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Die Macht der Sprache

20150113_1D4_FotoSpaziergangKlaus-5613Zur Einstimmung

Lebenskunst: Etwas zu sehen, was immer schon da war, für das ich vorher blind war.“

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Ich habe bisher noch keine Zeit erlebt, in der Sprache so gezielt (aus-)genutzt wurde, um Gruppierungen zu spalten. Mir ist dabei bewusst, dass dies sicherlich kein Einzelfall ist und wenn man nur ausreichend weit zurück geht in unserer Menschheitsgeschichte, es ausreichend viele parallelen gibt. Nichtsdestotrotz messe ich der aktuellen Situation besondere Bedeutung zu, da ich Teil dessen bin, was mich zu dem Punkt bringt, über das WIE nachzudenken.

Wie kann Sprache wirken, dass diese zum Machtinstrument wird?

Zuerst einmal dient Sprache zur Mensch-Kommunikation. Das was wir kommunizieren kann dann wiederum vielfältiger Natur sein. Im wissenschaftlichen Bereich sollten herleitbare und nachvollziehbare Fakten vermittelt werden – das dem nicht immer so ist, ist mir klar.
Der weitaus größere Teil der Kommunikation – sprich Sprache – bezieht sich jedoch auf Erlebnisse. Im Idealfall aus erster Hand. Nun ist es so, dass Erlebnisse selten für sich alleine stehen. Durch unsere Vorerfahrungen verbinden wir diese automatisch mit vorhandenen Mustern. Wir betten so zu sagen das soeben erlebte in einen Kontext, der in der Regel eine persönliche Note hat. Darüber lässt sich auch gut erklären, wieso bei einer Zeugenbefragung die Fakten so weit auseinander liegen, wenn mehrere Personen befragt werden, oder aber eine Person mehrfach über einen längeren Zeitraum. Das Erlebte wandelt sich mit der Zeit durch die hinzugekommenen Eindrücke bzw. wird von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich Kontextualisiert.

Kommunikation hängt im Wesentlichen vom Kontext des Sprechers ab.

Damit Sprache bzw. Kommunikation wirkt, muss ich als Empfänger das gesprochene in dem richtigen Kontext einordnen. Habe ich ausreichend Zeit und die Möglichkeit der Rückfrage, kann ich solange nach dem richtigen Kontext suchen, bis dieser mit dem des Senders übereinstimmt und ich das gesprochene korrekt einordnen kann. In einer idealen Welt gilt es daher, die Kommunikation zu dekontextualisieren. Es geht im Kern somit darum, den transferierten Sachverhalt (oder Wissensaspekt) so zu verallgemeinern, damit dieser Zusammenhang auch in jeder anderen relevanten Situation angewandt werden kann und nicht nur auf den ursprünglichen Kontext.

Zitate nutzen oft diese Dekontextualisierung um möglichst vielfältig zu wirken. Im Gegenzug dazu wir derzeit in der Medienlandschaft genau das Gegenteil genutzt. Die Wörter werden solange ausgetauscht, bis die eigentliche Aussage mit einem völlig anderen Kontext versehen ist, als die ursprüngliche Situation. Kommen die Informationen dann noch in kurzer Zeitfolge und wir nutzen nicht die Möglichkeiten, die ursprüngliche Situation zu recherchieren, so wirkt Sprache als Machtmittel. Wir folgen dann (unbewusst) ganz anderen gedanklichen Pfaden. Immer weiter weg von dem eigentlichen Ereignis hin zu einem längst vergangenen, oftmals emotional überladenen Ereignis. Automatisch verknüpfen wir dann historische –  nicht mehr direkt nachprüfbare – Ereignisse mit dem aktuellen.

Was können wir tun, damit Sprache wieder zu dem wird, was es sein soll?

Wie finden wir nun zu einer Sprache zurück, die zur Verbindung der Menschen beiträgt, statt diese zu spalten? Der erste Schritt ist, den Wirkmechanismus zu verstehen – hierzu soll dieser Beitrag den ersten Anstoß geben. Der zweite Schritt ist dann, selbst bei der Verwendung von Sprache darauf zu achten, dass der Empfänger dies in den korrekten Kontext einordnen kann um selbst seine Schlussfolgerungen zu ziehen. Der dritte Schritt ist dann, unsere Medienvertreter aufzufordern, auch auf den korrekten Kontext zu achten und nicht manipulativ diesen verzerren. Dies sollten wir so oft wie möglich tun, damit wir wieder das von den Medien bekommen, für das sie einstmals gedacht waren: gut recherchierte Informationen so dargeboten, dass sich jeder selbst ein Meinungsbild daraus machen kann und ohne Fremdsteuerung die nötigen Handlungen daraus ableiten kann.

Der Weg ist weit, das Ziel so nah.

Die Macht der Sprache
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Die Macht der Sprache

  1. Du sprichst hier tatsächliche einen Umstand aus, der nur den wenigstens bewusst ist, danke dafür. Ich sehe sogar die letzte Rechtschreibreform ein wenig in diesem Zusammenhang (Entmächtigung der Sprache durch Entstellung), in der alten Variante war es teilweise schwerer aber sinnfälliger und auf der anderen Seite kam man über Ableitung weiter als heute. Das Thema Sprache ist also keineswegs zu unterschätzen …

    • Vielleicht liegt darin meine unterbewusste Abneigung gegen die neue Rechtschreibung. So bin ich irgendwo „gefangen“ zwischen dem was war und dem was werden soll – ohne es zu wollen…

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