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Zum aktuellen Demokratieverständnis

Wir leben in einer Demokratie – in einer Herrschaft des Staatsvolkes. Als die Griechen vor langer Zeit diese Regierungsform entwickelt haben, hätten sie sicherlich nicht gedacht, dass selbige ein solcher Exportschlager werden würde. Gewiss waren bei der Namensgebung ähnlich geschickte Hände im Spiel, wie bei dem Erfüllen der EU-Beitrittskriterien. Die näheren Zusammenhänge Griechenlands bezüglich EU-Kriterien sind längst entzaubert, so verwundert es doch, dass die Demokratie heute noch so überschätzt wird.

Es ist leider nicht überliefert, ob der griechische Wein ausschlaggebend war, die Herrschaft dem Staatsvolke zu übertragen – zumindest auf dem Papier – denn fast zeitgleich wurde in Griechenland auch der Trojaner erfunden. Um das Volk aber nicht gänzlich zu verwirren, hat man dem Trojaner eine eigene Geschichte spendiert und diese in das Gewand eines Pferdes gesteckt. Das war sicherlich viel anschaulicher, als die abstrakte Form der Demokratie. So bedarf es einiger Winkelzüge, um den Trojaner in der angeblichen Herrschaft durch das Staatsvolk zu entdecken.

Ohne EntenTainment keine Demokratie

Einer dieser demokratischen Showveranstaltungen steht uns am kommenden Wochenende bevor. Just an diesem Sonntag, den 12. Februar 2017, wird durch die 16. Bundesversammlung der kommende Bundespräsident gewählt. Eine Stütze unserer Demokratie. So wird das Zepter von unserem Onkel Joachim Gauck an den nächsten Bundespräsidenten weitergereicht. Da es ja eine Wahl ist und sie Spannung bis zur letzten ausgezählten Stimme verspricht, können wir auch noch gar nicht wissen, wer denn nun der kommende Bundespräsident – und damit der 1. Mann im Staate – sein wird.

So stehen fünf stramme Burschen zur Wahl, aber nur einer kann’s bekanntlich werden. Das sich CDU/CSU, SPD, FDP und die Grünen längst auf einen Kandidaten geeinigt haben, soll da nicht weiter verunsichern. Es bleiben ja noch die Linken, die AfD, wie auch die Freien Wähler und die Piratenpartei. Durch das Schwergewicht „die Linken“ mit ihrem Anteil der wahlberechtigten Vertreter von 7,5 % bleibt es spannend. Rechnet man auf die 2,8 % der AfD und die 0,9% der Piraten noch die 0,8% der Freien Wähler hinzu, so kommt man bereits auf ein stattliches zweistelliges Stimmen-Prozent-Gewicht.

Es bleibt also spannend am Sonntag, wenn abermals handfeste Geschichte geschrieben wird. Bei dem Kampf David gegen Goliath gewann bekanntlich auch der vermeintlich Schwächere. Damit es aber nicht zu einer solchen geschichtsträchtigen Überraschung kommt, müssen alle Steinschleudern am Eingang zum Sitzungssaal abgegeben werden.

Statisten der Demokratie

Das dürfte jedoch die Kreativität der Rebellen nur noch beflügeln. Spannendes Popcorn-Kino ist also am Sonntag angesagt, wenn die 1.260 Mitglieder ihren Sonntag für diesen gelebten Akt der Demokratie opfern. Wenn die Fernsehübertragungsrechte gut verhandelt werden, kommen die geschätzten Unkosten von gut einer Million EURO auch schnell wieder rein. Vorausgesetzt, genügend Zuschauer finden sich.

Ansonsten wird diese Kostenposition unter der Rubrik „Brot und Spiele“ mit den Rundfunkgebühren verrechnet, wodurch sich aber langfristig der Rundfunkbeitrag massiv erhöht. Demokratie gibt es halt nicht umsonst! Man(n) gönnt sich ja sonst nichts, um den (An-)Schein zu wahren…

Freiheit ist das Wesen des Selbstdenkenden,
nicht zwangsläufig des Andersdenkenden.

Nachklang: Es verwundert mich nicht, dass politische Ämter ausgekungelt werden. Schon längst hat das Volk hier nichts mehr mit zu entscheiden. Die (inszenierte) Entscheidung gleicht der Essensauswahl eines Vegetariers zwischen einem blutigen Rumpsteak und Chili con Carne. Was mich aber wundert, ist die parteipolitische Auswahl, welcher Reiter auf das (trojanische) Pferd gesetzt wird. Zu einer Zeit, in der Politik das eigene Volk mehr spaltet als verbindet, für das Amt des Bundespräsidenten – der ja über den Parteien stehen soll – einen amtierenden Vollblutpolitiker zu nominieren, kann man getrost als grenzdebil bezeichnen. Vielleicht ist es auch die (politische) Alternativlosigkeit unserer Einheitspartei, vielleicht auch nur die Angst im Nacken, die das Denken derart blockiert, dass für die Wahrnehmung, was ist, gar keine Neuronen mehr frei sind… vielleicht ist es aber alles durchdachtes Kalkül, dann jedoch Gnade uns Gott!

Zum aktuellen Demokratieverständnis
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Ro!and
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Auf den Punkt zu bringen, wer man ist, fällt weitaus schwerer, als andere in eine Schublade zu stecken ;-) Im Kern bin ich freiheitsliebend, querdenkend und gerne auch mal (benimm-)regelverstoßend. Ansonsten ganz "normal".
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