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G36 – Skandal im Dauerfeuer

Schnappfisch-7360Der politische Skandal um das zu heiß geschossene Sturmgewehr G36 der Bundeswehr zeigt einmal mehr auf, welches schlechte Schauspiel wir uns als Bürger antun. Es geht mir dabei weniger um die längst vergessenen moralischen Werte der Opposition, welche eigentlich ein Bekenntnis zum Frieden abgelegt haben und dieses Versprechen nun im Zuge des Skandals gleichwohl ablegen. So zitiert Telepolis treffend den Linken Co-Vorsitzenden Bernd Riexinger mit den Worten:

Scheinbar kauft das Verteidigungsministerium der Rüstungsindustrie jeden Ramsch ab.

und schließt dessen verquere Friedenspolitik mit den Worten:

Wenn man schon die Bundeswehr nicht abschaffen kann, muss man sie so gut ausrüsten, dass ja auch kein Schuss daneben geht.

Das eigentliche Problem trifft Telepolis jedoch auch nicht auf den Punkt, da es lediglich wiederkäut, was das BMVg vorkaut:

Das Sturmgewehr G36, mit dem die Bundeswehr ausgestattet ist, schießt mangelhaft und ist bei großer Hitze besonders unzuverlässig.

Zuerst einmal muss man wissen, dass jedes Werkzeug – im Verteidigungskontext spricht man von Wirkmittel, meint aber das Gleiche – spezielle Eigenschaften hat, welche nur für einen speziellen Kontext wirksam sind. Ein Sturmgewehr ist auf einige wenige Schüsse, die schnell und präzise sein sollen, ausgelegt. Ein Maschinengewehr hingegen soll eine schnelle Feuerrate liefern, dafür macht man dann auch gewisse Einschnitte bei der Präzision. Bei der Bundeswehr trägt besagtes Wirkmittel die Bezeichnung MG3.

Jene, die das „Glück“ hatten, bei der Bundeswehr vorne mit zu laufen, wurde dann auch das Glück zuteil, besagtes MG3 zu tragen. Neben diesem Schmuckstück durfte man auch immer ein zweites Rohr mit tragen, denn man wusste bereits, was auch in der Wikipedia nachzulesen ist:

Durch notwendige Tätigkeiten, wie beispielsweise das Wechseln des heißgeschossenen Rohres mit dem im Rohrschützer befindlichen kalten Rohr, was nach 150 Schuss Dauerfeuer mit Gefechtsmunition oder 100 Schuss Manövermunition ohne zwischenzeitliche Abkühlung auf Handwärme durchzuführen ist, sinkt dieser Wert in der Praxis auf etwa 300 Schuss/min.

Konkret vermied man, mehr als 100 Schuss in Folge abzugeben, da sich der Lauf sonst durch die immense Hitze verzog und es passieren konnte, dass der Schütze sogar selbst zu schaden kommt. Dabei war es ganz egal, ob man im Winter bei -10 Grad schoss oder im Sommer bei +30 Grad. Der Vorteil im Winter war dann der, dass man die passenden Handschuhe dabei hatte, damit sich beim Abschrauben des heißen Rohrs nicht gleichzeitig die Haut von der Hand schälte.

Nun zurück zum G36, dem besagten Skandal-Sturmgewehr.

Bei diesem kommt es wie beim MG3 nach Dauerbeschuss von ca. 90 Patronen zur besagen, nachlassenden Präzision. Damit liegt das G36 gar nicht mal soweit weg vom MG3 – warum sollte es auch, ist die dahinter liegende Thermodynamik doch die gleiche. Nur das beim MG3 eben ein Austauschlauf standardmäßig mit dabei ist.

Das eigentliche Problem ist, dass das BMVg es nicht schafft, seine Soldaten mit den passenden Werkzeugen auszustatten und als Lösung einfach die Nutzungsszenarien ändert. Damit wird das Sturmgewehr G36 kurzerhand zum Maschinengewehr. Bekommt vielleicht noch als Add-on ein Trommelmagazin, damit man die notwendigen 100 Schuss auch ohne Magazinwechsel abgeben kann, und gut ist.

Was dann folgt sind die politischen Inszenierungen auf der Suche nach dem/der Schuldigen. Das eigentliche Problem der geänderten Einsatzszenarien der Bundeswehr und den Folgen wird aus dem Schauspiel wissentlich herausgehalten. So wird einmal mehr ein Nebenschauplatz eröffnet um vom eigentlichen Problemherd abzuweichen.

Nachdem unser höchster Mann im Staate, Pastor Gauck, bereits zur letztjährigen „Sicherheitskonferenz“ auf unsere neue Verantwortung hingewiesen hat, kann unsere Politik doch nicht schon nach einem Jahr eine Kehrtwende vollziehen. Schließlich hat sie beim Schwenk in der Energiepolitik bereits gemerkt, welche Probleme von solchen Schnellschüssen ausgehen können. Vattenfall zumindest rechnet mit einem Geldsegen von exakt 4 675 903 975,32 Euro – Zinsen und Zinseszinsen noch nicht eingerechnet, denn bisher fehlt das rechtliche Mittel – sprich TTIP – zur Vollstreckung.

Wie gehts nun weiter?

Da gibt es einige Möglichkeiten:

  1. man nutzt den (angeblichen) Skandal um politische Maßnahmen, personell wie auch inhaltlich, um zu setzen,
  2. jeder Soldat führt zum G36 einen Wechsellauf mit oder es wird eine Sperre eingebaut, dass nur alle 30 Sekunden ein neues Magazin eingesetzt werden darf (die Trommelmagazine werden nur noch auf dem Schwarzmarkt gehandelt),
  3. man überdenkt die Strategie und setzt die Bundeswehr ausschließlich zur „Landesverteidigung“ ein,
  4. ein Weltkrieg bricht aus und alle weiteren Überlegungen erübrigen sich,
  5. wir liefern die gebrauchten G36 in bedürftige Länder und kaufen von den Einnahmen neue Gewehre, die den neuen Einsatzszenarien besser entsprechen,

Gerne kann für eines der Szenarien abgestimmt werden, vielleicht schaffen wir es ja mit Schwarm-Blog-Intelligenz herauszufinden, wie das Schauspiel weiter geht. Gerne können auch die Szenarien erweitert werden – ich aktualisiere dann den Beitrag, wenn die Vorlage Cut&Paste-fähig ist.

Die Ereignisse von heute lassen die Erlebnisse von gestern verblassen.

G36 – Skandal im Dauerfeuer
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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1 Kommentar zu G36 – Skandal im Dauerfeuer

  1. Jeder daneben gegangene Schuß Kann ein Menschenleben retten. Perfekt wäre, wenn man auch Zufallstreffer ausschliessen könnte.

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