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Glaubensgefängnisse

20150113_1D4_FotoSpaziergangKlaus-5561Wir Menschen leben in Glaubensgefängnissen.

Nun ist daran zuerst nichts verwerfliches festzustellen. Letztendlich sorgt auch ein Gefängnis für einen Halt im Leben, stellt ausreichend Nahrung, ein Bett und eine Beschäftigung gegen Langeweile bereit. Mit unseren Glaubensgefängnissen ist es nicht viel anders. Auch die geben uns den Halt in der Gesellschaft und sorgen ein ausreichendes Einkommen, damit wir es uns in unserem Leben angenehm einrichten können.

Problematisch wird es erst dann, wenn unterschiedliche Glaubensgefängnisse aufeinander prallen oder gar Menschen ins Spiel kommen, welche aus diesem Glaubensgefängnis ausgebrochen sind. Ich möchte an dieser Stelle gar keine Aufzählung geben, was dann alles passiert, denn die Möglichkeiten sind so vielfältig wie es Meinungen gibt. In jeder Politshow kann man sich ein Bild davon machen, wie Glaubensgefängnisse verteidigt werden.

Jetzt ist es ja nicht Neu, dass uns Glaubensgefängnisse zu einer offenen und reiferen Gesellschaft führen. Die Wissenschaft und Aufklärung hat sich ja gerade zum Ziel gesetzt, sich nicht in Glaubensgefängnissen zu verirren. Das kritische Selbst-Denken war die Waffe der Wahl um das Gefängnis, dessen Gefangener und Wärter man in Personalunion selbst war, zu verlassen.

Aktuell scheint es fast so, dass wir ein Rückschritt machen. Uns freiwillig (?) wieder in das eigene Gefängnis begeben. Argumente werden nicht mehr ausgetauscht, sondern nur noch stringent dem Glauben des jeweiligen Ober-Glaubens-Gefängnis-Wärters gefolgt.

Welchen Grund mag es dafür geben?

Erhofft man sich durch die freiwillige Unterwerfung einen gute Zelle in dem Glaubensgefängnis zu sichern? Erhofft man sich durch die treue Gefolgschaft schnell in den offenen Vollzug zu kommen um trotz Gefangenen-Status doch etwas Freiheit genießen zu können? Oder ist es schiere Willenlosigkeit einen ewigen Kampf der Vernunft führen zu müssen, sich stets mit Argumenten auseinandersetzen zu müssen und sich eine eigene Meinung bilden zu müssen?

Arbeit Gefangen Zaun HoffnungJa in der Tat, es ist bequem in dem Glaubensgefängnis. Solange ausreichend viele in dem gleichen Gefängnis „leben“ hat man ein Gefühl von Gemeinschaft. Liebe entsteht so jedoch nicht. Liebe braucht die Freiheit seiner selbst zu sein.

Um das zu verstehen muss man jedoch die Mühen auf sich nehmen und die Welt mit eigenen Augen zu sehen – möglichst unter freiem Himmel und nicht aus Gefängnismauern heraus. Dann wird einem auch klar, dass es einen Unterschied zwischen Lob und Anerkennung gibt!

Die Glaubensgefängnisse haben einen unerschöpflichen Vorrat an Lob, wenn dieser auch nur sehr spärlich verteilt wird. Wem das irgendwann zu Eintönig wird, dem sei die Reise zur Anerkennung bzw. Wertschätzung ans Herz gelegt…

Denken wir an das, was einen wirklichen Wert besitzt,
an das, was unserem Leben einen Sinn gibt,
und setzen wir unsere Prioritäten dementsprechend.
(Dalai Lama)

Denn all das ist ohne Wert, was nicht Aufstieg oder Übergang ist. Und wenn du innehältst, wirst du der Langeweile begegnen, da dir ja die Landschaft nichts mehr zu sagen hat.
(Antoine de Saint-Exupéry)

Glaubensgefängnisse
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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8 Kommentare zu Glaubensgefängnisse

  1. Wir wissen jetzt, was auf dem Spiele steht: nicht das deutsche Schicksal allein, sondern das Schicksal dar gesamten Zivilisation. Es ist die entscheidende Frage nicht nur für Deutschland, sondern für die Welt, und sie muß in Deutschland für die Welt gelöst werden: soll in Zukunft der Handel den Staat oder der Staat den Handel regieren? Quelle: Oswald Spengler:

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  2. Im Plural verwendet, spricht man in der Sozialwissenschaft auch gerne von Überzeugungsgemeinschaften. Dieser Begriff trifft es, glaube ich, etwas besser, da die Gefahr vor allen Dingen immer dann entsteht, wenn mehrere Personen gemeinsam in übersteigerter Form einer Überzeugung anhängen. Diese haben mehr Macht ihre Deutung zu etablieren, Widerstand zu brechen, Nischen zu besetzen und sich dabei einer argumentativen Auseinandersetzung zu verwehren, da sie schliesslich aufgrund ihrer bloßen Anzahl unter sich bleiben können.
    Ein gutes Beispiel hierfür ist die Atlantikbrücke, deren Mitglieder in den Medien die Hoheit erobert haben, die dort hin fliessenden Subventionen auf sich lenken konnten, Andersdenkenden die Karriere zerstören können und sich dabei gegenseitig immer wieder bestätigen, auf der richtigen Seite zu sein.

    • Danke für die Ergänzungen.

      Spannend finde ich bei diesen gruppendynamischen Prozessen vor allem, dass diese immun gegenüber Sachargumenten sind.
      Das hatte Gustave Le Bon in dem 1895 erschienenen Buch „Psychologie der Massen“ bereits erkannt als er schrieb:

      Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluss die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat.

  3. „Man darf nicht glauben, eine Idee könne durch den Beweis ihrer Richtigkeit selbst bei gebildeten Geistern Wirkungen erzielen. Man wird davon überzeugt, wenn man sieht, wie wenig Einfluss die klarste Beweisführung auf die Mehrzahl der Menschen hat.“

    Trotzdem ist das der einzige Weg.
    Alles andere basiert auf Täuschung, ist letztlich nicht mit der Welt kompatibel und führt ins Dunkel.

    Vielleicht braucht es die Überzeugung das Fakten mehr Gewicht haben wie Wunschdenken.

    • Trotzdem ist das der einzige Weg.

      Der Meinung bin ich auch, verstehe le Bon aber so, dass dieser Weg nicht immer die erhoffte Wirkung bringen muss. Es ist ein langer Weg, aber in Summe der ehrlichere von allen Wegen…

  4. Die Welt ist stets ein frisch renoviertes Konzeptgefängnis und beinahe jeder Mensch ein Gefangener darin.

    Die Vernunft ist hier Wächter und das Herz Befreier.
    Die einzigen ewig in der Freiheit Lebender sind die, welche Vernunft mit dem Herz zu verbinden können.

    • Die Zellen dessen sind die auf Form und Individualität betreffenden und somit vergänglichen Überzeugungen: Aussehen,Alter, Geschlecht,Rasse,Religion, Verwandschaft,Politik, Tätigkeit , Tradition.

  5. Ein Gefangener wird freier dadurch, wenn er bereits all die Zellen als Gefängnis betrachtet.

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