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Gemeinsamkeiten statt Spaltsamkeiten

20150113_1D4_FotoSpaziergangKlaus-5556Pegida und Anti-Pegida sind seit einem Monat mehr Menschen ein Begriff, als manch andere Bewegung mit jahrzehntelanger Tradition. Bei mir gab die Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin den Anstoß mich mit der Bewegung zu beschäftigen. Dabei ist mir einiges aufgefallen.

Vorab, meine Beobachtungen stützen sich lediglich auf das veröffentlichte Material, ich war bisher weder bei einer Pegida, noch bei deren Gegenbewegung mit dabei. Auch habe ich keine „Likes“ für die eine oder andere Seite vergeben – ohne SocialMedia-Account ist das heutzutage auch etwas schwer. Nehme ich mir das gleiche Recht wie andere Stände heraus, so kann ich also rein rational und unbefangen meine Gedanken zum Besten geben, was ich nun tun werde.

Als erstes habe ich mir mal die Grundsätze von Pegida angesehen und finde dort nichts sonderbares oder gar Rechts-Radikales. Eher erscheint mir, dass hier jemand die Finger in die Wunde legt und unseren Politikern klar macht, dass die Zeit der Versprechungen vorbei ist und Handeln angesagt ist.

Suche ich die Leitlinien der Anti-Pegida-Bewegung, so wird es schon schwerer. Die bei mir in Karlsruhe ansässige Gegenbewegung „Karlsruhe Gegen Kargida“ freut sich zumindest, auf fb mehr Likes zu haben (wie hier zu lesen ist), als die Kargida-Bewegung. Schaue ich mir dessen fb-Seite an, so finde ich eigentlich nur Stimmungsmache gegen Kargida/Pediga – das Gleiche auch auf der entsprechenden Kargida-Seite mit umgekehrten Vorzeichen. Spaltung und Abgrenzung scheint auch hier das Gebot der Stunde.

Nun ist es ja einfach gegen etwas zu sein. Damit ist man immer auf der sicheren Seite, da es nicht notwendig erscheint, klar Stellung zu beziehen. Das, was mir nach den vielen Beiträgen, Studien etc. in Erinnerung geblieben ist, war die Position „für ein buntes Deutschland“. Was heißt das aber nun im Klartext? Sollen alle Migranten so bleiben, wie sie sind, damit wir ein buntes Deutschland bekommen? Zum Teil haben wir das ja bereits durch die halbherzige Einwanderungspolitik – das ist ja gerade einer der Ansatzpunkte von Pegida. So einfach lässt sich die Anti-Pegida nicht ins Bockshorn jagen. Selbstverständlich geht es um Integration, jedoch um Integration der Vielfalt. Man will also die kulturelle Bereicherung.

Dazu habe ich vor kurzem eine interessante Erfahrung gemacht. In meinem Malraum, den ich für meine Kinder, wie auch für dessen Freunde eingerichtet habe, waren ein dutzende Farben in den Farbschalen übrig. Da ich in nächster Zeit nicht zum Malen kam, wollte ich diese aufbrauchen und habe diese daher alle zusammen gemischt. Interessant war dabei, welche Farbe zum Schluss in der einen Farbschale war!

Die konkrete Frage ist also: welche Farbe ergibt sich, wenn man möglichst viele (bunte) Farben mischt?

Digital natives werden hier mit „Weiß“ antworten, kenne sie doch nur das RGB-Farbschema des Displays und dort ist es nun einmal so, wenn alles auf „Maximum“ gesetzt wird, kommt Weiß heraus. Arbeitet man jedoch mit analog-Pinsel und echten Farben jenseits von Rot-Grün-Blau, dann ergibt diese Mischung: Braun!

Nun ist diese Farbe gerade in Deutschland vorbelastet. Lassen wir jedoch all diese Konditionierung kurz außen vor, so ist Braun auch die Farbe der Erde. Noch ist es so, dass diese Erde unsere Lebensgrundlage darstellt. Ohne sie haben wir keine Nahrung. Unsere Wissenschaft gibt zwar ihr Bestes, damit auch Nahrung in einer Nährlösung wächst und wir dann irgendwann auch ohne Erde überleben können – bis dieser Einheitsfraß jedoch in den Regalen steht, werden noch ein paar Jahr ins Land ziehen. Jahre in denen wir den Kurs mit gestalten können, oder aber uns weiter Konditionieren lassen.

Je mehr ich über diese Bewegung lese, desto stärker kommt mir der Verdacht, dass die eigentlichen Ziele beider Bewegungen gar nicht so weit auseinander liegen. Statt sich immer weiter in der Spaltung zu verlieren, wäre es ein Zeichen, die Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und dann gemeinsam zu demonstrieren. Leider ist die Stimmungsmache nach einem Monat bereits  so weit fortgeschritten, dass ich hier nur noch wenig Hoffnung habe. Was mich dabei am meisten stört sind die Berichte, in deren Politiker nur noch Hetze betreiben und in Schulen der Zwang offenkundig wird. Beides zeigt auf, in wie weit unsere Gedankenfreiheit nur noch ein Feigenblatt ist, das feige als westliche Werte hochgehalten wird.

Es bleibt zu hoffen, dass wir früh genug den konditionierten Mechanismus der Spaltung erkennen und vom Herdentrieb zur Schwarmintelligenz kommen. Sonst bleibt uns nur noch das, was Albert Camus wie folgt beschrieben hat:

Der einzige Weg, mit einer unfreien Welt umzugehen, besteht darin,
so absolut frei zu sein, dass bereits die schiere Existenz ein Akt der Rebellion ist.

Nachtrag:
Am gestrigen Montag gab es in Karlsruhe die erste Gegen-Demonstration. Es zeigt sich, dass ich mit meiner Befürchtung richtig liege, das Prinzip des Teile-und-Herrsche führt auch hier die Menschen an, nicht die Suche nach Gemeinsamkeiten und dem Dialog.
Fast schon bemerkenswert ist der Beitrag in der FAZ, welcher die „Fremdsteuerung“ in unserem Lande offenlegt.

Nachtrag 2:
Eine kleine Anfrage an die Bundesregierung zeigt auf, dass (bisher) von den Pegida-Teilnehmer keine ernstzunehmende Gewalt ausging und Pegida auch keine Gefahr für die öffentliche Ordnung darstellt. Leider zeigt die Antwort der Bundesregierung auch auf, dass derzeit keine Gesprächsbereitschaft existiert.
Besonders Interessant an dem Beitrag sind die Schlussworte:

Bislang ist uns keine Kleine Anfrage bekannt, in der sich eine im Bundestag vertretene Fraktion danach erkundigt, ob die Gegendemonstrationen gegen PEGIDA, LEGIDA und sonstige GIDAs linksextrem unterwandert oder ob die entsprechenden Gegendemonstrationen von Linksextremen geplant und organisiert wurden. Auch kennen wir keine Kleine Anfrage im Bundestag, in der nach den Straftaten gefragt wird, die Gegendemonstranten begangen haben. Aber das kommt sicher noch, schließlich leben wir in einem Rechtsstaat – oder?

Nachtrag 3: Ein interessantes Interview des Schauspielers Horst Krause zu seinem Film „Krüger aus Almanya“ gibt einen Einblick zur aktuellen Lage. Und etwas aus unserem Nachbarland Frankreich. Ein weiterer Beitrag zum Thema, verbunden mit der Frage: „cui bono“.

Gemeinsamkeiten statt Spaltsamkeiten
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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7 Kommentare zu Gemeinsamkeiten statt Spaltsamkeiten

  1. Danke für den sehr guten Beitrag,
    leider funktioniert das bestehende“Teile und Herrsche-System“noch viel zu perfekt um diese Gedanken der breiten Masse zuzumuten.
    Ich glaube die Wenigsten der Anti-Pegida Bewegung kennen das Programm von Pegida überhaupt und sowohl unsere Mainstreammedien wie auch unsere Politikdarsteller sind kaum daran interessiert das zu ändern.
    Auch das System“ich stelle dich in die rechte Ecke“funktioniert immer noch sehr gut.Und das bei der oben erwänten Farbmischung die Farbe Braun ensteht wird auch schon wieder vielen nicht schmecken….

    • Das Traurige daran ist, dass die Menschen in dem Glauben auf die Straße gehen, für etwas (moralisch) Gutes einzustehen. Dabei bedienen sie nur das alte Paradigma „Teile-und-Herrsche“.
      Es steht zu vermuten, dass wir erst dann wieder zu kollektiv-kritischem Denken im Stande sind, wenn wir unsere (historische) Angst überwunden haben und in diesem Zug auch die Konditionierungen hinter uns lassen.
      Leider bleibt uns nicht mehr viel Zeit, für diesen Sinneswandel. Was alternativ dann bleibt, ist die Hoffnung auf eine zukünftige Generation, die vielleicht endlich so weit ist, den Teufelskreis zu durchbrechen. Schade nur, denn die nötigen Informationen haben wir heute schon, jetzt fehlt uns nur noch diese zu interpretieren und dann ein entsprechendes Handeln abzuleiten…

  2. In jeder Gruppe, jeder Organisation, jedem Stand, jeder Berufsgruppe … gibt es aufrechte Menschen, die über ihre natürliche Neugier ihre natürlichen Begierden entwickeln und auch darüber erfüllen könn(t)en, die diese Vorliebe (aus Neugierde entsteht Liebe, ist daher Voraussetzung) nicht verlieren und somit in gewisser Weise einen Überblick – Weitblick haben. Mit diesem Fundament und Dach sind diese u.a. auch zur sogenannten platonischen Liebe, der Liebe des Geistes, befähigt – zur Auslebung dieser auf Erden. Ein ersetzendes Konzept ist dafür nicht notwendig – nur ein anderer.

    Menschen, die ihre natürliche Neugierde (auch anders bezeichnet als Inneres Kind) nicht entwickelt und zum Wachstum mitgenommen haben, sind den Begehrlichkeiten und Begierden der Welt im Grunde schutzlos ausgesetzt und handeln fast ausschließlich innerhalb dieser. Einige nehmen daher ein zwergenhaftes Verhalten an. Gründe dafür gibt es zahlreiche.

    Die Frage ist immer und überall, wer steuert die zahlreichen Schiffe.

    • P.S.
      Indikator für kindliche Neugier (auch im Erwachsenen) ist ein offener Verstand.

      Das Bestreben solcher Menschen geht zwar in die Richtung, in sich geschlossene Werke – ob klein oder groß – zu leisten. Jedoch geht es im Grunde ausschließlich um Befriedigung der Neugier – des Geistes – durch den Erkenntniswert, der nur so erlangt werden kann. Man erschafft sich somit Werke, die nicht nur für außen (andere) sondern auch für innen Bedeutung haben.

    • Gewiss ist es ein reicher Schatz, wenn man seine eigenen Kräfte entdeckt hat und diese für ein Miteinander entwickelt hat.
      Mein Verständnis war bisher, dass es in einer Demokratie eine legitime Art und Weise ist, sich frei zu äußern. Gerade wenn dieser „Chor“ mit so vielen Stimmen spricht wie z.B. in Dresden, stünde es der Politik gut, diese Stimmen in einen konstruktiven Dialog zu führen und nicht pauschal abzuurteilen. Das führt uns wieder zu Deiner Frage zurück, wer hier steuert und vor allem wo wir konkret stehen, wenn bereits so elementare Grundlagen außer Kraft gesetzt werden…

  3. Grundsätzlich war es früher mal die Aufgabenteilung, das es die Aufgabe der Frau war, die Grundlagen im Rahmen des Beziehungsmanagements weiterzugeben. Werte, gesunde Maßstäbe …

    Es ist nicht so, daß Frauen dies nicht mehr tun – doch sieht man die Realisierung an, so muß sich Mann über Mißerfolge nicht wundern. Das ist die Folge einer langen Tradition der Anti-Erziehung von Mann und Frau. Die Verantwortlichen dafür sind leider allesamt schon gaaanz lange tot. Die, die diesen die Treue halten, leben leider und für zahlreichen Nachwuchs ist gesorgt: Zwerge, der unselbständige nicht aufrecht gehende Mensch

    • Ja, dieser Kompass scheint uns abhanden gekommen zu sein. Wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, in der die Polarisierung bald ihr Maximum erreicht hat.
      Betrachten wir es auf die positive Weise, so besteht bald wieder der nötige Wachstums-Raum, auf dem ein ausgewogenes Miteinander möglich ist. Es wird aber Zeit brauchen, bis das zarte Pflänzchen zum Baum wird.

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