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Wenn alles gleich ist

Natur_landschaft5Einst lebte ein Bauer mit einem Schaf, einer Ziege einem Hahn und einer Kuh glücklich und zufrieden. Von Zeit zu Zeit erhob das Schaf seine Stimme und blökte in die frische Morgenluft. Die Ziege nahm diesen Ruf als Anlass und meckerte hinterher. Auch der Hahn stimmte mit ein und gab sein Kikeriki zum Besten, worauf die Kuh nur ein leises Muhh zur Antwort gab. So ging es Tag ein Tag aus.

Es kam der Tag an dem das Heu und Korn knapp wurde. Der Bauer besann sich auf eine weitere Einnahmequelle um ausreichend Nahrung für seine Tiere beschaffen zu können: er vermietete seine beste Stube an Urlauber. Nach einiger Zeit kamen auch die ersten Gäste und für den Bauer eine neue Einkommensquelle.

Nicht für jeden war das Konzert der Tiere aber ein Ohrenschmaus und so kamen bald die ersten kritischen Stimmen: „Das Schaf blökt zu laut“, sagte der eine. „Der Hahn zu hoch“, der andere. Der Bauer wusste keinen Rat, da empfahl ihm ein Gast die Stimmen der Tiere durch eine Gesangsschulung einheitlicher zu machen.

Gesagt – getan, der Bauer machte sich ans Werk. Die Ziege gab nach kurzer Zeit ein leises „böööh“ von sich und auch die Ziege stimmte mit einem „bääääh“ ein. Der Hahn, der nicht anders konnte, wurde kurzerhand aus dem Orchester entfernt. Mit der Kuh war es ein leichtes, sie zum „buuuuh“ zu bringen.

Die Gäste waren zufrieden. Die geringen Nuancen verzeihbar – es waren schließlich Tiere.

Es dauerte aber nicht lange bis die Ansprüche wuchsen. Der Bauer musste nun mehr bieten, um Gäste zu bekommen. Abermals machte er die Tiere gleicher, so dass diese bald gar nicht mehr wussten, welcher Art sie entsprangen. Die Kuh gab zwar keine Milch mehr und das Fell des Schafes war nicht mehr zu gebrauchen – das kümmerte den Bauer aber nicht weiter, bestritt er doch seine Einnahmen mittlerweile aus anderer Quelle.

Es dauerte nicht lange, bis einem Gast die Missstände auffielen und er drohte die Behandlung der Tiere publik zu machen. Vor die Alternative gestellt, entschied sich der Bauer für eine Reform seines Hofes. Schaf und Ziege wurden durch Hasen ersetzt, die Kuh wurde zur Katze. Als Ausgleich wurde noch eine Plastikrutsche angeschafft. Damit machte er es nun jedem Gast recht.

Der Bauer war zwar nicht glücklicher und zufriedener als zuvor, hatte nun aber ein sorgenfreies Leben.

Was nutzt Dir das Leben, was bringt Dir die Gunst,
wenn nur noch bleibt die Überlebenskunst?

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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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