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Was mich am Kyudo fasziniert

Kyudo: Pfeil trifft PfeilKnapp zwei Jahre sind vergangen, seit dem ich mich mit Kyudo – der Kunst des japanischen Bogenschießens – befasse. Zwei Jahre intensiven Trainings und auch zwei Jahre einer Entdeckungsreise.

Der glühende Funke sprang schon sehr früh über. Das jedoch ist eher verwunderlich, zeigen meine bisherigen Lebensstationen doch vielmehr auf, dass ich die Abwechslung liebe, festgefahrene Wege gerne verlasse, kurzum querdenke. So komme ich bei dreißig Berufsjahren auf mehr als ein Dutzend verschiedener Tätigkeiten, die sich teilweise sehr voneinander unterscheiden.

Wieso gerade Kyudo?

Kyudo - Kunst des BogenschießensZeigt sich das japanische Bogenschießen doch eher in seiner äußeren Erscheinung – in einer traditionellen, festgelegten Form von acht Schritten (Hassetsu) wieder!? In der Tat, wird der äußere Beobachter kaum etwas von dem Feingeistlichen wahrnehmen. Vielmehr fällt sein Blick auf das äußere Zeremonielle. Und doch reichte der kurze Augenblick des Abschusses bei mir aus, das innere Feuer fürs Kyudo zu entzünden.

Vielleicht ist es die äußere Schlichtheit des Bogens, der einige Rätsel aufgibt. Vielleicht auch die ungewohnte Bekleidung, die fast wie eine Uniform anmutet und dennoch Eleganz ausstrahlt.

Wie auch immer ich mich vor zwei Jahren dazu entschieden habe, heute ist der Blick klarer. Die Feinheiten treten deutlicher hervor und mit ihnen steigt der Grad des Unwissens rapide an. Gerade jetzt, einen Tag nach einem zweitägigen Lehrgang, mache ich mich wieder auf die Suche, ein paar Geheimnissen des japanischen Bogens (Yumi) auf die Spur zu kommen. Mit dem Begriff der Iriki-Deki-Eigenschaft des Bogens mache ich mich auf und werde fündig. Erfahre etwas über die einzigartige Verwindungseigenschaft des Yumi und begreife auch, wie ich die Deki-Eigenschaft meines Bogens ausgleichen kann, so dass ich trotz des anhaftenden Makels sicher die Flugrichtung des Pfeils bestimmen kann.

Jede Theorie muss sich in der Praxis beweisen.

YumiMit der nötigen Theorie ausgestattet, den Bogen ca. 10 Grad beim Abschuss in Schrägposition zu bringen, werde ich für mich die Theorie verproben. Wohl wissend, dass meine Schießform noch nicht so stabil ist, dass ich damit gesicherte Rückschlüsse ziehen könnte. Aber darum geht es mir nicht. Es geht mir darum, gemeinsam mit dem Bogen zu wachsen. Das, was der Bogen für mich bereithält – trotz, oder vielleicht gar wegen seines Makels – zu entdecken und zum Besten zu entwickeln.

Die äußere Form beim Kyudo hilft mir dabei. Sie gibt mir einerseits den Rahmen und andererseits den Halt, mich auf das zu konzentrieren, was mir gegenwärtig wichtig ist – ohne das zu vergessen, was bisher wichtig war. Die äußere Form bewahrt und festigt so das bisher Erreichte und ermöglicht mir, weiter zu lernen, weiter zu erfahren und weiter zu vertiefen was Kyudo seit Jahrhunderten ausmacht und heute noch fasziniert.

Taihai öffnet ein neues Sichtfeld.

Ist die grundlegende Form gefestigt, eröffnet die zeremonielle Form des Taihai ein noch größeres Potential. Dadurch, dass das Taihai gemeinsam und synchron in der Gruppe von fünf Bogenschützen (Kyujin) vollzogen wird, gilt es zu lernen, einen gemeinsamen Takt zu finden, der sich durch das gesamte Zeremoniell zieht. Gefestigt mit der Form des Ablaufs entfaltet sich so eine ganz neue Art der Wahrnehmung, losgelöst vom eigenen Rhythmus.

Diese äußere Konstanz, verbunden mit dem inneren Wachstum macht Kyudo so einzigartig für mich. Bei jedem Training erwartet mich eine neue Herausforderung, auf die ich mich einstellen darf. Gehe ich absichtslos ins Training und bin offen für die Herausforderung, der ich mich immer wieder aufs neue stelle, werde ich reichhaltig beschenkt. Vernebeln vorgefasste, feste Ziele und Meinungen mein Tun, so dauert die Suche für gewöhnlich etwas länger. So bin ich gespannt auf das nächste Training, bei dem ich geplant habe, die Deki-Eigenschaft meines Bogens zu erkunden.

Was bleibt?

Mato Kyudo Neujahrsschießen Hahn 2017Verweile ich achtsam im Augenblick, so erkenne ich im Alltag immer mehr Eigenschaften aus dem Kyudo, die sich unterbewusst auch außerhalb des Dojos zeigen. Mit einem Lächeln heiße ich auch dort diese tieferen Einsichten willkommen und bin gespannt, welche Einflüsse sich dadurch im Alltag eröffnen.

 

Inagaki GenshiroDie Kunst des Bogenschießens ist es, die Früchte zu ernten,
die aus dem Können des Bogenschießens und aus seinem Geist erwachsen.
Wer mit dem Bogen richtig übt, wird auch im Geiste Fortschritte machen.
Über das Einüben der Kunst des Bogenschießens wird es erst möglich,
auf den Weg des Bogens zu kommen.
(Inagaki Genshiro, 9. Dan Hanshi, Heki Ryū Insai Ha)

P.S.: Wer Kyudo selbst ausprobieren will und aus der Gegend um Karlsruhe kommt, kann dies unter fachlicher Leitung am Wochenende 11./12. Februar 2017 tun. Alles weitere findet sich hier.

Was mich am Kyudo fasziniert
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Ro!and
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
Kontakt: Webseite

2 Kommentare zu Was mich am Kyudo fasziniert

  1. *Herz-Bogen-D-ANKE !* 😉

    Nach-Denken wieder neu ent-facht,
    was solch ein *BOGEN* mit einem so Macht …
    Zwei GeH-Danken-„Bögen“
    Viel-Schichtigkeit
    macht sich wieder bereit,
    ins Werden und Da-Sein zu gleiten
    für Wahr-Nehmungen, die All-es so leiten …

    Warum nur bei Euch ?
    und nicht hier …
    Habe schon vor längerer Zeit *Zweige+ für Bögen gesammelt …
    Mal sehn, was sich daraus entwickeln und machen läßt … 😉

    Ein (oder mehr 😉 )*NEUES* hat angefangen …
    *JaH!*
    und war doch immer schon da … 😉

    Dornen-geschmückt
    ein Gruß, der das Kommen ent-zückt,
    und sich -hoffentlich bald- wieder mit Blüten schmückt,
    und auf-zeigt, was sich noch so
    Da-Seins-Werde-Froh
    hinter den Zweigen ver-steckt…

    MiA´s Früh-Lingks-Wieder-Werde-Gruß 😉

  2. Ps.:
    *Zweige+
    sollte eigenlich *Zweige* werden 😉
    All-Es Gute Dir und Euch und MiA !
    *JaH!*
    . 😉

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