein Leben wäre es dann ohne (Lebens-)Zeit?

Das Problem ist,
das wir glauben,
wir hätten Zeit.
(Buddha)

Zeit, die wir nicht haben
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Zeit, die wir nicht haben

  1. Niemand hat Zeit.
    Zeit hat alles.

    Im Film dreht sich alles nur um Zeit . Doch ist `s nur ein Film.

  2. Lieber Roland,

    erst jetzt habe ich mir die Zeit genommen, mit Muße diesen Artikel zu lesen und ich muss sagen…. das Thema philosophisch beleuchtet… Wir gehst Du so mit Deiner Zeit um… und sollten wir manchmal nicht von Kindern und Urvölkern lernen, statt das Umgekehrte zu verlangen??

    Lieben Gruß
    Carsten

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  1. Naturkonstanten oder wie das Schicksal seinen Lauf nimmt | Schnappfischkapitalismus

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