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Der Mensch und seine Pflicht

Wilhelm-Busch-also-lautet-der-Beschluss-dass-der-Mensch-was-lernen-muss-300x300Ein Leben als Mensch ist nicht einfach, hat dieser doch keine festen Veranlagungen. Was also tun, damit die Masse der Menschen ihre (vorgegebene) Bestimmung findet? Besonders einfach geht es, in dem der Mensch zur Pflicht gerufen wird. So gibt es die WehrPflicht, die SchulPflicht, GurtPflicht, WahlPflicht, ImpfPflicht, ZinsPflicht, GrußPflicht und hundert weitere Pflichten

Besonders pikant wird unser Hang zur Pflicht durch die Verbindung positiver Werte: dem Bewusstsein und dem Gefühl. So wird daraus das PflichtBewusstsein und das PflichtGefühl.

Schaut man sich an, wie Pflicht z.B. in der Wikipedia definiert ist:

Pflicht (aus pflegen) oder Sollen ist das, was jemand aus moralischen Gründen tun muss. Daneben wird als Pflicht auch das bezeichnet, was von einer als berechtigt angenommenen Autorität von jemandem gefordert wird.

Pflicht hat somit nichts mit Bewusstsein und auch nichts mit Gefühl zu tun, im Gegenteil: Pflicht erfordert gerade die Abwesenheit eines eigenständigen Bewusstseins oder gar Gefühls.

Das Einimpfen einer VerPflichtung ist demnach etwas für einen Roboter. Maschinen können sich hervorragend an die Regeln halten und diesen folgen. Die Pflicht wird zur Regel. Für Menschen gelten jedoch andere (natürliche) Gesetze. Gerade unsere flexible Veranlagung macht es möglich, dass wir aus einem reichen Fundus an Möglichkeiten schöpfen können. Potentialentfaltung meint dies in einem Wort.

Es ist gefährlich, wie wir unsere Sprache mehr und mehr missbrauchen. So koppeln wir unliebsames mit einem ‚Trojaner‘ und fühlen uns so auf der sicheren Seite, wenn wir von unseren Kindern, Mitarbeitern etc. PflichtBewusstsein fordern. Es ist aber nicht das Bewusstsein was wir als Ergebnis wünschen, sondern die (totale) Unterwerfung des Menschen. Eine Autorität hat nichts anderes zum Ziel, als genau dieses unterwürfige Verhalten zu erzwingen. Das perfide daran ist, dass unsere Erziehung diesem ‚Ideal‘ zuarbeitet. Wir (er-)ziehen unsere Kinder – ob bewusst oder unbewusst – genau nach diesen Vorgaben. Vertreiben in ihnen dass, was sie vor einer Autorität schützt: den eigenen Willen. Gelingt dies nicht, so brechen wir deren Willen und sind dann endlich an unserem Erziehungs-Ziel: dem Gehorsam!

Einmal dort angekommen, kann das ‚trojanische Pferd‘ seinen Dienst tun. Die Schmerzen, welche dem Diktat des Gehorsams folgen, werden aufopfernd getragen – so lange, bis die physischen Schmerzen nicht mehr zugelassen werden. Der Schmerz sinkt ab und wird zum seelischen Schmerz. Eingebrannt im Innersten für eine lange Zeit. Was die Situation noch verschärft, ist das Festklammern an der Autorität, welche die eigentliche Quelle des Gehorsams ist. Die Pflichterfüllung wird dann zum Lebensprinzip! Um sein eigenes Gewissen nicht vollends zu zerstören ist eine typische Wandlung zu erkennen: das eigene Opfersein wird verleugnet, wodurch man selbst zum Täter werden kann. Die Suche nach geeigneten Opfern kann beginnen und damit auch ein Teufelskreis in Gang kommen, der sich aus der Abstoßung der eigenen Persönlichkeit nährt und den Hass auf alles Fremde fördert. Daher ist im Kern auch jeder Fremdenhass immer auch ein Selbsthass!

Im Dritten Reich war das Erziehungsbild klar, denn nach dessen Wahrnehmung:

widersetzen sich Kinder, tyrannisieren, sind unersättlich, triebgesteuert und folgen dem Lustprinzip.

Auch heute noch gibt es nicht wenige Eltern, die (zumindest) Teile dieser Beobachtungen teilen. Welches Erziehungsideal daraus erwächst, ist hinreichend dokumentiert. Werden unsere Kinder jedoch so gesehen, beginnt eine Entfremdung der eigenen Wahrnehmung. Wir sehen dann jeglichen Widerstand unserer Kinder als Ungehorsam. Das Entdecken der Beschaffenheit und Festigkeit einer Banane als Regelbruch etc.

Wir erschaffen uns damit unsere Wirklichkeit und zwingen unsere Kinder dazu, unserer Sichtweise zu folgen, statt sich selbst auf den Weg zu machen. So geben wir über Generationen hinweg das weiter, was zur blinden Pflichterfüllung, zum stumpfen Gehorsam führt.

Das aus dieser Haltung nur eine Pflichterfüllung erwachsen kann – und diese Erfüllung auch nur dem geringsten Anspruch gerecht wird – können wir täglich erleben. Keine Spur von Verantwortungsbewusstsein, woher auch wenn Gehorsam nur zur Pflichterfüllung gereicht.

So bleibt der Wunsch, das öffentliche Toiletten mit mehr Verantwortungsbewusstsein genutzt werden. Da der Preis des VerantwortungsBewusstseins aber zu groß erscheint, behilft man sich anderweitig und schließt kurzerhand die Toilette, lässt sie verkommen, oder macht sie zum 1-EURO-Luxusgut – mit zweifelhaften Nutzen für den, der ein dringendes Bedürfnis hat…

Die Ereignisse von heute lassen die Erlebnisse von gestern verblassen.

Der Mensch und seine Pflicht
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Über Ro!and (393 Artikel)
Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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2 Kommentare zu Der Mensch und seine Pflicht

  1. Weil mir die Sprache so wichtig ist: Pflicht ist für mich etwas ganz anderes; Was Du beschreibst, ist für mich Gesetz.
    Pflicht ist etwas, das ich mir nur selbst auferlegen kann und das tue ich aus Verantwortungsbewußtsein vor mir selbst. Die Umdeutung unserer Sprache sehe ich als Unheil, denn Sprache formt uns und der Verlust der wahren Bedeutung der Worte macht uns arm und dumm. Das Gesetz ist für den Knecht, dem Herren gilt die Pflicht. Meine Pflicht ist zB., meine Kinder nicht zu impfen, auf das Schaden von ihnen und der Gesellschaft abgewandt werde. Daß „staatlicherseits“ die Begrifflichkeiten vereinnahmt- und verfälscht werden, kann man nicht deutlich genug anprangern.

    • Gewiss, aus dem Gesetz ergeben sich entsprechende Pflichten – und auch Rechte!
      Ich würde aber nicht so weit gehen, Pflicht nur als selbst auferlegte Regeln zu sehen.

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  1. Potentialentfaltung – mehr Hirn bitte! | Schnappfischkapitalismus

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